Zeigt seine beste Saisonleistung und wirft sechs Tore im Derby für Frisch Auf: Ivan Sliskovic. Foto: Baumann

Frisch Auf Göppingen befindet sich in der Handball-Bundesliga auf dem Vormarsch, der TVB Stuttgart kommt immer stärker in Bedrängnis. Das sieglose Team von Trainer Jürgen Schweikardt steht nach der 22:31-Derby-Niederlage nun vor zwei Schlüsselspielen.

Göppingen - Größer konnten die Kontraste nicht sein: Die Spieler von Frisch Auf Göppingen feierten ausgelassen den 31:22(14:11)-Derbysieg mit ihren Fans, die Akteure des TVB Stuttgart schlichen mit hängenden Köpfen in die Kabine. Als einer der ersten fand Kreisläufer Manuel Späth die passenden Worte: „Wir verlieren nach unserer 6:4-Führung den Faden und lassen uns dann den Schneid abkaufen.“ Der 33-Jährige spielte von 2006 bis 2017 für Frisch Auf und kennt die aufgeheizte Atmosphäre in der Halle: „Vielleicht haben sich unsere vielen neuen Spieler davon verunsichern lassen“, vermutete der Routinier. Das sollte sich schnell ändern. Denn mit 1:11 Punkten steckt der neu formierte TVB jetzt schon mittendrin im Kampf gegen den Abstieg. Der Druck steigt vor den Spielen bei den Eulen Ludwigshafen (5. Oktober, 20.30 Uhr) und daheim gegen den TBV Lemgo (10. Oktober, 19 Uhr). „Da müssen vier Punkte her“, fordert Späth.

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Und bei Frisch Auf? Da war die Erleichterung riesig. Denn die Grün-Weißen hatten als Favorit im Derby und nach 2:8 Punkten viel zu verlieren und wenig zu gewinnen. In der Anfangsphase war die Nervosität vor den 4100 Zuschauern in der EWS-Arena dann auch bis unter die Hallendecke zu spüren. Als Kapitän Tim Kneule schon in der neunten Minute seine zweite Zeitstrafe aufgebrummt bekam – und in der Abwehr nicht mehr eingesetzt wurde – machte sich ein mulmiges Gefühl bei den Göppingern breit. Doch das Team von Trainer Hartmut Mayerhoffer fing sich noch vor der Pause, kämpfte mit viel Herz und zog mit Tempohandball in der zweiten Hälfte unaufhaltsam davon.

TVB verliert Torwart-Duell

Als beim Stand von 21:16 (42.) TVB-Keeper Johannes Bitter ausgewechselt wurde, war eine Vorentscheidung gefallen. Der Göppinger Urh Kastelic hatte das Torwart-Duell klar für sich entschieden. Überhaupt war der Balkan-Block der entscheidende Faktor für den Ausgang des Derbys. Neuzugang Kastelic zeigte hinter einer aggressiven Deckung nach seiner Einwechslung in der 24. Minute erstmals in dieser Saison, warum er als der Königstransfer des vergangenen Sommers galt. Und auch zwei andere Spieler mutierten am Sonntag von Sorgenkindern zu Matchwinnern: Ivan Sliskovic zeigte Führungsqualitäten im Rückraum und warf sechs Tore. Linkshänder Nemanja Zelenovic rief erstmals in dieser Runde sein Potenzial ab und traf viermal. „Wir sind überglücklich über diesen Sieg“, jubelte der vierfache Torschütze Kresimir Kozina – und blickte schon auf Mittwoch (19 Uhr): Im DHB-Pokal-Achtelfinale geht es zu den Rhein-Neckar Löwen. Dann befindet sich Frisch Auf in der Außenseiterrolle und hat wenig zu verlieren.

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Der TVB hat das Pokal-Viertelfinale bereits erreicht. Dass der 30:26-Achtelfinalsieg vom vergangenen Mittwoch gegen den HC Erlangen keinen Rückenwind brachte, enttäuschte auch Trainer Jürgen Schweikardt. „Wir konnten an diese gute Leistung leider nicht anknüpfen und erwischten individuell und als Mannschaft einfach keinen guten Tag.“ Und Späth ergänzte bevor er in der Kabine verschwand: „Frisch Auf hat eben doch ein anderes Niveau als wir.“ Weshalb sich in der Tabelle möglicherweise die Wege der beiden Nachbarn weiter trennen werden.

Aufstellungen

Frisch Auf: Rebmann (1.-24.), Kastelic (24.-60.); Theilinger 3, Kneule 2, Heymann 3, Bagersted, Peric 1, Sliskovic 6, Sörensen 1, Schiller 6/3, Rentschler 1, Predragovic (ne.), Hermann, Zelenovic 4, Kozina 4.

TVB: Bitter (1.-44.), Lehmann (44.-60.); Häfner 1, Asgeirsson 1, Späth, Lönn 4, Markotic 1, Röthlisberger, Maier, Nicolaus, Zieker 6/1, Pfattheicher 4, Peshevski 1, Schmidt 2, Wieling 2.

Viele Spieler waren sowohl für Frisch Auf als auch für den TVB im Einsatz. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie!

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