Djibril M’Bengue gegen Melsungen wieder in Aktion- auf seine Tore setzt der TVB. Foto: Baumann

Der Handballer Djibril M’Bengue vom TVB Stuttgart hat am Mittwoch gegen Melsungen sein Comeback gegeben. Doch die 21:23-Niederlage tat mehr weh als zuletzt das Knie. Mit dem schlägt sich der Linkshänder seit zwei Jahren herum.

Stuttgart - Djibril M’Bengue ist ein Bär von Mann. Den so schnell nichts erschüttern kann mit seinen 1,96 Metern und 105 Kilo. Außer der Patellasehne. Die verbindet den Unterschenkel mit der Kniescheibe und sorgt so dafür, dass man das Bein strecken kann. Was nicht ganz unwichtig ist für einen Sportler und somit auch Handballer wie M’Bengue.

Doch eben diese nur rund fünf Zentimeter bereiten M’Bengue Probleme – tage-, wochen-, monatelang: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten zwei Jahren mal länger schmerzfrei war.“ Kein Wunder, dass am Mittwochabend ein Beifallssturm durch die ausverkaufte Scharrena ging, als der Linkshänder des TVB Stuttgart in der 40. Minute gegen Melsungen aufs Feld kam und mit seinen ersten beiden Würfen gleich in den Winkel traf. Wie zu besten Zeiten, auch wenn er am Ende die 21:23-Niederlage nicht verhindern konnte.

Was mehr wehtat als zuletzt das Knie. Denn eines ist klar: „Es ist schwierig, davon zu reden, fit zu sein“, sagt der Spieler. Sein letztes Spiel lag dreieinhalb Monate zurück, gegen die Rhein-Neckar Löwen. Mehr schlecht als recht quälte er sich da schon übers Feld – bis er den Entschluss fasste: Nichts geht mehr. Auch keine Operation. „Alles was man so hört, bringt das in diesem Fall keine große Verbessrung“, berichtet M’Bengue. Also mussten Alternativen her. Davon gibt es einige, nicht nur eine Zweitmeinung.

Erst ließ er sich bei einem Spezialisten in der Schweiz behandeln, doch die Erfolge hielten sich in Grenzen. Dann ging es zurück über die Grenze nach Freiburg, wo eine Kortison-Kur angesagt war, „aber da muss man vorsichtig sein“, weil die mit Nebenwirkungen verbunden ist. „Man hört immer in seinen Körper rein“ – und bekommt keine befriedigende Antwort. Denn abwechselnd war das rechte und linke Knie betroffen – und guter Rat teuer.

Alternativen zu Felix Lobedank

Bis ihm sein Teamkollege Marian Orlowski, der einen Kreuzbandriss hinter sich hat, ans Sport- und Leistungszentrum B2B in Dortmund vermittelte, wo Physiotherapeuten auf eine Umstellung der Belastungszonen setzen. Zum Beispiel eine neue Hüftstellung. M’Bengue erinnert sich: „Am Anfang habe ich gedacht: Wie soll das gehen?“ Inzwischen funktioniert es ganz gut, auch wenn Rückschläge nicht ausgeschlossen sind.

„Es geht immer besser“, sagt der Trainer Markus Baur. „Ich setzte auf ihn, aber nur wenn er absolut fit ist.“ Das Wort, das für M’Bengue tabu ist. „Ich will schmerzfrei trainieren können und wieder Spaß am Handball haben“, lauten seine kleinen Ziele. Und natürlich den Klassenverbleib schaffen. In diesem Fall verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr.

Durch das Verletzungspech der vergangenen Monate ist das Ziel ernsthaft in Gefahr. Gerade im rechten Rückraum war Felix Lobedank oft überfordert. „Aber diese Position kann kein Spieler in der Liga alleine ausfüllen“, nimmt der Sohn einer Deutschen und eines Senegalesen seinen Mitspieler in Schutz. Inzwischen ist auch Can Celebi zurück, der eigentlich als M’Bengue- Ersatz aus Frankreich geholt wurde, dann aber ebenfalls drei Monate verletzt fehlte.

„Er ist schon etwas weiter“, gibt M’Bengue zu. Deshalb spielte der Linkshänder gegen Melsungen auch länger (vier Tore) und hätte zum Matchwinner werden können, wenn er kurz vor Schluss einen Kempa-Trick noch erfolgreich zum 22:22 abgeschlossen hätte. „Beide haben schon gute Ansätze gezeigt“, sagt der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, „sind aber noch weit davon entfernt, was sie wirklich können.“

Showdown gegen Balingen

Diese Aussage soll Mut machen für die nächsten Wochen und speziell das nächste Spiel: Am 24. März gegen HBW Balingen- Weilstetten kommt es in der Posche-Arena zum Showdown im Abstiegskampf. Der Viertletzte trifft auf den Drittletzten. „Da gibt es keine Ausreden mehr“, sagt Baur, „das habe ich der Mannschaft schon gesagt.“

Drei Wochen Pause, der Spielplan macht’s möglich. Was kein Vorteil sein muss, weil die Mannschaft aus dem Rhythmus kommt. Djibril M’Bengue aber bringt jeder Tag weiter, um an der Kraft und Athletik zu feilen. Das Fitnessstudio war sein zweites Zuhause. „Das ist keine richtige Arbeit für mich“, hat er mal gesagt, sondern Vergnügen pur. Und zuletzt zu kurz gekommen.

Dafür hat der 24-Jährige – wie viele Kollegen – ein Fernstudium begonnen. In BWL. Medizin wäre eigentlich passender. Denn die Grundkenntnisse hat er am eigenen Leib erworben. Und die vergisst man nicht so schnell.

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