TV-Spaßvogel Elton Elton: Praktikant war gestern

Von Reimund Abel 

„Elton vs. Simon“ läuft aus. Schade, Elton alias Alexander Duszat würde man gern häufiger sehen.

Stuttgart - Er fühle sich für solche kraftraubenden Spielchen zu alt, sagt Elton. Das sollte man ihm nachsehen. Mit 41 Jahren muss sich keiner mehr zum Affen machen. Schon gar nicht, wenn man es so ausgiebig betrieben hat wie er. Vier Staffeln von „Elton vs. Simon“ wurden produziert, 32 Sendungen ausgestrahlt.

Das TV-Dauerduell zwischen dem früheren Showpraktikanten von Stefan Raab und dem dauergrinsenden Simon Gosejohann, war gewiss keine Perle deutscher Fernsehkunst. Und es dürfte sicher sein, dass die Juroren­ des Grimme-Preises nie ernsthaft erwogen haben, die Albernheiten des Duos auszuzeichnen. Aber es gebietet Respekt, mit welcher gnadenlosen Konsequenz Elton und Simon ihren Wettstreit durchgezogen haben. Bis an die Schmerzgrenze – und oft darüber hinaus.Was die beiden mit sich und ihren Körperteilen und -flüssigkeiten so alles angestellt haben, war selten langweilig, oft witzig – und mit großer Vorliebe unappetitlich.

In einer der ersten Sendungen, die spät am Abend liefen, testeten sie die Qualität ihres Spermas. Der Verlierer musste zur Strafe eine Kuh rektal befummeln oder einen Tag lang den Hund des anderen spielen. Ein andermal machten Elton und Simon einen auf ­dicke Hose und stopften sich so viele Euro-Stücke wie möglich in die Unterwäsche.

Purer Blödsinn also. Dennoch rief die Show Kritiker auf den Plan, die den Untergang der Fernsehkultur ausriefen. Andere warfen dagegen dem Sender vor, eine weichgespülte Variante der MTV-Show „Jackass“ zu bieten. Dort probierte der Moderator Johnny Knoxville Pfefferspray oder Elektroschocker an sich selbst aus.

So weit ging man auf Pro Sieben nicht. Aber bei der letzten Staffel hätten viele ­Sachen schon sehr wehgetan, sagte Elton der „Welt am Sonntag“. Da ist deutlich die ­Erleichterung herauszuhören, dass die Tortur ein Ende hat. Obwohl er natürlich weiß, dass Schmerzen zum Geschäft gehören. „Die Leute lachen über den, der die Torte ins ­Gesicht bekommt, und nicht über den, der sie schmeißt“, sagte Elton einmal. Das wissen ­alle Clowns – und als solcher darf auch der ­Vater zweier Kinder gelten.

Als er vor ziemlich genau zehn Jahren in „TV total“ als Showpraktikant auftauchte, war die Rollenverteilung rasch klar. Moderator Stefan Raab brauchte einen, über den er sich lustig machen konnte. Elton, dessen ­Name auf die Ähnlichkeit mit dem britischen Popstar zurückzuführen ist, kam ihm da gerade recht. Er wirkt auch heute noch, mit 41 Jahren, wie das Spiegelbild des bedauernswerten Jungen, der in der Schule immer von allen gehänselt wurde. Mit mehr als 100 Kilogramm war er ein bisschen zu dick, mit seiner Hornbrille wirkte er etwas zu unbeholfen: Raab demütigte Elton nach Herzenslust. Aber die Zuneigung des Publikums hatte der Gepeinigte auf seiner Seite.

Den Praktikantenstatus hat Elton abgelegt, auch wenn dieses Etikett an ihm klebt wie Pattex. Nach „TV total“ moderierte er Formate wie „Die Alm“und „Die Burg“ oder Musikshows wie „The Dome“. Mit Raab kann Elton immer noch gut. Wenn sein Ex-Mentor zum Turmspringen, zur Wok-Weltmeisterschaft oder zur Stock-Car-Challenge lädt, ist er dabei. Die beiden sind eben große Jungs, die gern spielen.

Seit 2010 darf sich Elton in einem Fernsehklassiker austoben. In „1, 2 oder 3“, dem ZDF-Quiz, das er als Kind selbst gern gesehen hat. Als Nachfolger von Kollegen wie Michael­ Schanze und Biggi Lechtermann gibt Elton den Witzbold. Seine beiden Kinder finden dennoch, dass er jetzt endlich mal was Richtiges macht. Und Schmerzen muss er dort auch keine mehr ertragen.

Pro Sieben, Samstag, 20.15 UhrKika, Sonntag, 17.35 Uhr

Lesen Sie jetzt