Unser TV-Serienliebling in Hollywood: Nina Rausch Foto: Billy Small

Sie ist der naive Babysitter, die patzige Empfangsdame, die deutsche Geliebte, die gelangweilte Schülerin, das wunder- schöne Mordopfer. Nina Rausch ist vor elf Jahren von Ingersheim nach Los Angeles gezogen. Seither verdingt sie sich im US-Fernsehen als Serientäterin. Mit immer größerem Erfolg.

Was diese Frau so alles treibt. Mal lässt sie als unterkühlte Schönheit die Ermittler in „Castle“ abblitzen, mal huscht sie als unauffällige Studentin in „Californication“ durchs Bild. Als deutsches Au-pair-Mädchen in „Mad Men“ wird sie verführt, als schwangeres All-American-Girl in „Navy CSI: L.A.“ Opfer eines Bombenanschlags.

Nina Rausch, die vor elf Jahren von ­Ingersheim in die USA ausgewandert ist, um ein Star zu werden, wartet zwar immer noch auf die großen Hauptrollen, ist inzwischen aber Dauergast in unseren Lieblings-Fernsehserien. Neuester Coup der 32-Jährigen ist ein sexy-spektakulärer Auftritt in der hippsten Serie, die das US-Fernsehen derzeit zu bieten hat – die skurrile Knastkomödie „Orange Is The New Black“, die vom Sender Netflix produziert wird und jetzt endlich auch in Deutschland zu sehen ist.

Franziska in „Orange Is The New Black“

Nina Rausch heißt in der Serie Franziska, ist die deutsche Geliebte von Poussey ­Washington (Samira Wiley) und die meiste Zeit nackt. „Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man sich vor der ganzen Welt auszieht“, sagt Rausch. Sie sitzt gerade in ihrem neuen Zuhause in Los Angeles. Dort ist es 9 Uhr am Morgen. In ihrer alten Heimat ist es 18 Uhr abends. Am Telefon erzählt sie, dass es ihr vor ihrer ersten intimen Filmszene schon ein bisschen mulmig war. „Das Drehen selbst war dann aber gar kein Problem. Das gehört zum Job des Schauspielers dazu. Und ich fühle mich wohl in meiner eigene Haut, bin mit allem zufrieden“, sagt sie lachend. Nur vier, fünf Crewmitglieder waren dabei, als die Sexszene gedreht wurden. „Und Samira und ich haben unsere Bademäntel immer erst ausgezogen, wenn es wirklich zur Sache ging.“

Die größte Herausforderung bei ihrem Auftritt in „Orange Is The New Black“ wäre aber auch gar nicht die Freizügigkeit dieser Szene gewesen, sondern die Tatsache, dass sie zum ersten Mal bei einer ihrer US-Rollen wirklich auch Deutsch sprechen sollte: „Da musste ich mich ganz schön konzentrieren, damit ich nicht zu schwäbisch ­rüberkomme.“

Erste Rolle an der Filmakademie Ludwigsburg

Kein Wunder, hat Nina Rauschs Karriere doch in Bietigheim begonnen. Bereits als Vierjährige spielte sie dort an der Musikschule Theater. Als 17-Jährige bekam sie ihre erste Filmrolle – in Eike Wichmanns Kurzfilm „Caravan“, der 2001 an der Ludwigsburger Filmakademie entstand. Doch schon damals träumte Nina Rausch von Hollywood. Eigentlich seit sie „Romeo + ­Juliet“ mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes gesehen hatte. 2003 ging sie dann nach Chicago, studierte Schauspiel, zog danach erst nach New York und schließlich nach Los Angeles, in die Stadt, in der das Herz der US-Unterhaltungsindustrie immer noch am lautesten schlägt.

Inzwischen hat sie zwar an der Seite von Stars wie Cybill Shepherd, Jason Biggs, Chris O’Donnell, David Duchovny oder Natascha McElhone in einigen der angesagtesten TV-Serien mit­gespielt, hatte bisher aber immer nur Gastauftritte, musste oft in ganz wenigen ­Szenen eine größtmögliche emotionale Spannung aufbauen: „Auch das ist Teil des Jobs“, sagt sie, „man lernt, sich zu schnell öffnen, sich schnell in jemand zu verlieben.“. In „Orange Is The New Black“ ist ihr das so außergewöhnlich gut ­gelungen, dass viele ­Serienfans bereits fordern, dass sie als Franziska unbedingt bald wiederkommen muss. „Diese Serie war der ­zweite große Karrieresprung für mich“, sagt Rausch.

Au-par-Mädchen Gudrun in „Mad Men“

Der erste war ihre Rolle in der mehrfach preisgekrönten Serie „Mad Men“, die in der New Yorker Werbewelt der 1960er Jahre spielt. Vor vier Jahren beeindruckte Nina Rausch da als das schüchtern-verzweifeltes Au-pair-Mädchen Gudrun, das von Pete Campbell (Vincent Kartheiser) verführt wird. „Damals war ich noch ziemlich unsicher, ­unerfahren, aber auch unbefangen“, erinnert sich Rausch, „diese Szene, in der ich weinend im Flur stehe, das war schon hart.“ Nach dem Dreh hat sie dann trotzdem den Kollegen Kartheiser, der damals kein Auto hatte, nach Hause gefahren.

Auch in „Mad Men“ spielte Nina Rausch eine Deutsche, sprach als Gudrun gebrochen Englisch. Deren gruseligen deutschen Akzent musste sie sich allerdings ­extra antrainieren. Matthew Weiner, der ­Erfinder von „Mad Men“, hatte sie nach ihrem ersten Vorsprechen gefragt: „Kannst du nicht ein bisschen deutscher sein?“

Zwar teilt sie sich in Los Angeles eine Wohnung mit ihrem Bruder Dominik, der ebenfalls in der Filmbranche ist. Doch selbst untereinander sprechen sie inzwischen meistens Englisch: „Vor allem, wenn es um die Arbeit geht“, sagt sie, „nur über private Sachen reden wird auf Deutsch.“

Wunsch: Einmal in Stuttgart Brecht im Theater spielen

Wenn sie nicht gerade dreht, geht Nina Rausch zu Castings, spricht für Film-, Fernseh- und Werberollen („die zahlen richtig gut“) vor und unterrichtet an einer Schauspielschule. Und inzwischen kann sie es sich sogar leisten, auch mal eine Rolle abzulehnen. „Neulich sollte ich in so einem Horrorfilm eine Nacktszene spielen“, sagt sie, „da habe ich dankend abgesagt. Ich habe zwar kein Problem damit, meinen Körper zu zeigen, aber da bin ich dann schon wählerisch. Bloß damit die ein bisschen mehr Leute ins Kino locken, ziehe ich mich nicht aus.“

Viel lieber würde Nina Rausch sowieso einmal in Serien wie dem Prohibitionsdrama ­„Boardwalk Empire“, dem Politthriller „House Of Cards“ oder der Familienkomödie „Modern Family“ mitspielen. Und ­obwohl sie keineswegs vorhat, ihre Hollywoodkarriere aufzugeben, hat sie manchmal auch ein bisschen Heimweh: „Einmal am Stuttgarter Staatstheater Brecht zu spielen, das wäre schon traumhaft.“

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