Heiße Liebschaften: Connor Storrie als Ilya Rozanov (links) und Hudson Williams als Shane Hollander in „Heated Rivalry“ Foto: /HBO Max/Sabrina Lantos

„Heated Rivalry“ macht aus einer Sport-Rivalität eine leidenschaftliche queere Lovestory – mit viel nackter Haut.Jetzt ist die Erfolgsserie in Deutschland bei HBO Max gestartet.

Shane Hollander kommt zu spät zum Lunch. So etwas passiert ihm sonst nie. Anstatt seiner Mutter, die stolz verkünden wird, dass sie für ihn einen Werbedeal mit Rolex klar gemacht hat, zu verraten, warum er wirklich zu spät gekommen ist, behauptet er, er sei in ein Youtube-Rabbit-Hole gefallen: Er habe gar nicht mehr aufhören können, Videos über höchst unwahrscheinliche Tierfreundschaften zu schauen – zwischen Tigern und Bären, Kühen und Enten oder einem Baby und einer Schlange.

 

„Heated Rivalry“: Der russische Bad Boy und der kanadische Musterkabe

Verdeckt erzählt dieser junge Mann damit dann doch, warum er sich verspätet hat: Auch er hat so eine äußerst unwahrscheinliche – und sehr geheime – Freundschaft geschlossen. Der Kanadier Shane Hollander ist der smarte Posterboy des Eishockeysports in der nordamerikanischen Profiliga – schlau, fleißig, adrett, schüchtern, freundlich und der Star der kanadischen Nationalmannschaft sowie der Montreal Metros. Der Russe Ilya Rozanov ist dagegen laut, provokant, rebellisch, pflegt sein Bad-Boy-Image und ist der Star der russischen Nationalmannschaft und der Boston Raiders.

Shane Hollander und Ilya Rozanov sind zwei sehr unterschiedliche Tierarten: Kaltblüter und Heißblüter, Raubtier und Pflanzenfresser, wild und zahm. Und doch finden die beiden zusammen. Und das kanadische Seriendrama „Heated Rivalry“, das an diesem Freitag bei HBO Max startet, erzählt ihre Geschichte.

Die Lovestory verwandelt sich gerne in einen schwulen Softporno

Die Serie wird in Nordamerika gerade als das heißeste Ding seit langem gefeiert. Und Hudson Williams und Connor Storrie, die Hollander und Rozanov spielen, haben bei der Golden-Globe-Verleihung Mitte Januar mit ihrem Auftritt allen Stars die Show gestohlen, obwohl sie gar nicht nominiert waren. Das dürfte damit zu tun haben, dass „Heated Rivalry“ nicht wirklich eine Sportdrama ist, sondern eine außergewöhnliche queere Lovestory erzählt – und sich dabei immer wieder gerne in einen homoerotischen Softporno verwandelt.

Hudson Williams (links) und Connor Storrie in „Heated Rivalry“ Foto: Crave/HBO

Schnitt und Kamera in „Heated Rivalry“ hätten zwar einen Preis für die Kunst der strategischen Nacktheit verdient, weil virtuos vermieden wird, dass jemals ein primäres männliches Geschlechtsorgan im Bild zu sehen ist. Dafür werden aber die muskulösen Körper der Darsteller und besonders ihre Hintern ausführlich in Szene gesetzt. Und bei den Sexszenen geht es sehr freizügig und explizit zu – auch weil die Figuren im Zweifel sagen, was sie tun, wenn wir es nicht sehen.

Frauen und Russen lieben „Heated Rivalry“

Alle scheinen diese Serie zu lieben. Selbst jene, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte: Denn angeblich sind vor allem Frauen Fans der Serie. Auch in Russland , einem Land, in dem Homosexualität zwar nicht ausdrücklich verboten ist, aber kriminalisiert und das Eintreten für LGTBQ-Rechte als Extremismus eingestuft wird, feiert man die Serie bereits, obwohl sie dort offiziell gar nicht zu sehen ist. Auf dem Internetportal Kinopoisk, dem russischen Pendant zur Filmbewertungsseite Rotten Tomatoes, wird „Heated Rivalry“ mit 8.6. Punkten bewertet – „Game of Thrones“ oder „Breaking Bad“ kommen nur auf 8.3 Punkte.

Die Serie ist eine Adaption der „Game Changer“-Bücher von Rachel Reid. Der Erfolg könnte auch damit begründet sein, dass „Heated Rivalry“ nicht nur von der unwahrscheinliche Freundschaft zwischen Hollander und Rozanov erzählt (die sich auch, wenn sie Sex haben, konsequent mit ihren Nachnahmen ansprechen), sondern zudem von der auf den ersten Blick ebenfalls eher unwahrscheinlichen Verbindung von Homosexualität und des sich als Macho-Spielplatz aufführenden Eishockeysports. „Die Bücher sind entstanden, weil ich wütend auf die Eishockey-Kultur war“, hat die Autorin der Vorlage in einem Interview gesagt: „dass es da deutliche homophobe Tendenzen gibt, hat dazu geführt, dass ich mich geschämt habe, Eishockey-Fan zu sein, und mit der Buchreihe wollte ich die Hockey-Liga und deren Kultur herausfordern.“

Was wäre, wenn Eishockeystars schwul wären?

Und das gelingt nicht nur in den Büchern, sondern auch in der Serie wunderbar. Man kommt sich vor wie bei einem Fan-Fiction-Gedankenspiel: Was wäre, wenn all diese Alphamännchen auf Testosteron in Wirklichkeit schwul wären? „Heated Rivalry“ erzählt jedenfalls mit zwei grandiosen Schauspielern eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art, bei der oft Blicke und Gesten wichtiger sind als Dialoge.

Nebenher gelingt es der Serie all die Schwulen-Klischees, die einem Hollywood gerne auftischt, zu ignorieren. Hier erlebt man keine überkandidelten, hypersensiblen, femininen, extravagant gekleideten Exzentriker, sondern maskuline Typen, die nicht nur als Sportler auf der Eisfläche gerne schnell zur Sache kommen – unabhängig davon, ob sie Bären, Tiger oder Schlangen sind.

„Heated Rivalry“: Wo es die Serie zu sehen gibt

Serie
 „Heated Rivalry“ beruht auf Büchern der Autorin Rachel Reid und wird vom kanadischen Streamingdiensts Crave produziert. Die Serie erzählt von der geheimen Beziehung zweier Eishockeystars in der nordamerikanischen Profiliga. Zwar haben zuvor Serien wie die Netflix-Produktion „Heartstoppers“ bewiesen, dass queere Lovestorys als Publikumserfolg taugen, der „Heated Rivalry“-Showrunner Jacob Tierney („Letterkenny“) hatte trotzdem anfangs Bedenken, ob Reids Bücher wegen der expliziten Sexszenen als Vorlage für eine Serie geeignet sind. Eine zweite Staffel ist in Planung, die allerdings frühestens 2027 veröffentlicht wird.

Streamingdienst
 „Heated Rivalry“ startet an diesem Freitag, 6. Februar, bei dem Streamingdienst HBO Max („Game of Thrones“, „White Lotus“, „Succession“, „The Last of Us“), der seit Mitte Januar in Deutschland verfügbar ist. Die Ausstrahlung der sechs Episoden der ersten Staffel der Serie erfolgt wöchentlich.