Fredo Schulz (Armin Rohde, 3. v. re.) schafft den Job nicht ganz alleine. Foto: ZDF

In der sehenswerten Krimireihe „Der gute Bulle“ spielt Armin Rohde einen Cop mit vielen Problemen. Die zweite Episode „Friss oder stirb“, von Lars Becker knallhart inszeniert, erzählt eine düstere Geschichte aus dem Berliner Drogenmilieu.

Stuttgart - Arte warnt: Für empfindsame Zuschauer oder Kinder sei dieser Film nicht geeignet. Dabei ist „Friss oder stirb“, der zweite Krimi der „Guter Bulle“-Reihe mit Armin Rohde aus Berlin, gar nicht mal übermäßig brutal. Erschreckend ist viel mehr die Beiläufigkeit, mit der die Gangster hier Morde begehen. Ihre Verrohung äußert sich zudem in einem Sprachgebrauch voller Menschenverachtung.

Wie in seinen Polizeifilmen „Unter Feinden“, „Zum Sterben zu früh“ und „Reich oder tot“ unterscheiden sich auch in Lars Beckers neuem Krimi einige der Guten von den Bösen nur noch durch ihre Ausweisnummer. Schon der Auftakt ist ein irritierendes Doppelspiel: Zwei der drei Männer, die anscheinend aus dem Drogenmilieu stammen, sind in Wirklichkeit Polizisten, aber einer der beiden Ordnungshüter ist auch ein Verbrecher; die Szene endet mit der Hinrichtung des anderen.

Im Drogensumpf

Der Feind in den eigenen Reihen: Das deutsche Fernsehen hat sich lange Zeit nicht getraut, solche Geschichten zu erzählen, weil die Zuschauer sie nicht sehen wollten. Aus diesem Grund war beispielsweise Peter Keglevics hochgelobter Sat-1-Mehrteiler „Blackout – Die Erinnerung ist tödlich“ (2006) beim Publikum ebenso chancenlos wie die vielfach ausgezeichnete ZDF-Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ (2007 bis 2010). Wenn überhaupt, saßen die Gegenspieler der aufrechten Polizisten beim BKA oder beim Staatsschutz, aber doch nicht im Büro nebenan.

Genau daraus bezieht „Friss oder stirb“ jedoch seinen Reiz: Drogenhändler Hassan (Murathan Muslu) kann seinen Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen, weil Gondorf (Sascha Alexander Geršak), ein leitender Beamter aus dem Drogendezernat, auf seiner Lohnliste steht. Fredo Schulz (Rohde), der den Drogensumpf trocken legen soll, ist klar, dass es einen Maulwurf gibt.

Eine Nummer härter

Er vertraut also nur seinem eigenem Team, Milan und Lola (Edin Hasanovic, Nele Kieper). Weil auch der nächste Undercover-Polizist auffliegen würde, machen Schulz und Milan der jungen Dealerin Dakota (Almila Bagriacik), die im Gefängnis sitzt, ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann: Spitzeltätigkeit gegen Straferlass. Was Schulz nebst anderen Komplikationen nicht ahnt: Dakota ist Milans große Liebe.

Die Handlung erinnert an zwei Thriller mit Aylin Tezel, „Die Informantin“ (2016) und die kürzlich ausgestrahlte Fortsetzung „Der Fall Lissabon“; allerdings ist Beckers Film noch eine Nummer härter. Es gibt nur wenige deutsche Regisseure, die ihren Darstellern eine derart prägnante physische Präsenz entlocken können.

Das funktioniert natürlich nur mit den richtigen Akteuren. Der Wiener Murathan Muslu zum Beispiel strahlt eine Energie aus wie kaum ein anderer Schauspieler, was ihn unter anderem in den „Tatort“-Episoden mit Til Schweiger zum perfekten Kontrahenten machte.

Cool und düster

Armin Rohde nimmt sich in dieser Rolle stark zurück: Schulz ist ein trockener Alkoholiker, der nach dem Tod von Frau und Kind jegliche Lebensfreude verloren hat. Eigentlicher Star des Films ist aber Almila Bagriacik, die schon als Prostituierte in Beckers letzter „Nachtschicht“-Episode „Es lebe der Tod“ Glanzlichter gesetzt hat. Ihre Rolle ist mit Abstand die vielschichtigste, und das nicht nur wegen des Doppelspiels. Beckers Drehbuch erfüllt zwar nicht einen Moment lang das Romanzenklischee „Eine Frau zwischen zwei Männern“, aber neben Milan gibt es in Dakotas Leben auch noch den Junkie und Kleindealer Pablo (Vincent Krüger), den Vater ihres Kindes.

Es gibt die eine oder andere Ungereimtheit in der Geschichte, und einige Nebenfiguren sind etwa mit Nina Kunzendorf überbesetzt. Aber die Hauptdarsteller machen das spielend wieder wett. Für einen Thriller hat Becker „Friss oder stirb“ zudem ziemlich entspannt inszeniert, aber auch die lässige und coole Musik kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film ausgesprochen düster ist und selbstredend kein gutes Ende nimmt.

Ausstrahlung: Arte, 26. April, 20.15 Uhr. Danach bis 26. Mai in der Mediathek des Senders.

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