Der VfB profitiert vom neuen TV-Verteilerschlüssel. Wie sehr, dass muss noch genau errechnet werden. Foto: imago/Michael Weber

Es ist kein Riesensprung, doch der VfB wird wirtschaftlich vom neuen Verteilungsmodus der TV-Milliarden in der Fußball-Bundesliga profitieren. Dennoch will der Club den Beschluss nicht kommentieren.

Stuttgart - Die öffentliche Zurückhaltung im roten Clubhaus an der Mercedesstraße kam dann doch etwas überraschend. Denn man hätte ja gerne gehört, wie denn der VfB um seinen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger den neuen Verteilerschlüssel bezüglich der TV-Milliarden im Profifußball bewertet. Eine Entscheidung, die einige wie der BVB-Boss Joachim Watzke „als schmerzhaften Kompromiss für die Spitzenclubs“ bezeichnen, während etwa Helen Breit von der Fanvertretung „Unsere Kurve“ erklärte: „Wir sind absolut enttäuscht. Denn wir können keine substanziellen Veränderungen erkennen. Es werden andere Worte für das gleiche System verwendet.“

 

Und der VfB? Sind die Stuttgarter mit den neuen Kriterien zur Umlegung der insgesamt 4,4 Milliarden Euro in den nächsten vier Spielzeiten auf die 36 Clubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga, die etwa Klaus Filbry, der Vorsitzende Geschäftsführer des SV Werder Bremen „eher eine Evolution als eine Revolution“ nennt, letztlich zufrieden?

Giftpfeile aus München

Immerhin zählte der VfB im Vorfeld der Entscheidung durch das neunköpfige Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu den vier Bundesligisten, die gemeinsam mit weiteren zehn Zweitligisten ein so genanntes Positionspapier unterschrieben hatten. Ein Dokument, welches den Blick bei der Verteilung der TV-Gelder intensiver auf die kleineren Clubs richtet. Getreu dem Motto: die Reichen dürfen nicht noch reicher werden. Dies hatte die Großclubs mit dem FC Bayern München an der Spitze derart erzürnt, dass auch der Begriff „Fehdehandschuh“ fiel.

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Doch auch am Tag nach der Entscheidung, die allein durch die Anhebung des fixen Sockelbetrages von nun 24,7 Millionen Euro für jeden Bundesligisten einen Teilsieg der Opposition um den VfB bedeutet, gibt der Aufsteiger keinen Kommentar ab. Man wolle sich zunächst über die Zahlen beugen, hieß es am Dienstag lediglich. Ob die Stuttgarter anschließend eine öffentliche Bewertung abgeben werden – dies erscheint ebenfalls sehr fraglich.

Klar ist allerdings, dass auch die Stuttgarter künftig mehr TV-Geld in der Kasse haben werden als zuletzt. Dies ist allein deshalb so, weil man als Aufsteiger mit einem TV-Erlös von 45,7 Millionen Euro in 2020 zuletzt als Drittletzter zu den Hinterbänklern der ersten Liga zählte. Ein Quantensprung ist aber nicht zu erwarten.

Das Interesse am VfB ist überdurchschnittlich

Hält der sportliche Aufschwung an, werden die Roten dennoch nicht nur beim Fixbetrag, der in Summe 52 Prozent des TV-Kuchens ausmacht, sondern auch andernorts zulegen: Schließlich speisen sich 42 Prozent der Erlöse aus dem sportlichen Abschneiden der vergangenen fünf Jahre. Auch in den Punkten Nachwuchsförderung (3,5 Prozent der Erlöse) sowie dem Interesse am VfB (2,5 Prozent), wo die Stuttgarter aktuell auf Rang elf sämtlicher 36 Erst- und Zweitligisten liegen, schneidet der Club überdurchschnittlich ab.

In Bielefeld ist man unzufrieden

„Es sind keine Zeiten für radikale, sondern für verlässliche Lösungen, in denen man den Blick nach vorne wirft. Dieser Beschluss hat das Potenzial, die Liga zusammenzuhalten“, erklärte derweil der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zum neuen Verteilungsmodus. Doch das sehen längst nicht alle so. „Es geht schlicht um die Zukunftsfähigkeit des Profifußballs. Die neue Ausrichtung ist hier nur ein kleiner Schritt“, sagte Markus Rejek, Geschäftsführer bei Arminia Bielefeld: „Das zentrale Anliegen aus unserem Impulspapier wurde jedoch nicht mutig genug angegangen.“

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