Jürgen Klinsmann als TV-Experte beim Spiel Deutschland gegen Serbien am Mittwochabend in Wolfsburg. Foto: AFP

Der erste Auftritt von Jürgen Klinsmann als neuer Länderspiel-Experte von RTL hatte etwas von Heimkehr. Mit seinem Vorgänger und Weggefährten Joachim Löw ging er nicht allzu hart ins Gericht.

Wolfsburg - Jürgen Klinsmann spürte, was Joachim Löw brauchte. Mit einem fürsorglichen Grinsen reichte der frühere Chef des Weltmeistertrainers seinem alten Weggefährten nach getaner Arbeit dampfenden Espresso in dunkelroter Keramik. „Ganz wichtig“, scherzte Klinsmann nach dem 1:1 (0:1) der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien in Wolfsburg. Er kennt die Gewohnheiten Löws eben nur zu gut. Es war ein Sinnbild für Klinsmanns ersten Auftritt als Länderspiel-Experte für RTL.

Der Ex-Bundestrainer fühlte sich sichtbar wohl im vertrauten Zirkel der Nationalmannschaft - zu viel Kritik erschien ihm da nicht angebracht. „Wir können immer über die Mannschaft sprechen, denn es ist ja unsere Nationalmannschaft“, sagte Klinsmann vor dem Anpfiff auf die Frage, ob er denn mittlerweile genug Distanz zum Team habe, um die Leistung zu beurteilen.

„Dieses dumme Tor“

Als er unmittelbar danach zum ersten Mal auf Löw traf, fielen sich die beiden in die Arme. Löw, von 2004 bis 2006 Co-Trainer unter Bundestrainer Klinsmann, erklärte, er habe „dem Jürgen natürlich viel zu verdanken. Von daher bleibt unser Verhältnis immer gut.“ Schon dort war klar, dass markige Statements zum Status quo des deutschen Fußballs, wie sie Klinsmann in den letzten Tagen durchaus abgegeben hatte (Stichwort: Alarmstufe Rot, Stichwort: Katastrophe), nicht zu erwarten sein würden.

Klinsmann, der meist von „Wir“ sprach, wenn es um die Nationalmannschaft ging, freute sich, wieder nah dran zu sein. Fröhlich winkte er vor Spielbeginn Torwarttrainer Andreas Köpke im Spielertunnel zu. Unglücklich nur, dass die Mannschaft Klinsmann bei seinem Debüt zumindest teilweise einen Strich durch die Rechnung machte und vor allem im ersten Durchgang doch mehrfach Angriffsfläche bot. Da ärgerte sich Klinsmann sogar über „dieses dumme Tor“ von Serbiens Luka Jovic (12.). „Da schluckt man erst mal“, sagte er.

„Sehr viele positive Erkenntnisse“

Für das erste richtige Kräftemessen des Jahres am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) beim Start der EM-Qualifikation in den Niederlanden fand Klinsmann gegen Serbien trotzdem und anders als manche Experten „sehr viele positive Erkenntnisse.“ Und das, obwohl die erste Halbzeit nach dem Gegentor selbst nach Klinsmann-Urteil „ein bisschen zäh“ war. Auch die Chancenverwertung war nicht ganz nach dem Geschmack des ehemaligen Weltklasse-Angreifers.

Aber Löw könne ja „nicht von außen reinrennen und sagen: ’Ich mach das Ding jetzt selber rein.’“ Gerade jungen Offensivspielern wie dem unglücklich agierenden Timo Werner „fehlen die Erfahrungselemente“, so Klinsmann. Jene darf auch er selbst am Sonntag am Mikrofon weiter sammeln.

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