Charlie Taylor in einer der Traumsequenzen, die das Innenleben der jungen Schauspielerinnen sichtbar machen sollen Foto: ZDF

Der Dokumentarfilm „A Song of an unknown Actress“ auf 3 Sat liefert das Gegenprogramm zum Oscar-Jubel. Er erzählt von jungen Schauspielerinnen, die im Vorhof der Traumfabrik auf eine kleine Chance hoffen.

Hollywood - Bei jeder Oscar-Gala erinnern ein paar Siegerinnen und Sieger daran – gerne unter Freudentränen –, wie lang und schwer der Weg ins Scheinwerferlicht für sie war. Aber jedes dankend in die Höhe gereckte Goldmännchen verkündet der Welt: „Klappt dann eben doch. Man muss nur am Ball bleiben. Hollywood macht jene glanzvoll und berühmt, die an Hollywood glauben – und ein wenig zu leiden bereit sind.“

Gerade hat Hollywood sein Locklicht Oscar wieder strahlen lassen. Prompt kontert 3 Sat mit einem Dokumentarfilm über Nachwuchstalente, die noch lange nicht am Ziel sind. Und aller Statistik nach auch nie von der Schauspielerei werden leben, ­geschweige denn einen Oscar ihr eigen nennen können. „A Song of an unknown Actress“ von Peter Göltenboth und Florian Giefer erzählt vom Fuße der Karriereleiter, wo es von Konkurrenz nur so wimmelt.

Die Uhr tickt

Das wissen die fünf Protagonistinnen, und auch, dass die Uhr für sie tickt. Eine der Schauspielerinnen wird ihren Traum, der vorerst nur aus Aushilfsjobs und der ewigen Hatz nach Vorsprechchancen besteht, aufgeben. Sie mag sich noch jung fühlen, aber in den Jahren, in denen sie um eine richtige Rolle, um mehr als einen Werbespot gekämpft hat, sind Heerscharen noch frischerer Gesichter im Vorhof der Traumfabrik aufgetaucht.

Die Startchancen sind nicht ganz gleich. Charlie Taylor kommt aus einer Schauspielerfamilie, ihr Vater war mal gut im Geschäft, sie sei, kokettiert sie, am Filmset aufgewachsen. Die Britin Chloe Farnworth kam gar mit der Empfehlung „New Face of the Year“ der Film- und Fernsehakademie Bafta nach Hollywood. Die anderen, Amanda Markowitz, Gina Slattery und Nicole Coulon, haben noch weniger zu bieten, um den Anschein zu erwecken, sie gehörten schon dazu. Wie schwer es ist, dazuzugehören, kann Coulon erzählen. Sie hat eine kleine Nebenrolle in „La La Land“ gehabt. Aber in der Oscar-Nacht, als sechs Preise an den vierzehnfach nominierten Film gingen, war sie bereits wieder Kellnerin.

Den Alltag ausblenden

„A Song of an unknown Actress“ zeigt die Ochsentour nicht, die fünf Frauen erzählen nur davon. Das lässt zwar Hollywood weniger konkret werden, schafft aber mehr Intimität. Und will wohl suggerieren, die ganze Ruppigkeit und Schäbigkeit des Alltags werde ausgeblendet, werde zu Anekdoten geformt, damit man ihn überhaupt aushalten kann.

Weniger gut funktioniert die Idee von Göltenboth und Giefer, ihren Film mit Traumsequenzen anzureichern. Die wirken eher prätentiös als poetisch. Andererseits passt das auch wieder wie die Faust aufs Auge: Wenn junge Schauspielerinnen schon mal eine Chance bekommen, dann in Filmen mit Schwächen, gegen die sie sich erst mal durchsetzen müssen. Was ihnen hier sogar gelingt.

Ausstrahlung: 3 Sat, Montag, 25. Februar 2019, 22.15 Uhr, danach in der Mediathek des Senders

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