Bei Meolie Jauch ist sichtbar die Freude am Turnen zurück: Am Stufenbarren wurde die Schönaicherin jüngst in Dresden sogar deutsche Meisterin. Foto: Eibner/Lars Neumann

Meolie Jauch hatte Ende 2024 eigentlich schon mit dem Turnen abgeschlossen. Jetzt ist die Schönaicherin deutsche Meisterin – weil sie ihren Sport nur noch als Hobby sieht. Wie geht das?

Die deutsche Überraschungsmeisterin hatte einiges vor nach ihrem Titelgewinn. Turnerin Meolie Jauch fuhr nach ihrem Titelgewinn am Stufenbarren mit einer Teamkollegin für einen Tag nach Paris. Dort testete sie für ihren Verein, die TS NeckarGym Nürtingen, eine neue Schnitzelgrube. Anschließend ging es für die Schönaicherin mit einer Freundin sechs Tage lang nach Lloret de Mar. Zum Partymachen. Für die Schülerin, für die es nach den Sommerferien in die Oberstufe geht, folgte schließlich ein Sprachkurs, um gut auf den anstehenden Französisch-LK vorbereitet zu sein. Und nach der Schule, da will sie dann möglichst schnell vor die Kameras: als Moderatorin, am liebsten fürs Kinderfernsehen von ARD oder ZDF. „Dieser Berufswunsch“, sagt sie, „steht für mich schon länger fest.“

 

Und sonst so, das Turnen zum Beispiel?

Wer mit Meolie Jauch im August 2025 spricht, der redet eher weniger über ihren Sport. Sondern eher übers Leben und darüber, wie man das genießt. Der Titelgewinn von Dresden? War weder geplant noch erwartbar. Im Nachhinein kommt er fast wie eine Laune des Zufalls daher. Eine Art Ausreißer nach oben, nach dem die Mutter der 18-Jährigen damit beschäftigt war, die Zeitungsartikel dazu zu sammeln und an ihre Tochter zu schicken.

Die jüngere Geschichte der Athletin ist bekannt. Meolie Jauch war die Frau, die nach einem Kreuzbandriss im Olympiajahr 2024 überraschend zurücktrat – und mit der Begründung den Skandal hinsichtlich der Missbrauchsvorwürfe am Kunstturnforum in Stuttgart auslöste. Dazu, das ist zu hören und zu spüren, will sich Meolie Jauch nicht mehr äußern, das betont sie schnell. Sie sei nicht mehr so im Thema drin und wisse nicht, wie die Aufarbeitung allgemein gerade laufe, schüttelt sie den Kopf. Und: „Ich habe mit der Sache abgeschlossen.“ Sie teilt das freundlich und höflich, aber auch bestimmt mit. Sie erzählt viel lieber über ihr neues Leben – in dem ihr Sport im besten Sinne nur noch Nebensache ist. Um die eingangs erwähnten Dinge kreisen ihre Gedanken.

Leben und leben lassen, so handelt die junge Frau nun als Athletin – nachdem sie vorher vom Kindesalter bis zu ihrem Rücktritt immer einen festen Plan hatte, der da hieß: turnen, turnen, turnen. Früher waren zehn Einheiten an sechs Tagen pro Woche Usus, was auf hohem Niveau normal war und ist. Jetzt aber steht zumindest Meolie Jauch nur noch dreimal wöchentlich in der Halle. Nachhaltig trainieren lautet das Credo.

Inzwischen turnt Jauch in der zweiten Liga in Nürtingen (und nicht mehr für den MTV Stuttgart in der Bundesliga). „Ich weiß, was im Training für mich nötig ist und was nicht“, sagt die Schönaicherin, die jetzt „lieber drei Versuche richtig übt und nicht wie vorher 100 Versuche mit anschließendem Krafttraining macht“. Weniger ist mehr, das ist die Devise. Und: Sie geht vielmehr nach dem inneren Gefühl.

Hinter diesem speziellen (Nicht-)Plan stehen alle Coaches bei der TS NeckarGym, wo Meolie Jauch nun von ihrer Trainerin aus Kindertagen, Ghazal Seilsepour, betreut wird. Als sie nach ihrem Rücktritt Ende 2024 nicht wusste, ob sie noch mal hobbymäßig turnen will, schaute die 18-Jährige irgendwann bei ihr vorbei. Die entspannte Atmosphäre dort, die alte Bekannte – „das hat mich gefangen“, erinnert sie sich.

Spielerisch und ohne Druck kam sie nach ihrem Kreuzbandriss wieder in Form. Einen Wettkampf wollte sie nicht mehr absolvieren – bis sie plötzlich doch in der zweiten Liga startete. Die Übungen wurden immer besser. Bei der DM erklomm Meolie Jauch schließlich den vorläufigen Gipfel bei ihrem Comeback. Die Vorbereitung darauf, so berichtet sie es jetzt, sei anders gewesen als früher. Sie war beispielsweise auch auf Mallorca – und das nicht zum Trainieren.

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