Lichtblick das deutsche Turn-Team beim DTB-Pokal in Stuttgart. Im Mixed-Cup holt die DTB-Riege Silber hinter den USA.
Es war knapp, die Sache entschied sich erst mit dem letzten Turner des Durchgangs. Doch nachdem der Kanadier Chris Kaji seine Wertung für seine Barrenübung erhalten hatte, war klar: Deutschland steht im Final um Gold. Und der Jubel unter den Turnerinnen und Turnern war schon da groß.
Im Finale des Mixed-Cups beim DTB-Pokal in Stuttgart unterlagen die Athletinnen und Athleten des Deutschen Turner-Bunds (DTB) zwar klar den Gästen aus den USA. Dennoch durfte dieser Einzug in den Durchgang um Gold als Erfolg gewertet werden. In Tagen, die für das deutsche Turnen nicht die einfachsten sind.
Die Männer haben einen Generationswechsel begonnen, der Zeit braucht. Bei den Frauen belastet der so genannte Turnskandal nach wie vor die sportliche Entwicklung. Vor allem die Turnerinnen in Stuttgart mussten lange warten, ehe die Trainingssituation nach Suspendierungen von Übungsleitern neu geregelt war. Dieser Trainingsrückstand war in Stuttgart deutlich bemerkbar. Helen Kevric war gar nicht erst am Start, Marlene Gotthardt („Ich wäre normalerweise eineinhalb Monate weiter“) und Michaela Mühlhofer versuchten lediglich, den DTB-Pokal als erste Standortbestimmung zu nutzen. Beide turnten am Freitagabend in der Team Challenge, im Mixed-Cup am Samstagabend gingen sie nicht an die Geräte.
„Für den Stand, den wir derzeit haben, haben sie es großartig gemacht“, lobte trotz allem Aimee Boorman, die neue Trainerin am Stuttgarter Kunstturnforum. Die US-Amerikanerin ergänzte: „Wir haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet, es waren noch Fehler dabei, aber es geht in die richtige Richtung.“ Besonders lobte sie den Kampfgeist im Wettbewerb, den sie bei ihren Schützlingen in der Porsche-Arena beobachtet – und neu kennengelernt – hatte. Bisher hatte sie die Turnerinnen ja nur im Training erlebt, seit sie Anfang März nach Stuttgart kam.
Timo Eder patzt zweimal am Pauschenpferd
In den nächsten Tagen muss die frühere Trainerin von Simone Biles noch einmal zurück in die USA, ehe sie ihr Coaching am Stuttgarter Kunstturnforum fortsetzt. Das Ziel ist klar. Gotthardt, Kevric und Mühlhofer sollen trotz des schwierigen Jahresstarts gut vorbereitet zur Heim-EM in Leipzig fahren können. In vier Wochen steht die erste Qualifikation an.
Im Mixed-Cup, einem Wettkampfformat, in dem je drei Turnerinnen und Turner für ihr Land an den Start gehen, traten für den DTB Karina Schönmaier, Silja Stöhr und Janoah Müller sowie Nils Dunkel, Timo Eder und Alexander Kunz an. Lokalmatador Eder – er turnt für den MTV Ludwigsburg – zeigte solide Übungen, ehe er im Finale glich zweimal das Pauschenpferd verlassen musste.
An diesem Sonntag darf der 19-Jährige noch einmal in der Porsche-Arena vor seinem Heimpublikum ran. Er steht im Finale am Boden, Nils Dunkel ist am Barren mit dabei. In den Gerätefinals der Frauen ist aus deutscher Sicht lediglich Silja Stöhr vertreten. Die Turnerin aus Heddesheim kämpft am Schwebebalken um eine DTB-Pokal-Medaille. Am Boden ist sie ebenso Ersatzturnerin wie Jesenia Schäfer (Chemnitz) am Sprung und am Stufenbarren.
Sehr gut präsentiert hatten sich am Samstagvormittag die deutschen Juniorinnen. In der Team Challenge landete die DTB-Riege auf dem zweiten Platz hinter den chinesischen Talenten. Der erfreuliche Nebeneffekt dieser Leistung: In den Gerätefinals an diesem Sonntag ist die deutsche Mannschaft an jedem Gerät vertreten.