Vor dem Abflug beim MTV Stuttgart: Fabian Hambüchen. Foto: dpa

Nach nur einem Jahr in Stuttgart stehen die Zeichen bei Fabian Hambüchen auf Abschied. Den Turnstar zieht es zurück zu seinem Ex-Club KTV Obere Lahn. Der MTV hat aber noch Hoffnung.

Stuttgart - Fabian Hambüchen (28) lässt es sich gutgehen. Der Turnstar schippert mit einem Kreuzfahrtschiff übers Mittelmeer, es ist der Urlaub nach einer kräftezehrenden Saison. Und es ist so ziemlich das letzte Mal, dass Hambüchen vor dem so wichtigen Jahr 2016 noch mal so richtig die Seele baumeln lassen kann. Die Olympischen Spiele in Rio und der Qualifikationswettkampf dafür im April stehen über allem – Hambüchen lädt noch bis zum Ende der nächsten Woche seine Akkus auf, um in Rio im Kampf um die Medaillen eingreifen zu können.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub wird der Alltag Hambüchen wieder einholen, und das womöglich schneller als gedacht. Eine endgültige Entscheidung muss her, und zwar über seine Zukunft in der Deutschen Turn-Liga (DTL). In diesem Jahr war der gebürtige Wetzlarer für den MTV Stuttgart aktiv – nun ist es so gut wie sicher, dass der Topstar den Verein nach nur einer Saison wieder verlassen wird. Aus Hambüchens Umfeld ist zu hören, dass die Chancen auf einen Verbleib in Stuttgart maximal bei fünf Prozent lägen. Den Reck-Spezialisten zieht es nach Informationen unserer Zeitung zurück zu seinem Ex-Club KTV Obere Lahn.

Warum das so ist, ist recht einfach erklärt. Spitzenturner wie Fabian Hambüchen oder Marcel Nguyen richten alles nach Großereignissen wie den Olympischen Spielen oder einer WM aus. Die Bundesliga steht hintenan, sie ist auch finanziell so etwas wie ein Zusatzanreiz, mehr nicht. Hambüchen jedenfalls pocht bei der Planung darauf, freie Hand zu haben, bei welchen Wettkämpfen er antreten muss. Er will selbst Herr seiner Trainingspläne sein und richtet die Wettkämpfe danach aus. So wäre er beim großen DTL-Finale am vergangenen Wochenende nicht einmal dann an den Start gegangen, wenn es für den MTV um den Titel gegangen wäre – und nicht nur um Platz drei.

Ewald gibt den Kampf nicht auf

Diese Freiheiten wiederum kollidieren mit den Interessen des MTV Stuttgart, der Verein will sein Zugpferd Hambüchen so häufig wie möglich bei den Wettkämpfen dabeihaben. Das teilte Geschäftsführer Karsten Ewald seinem Star auch mit. Hambüchen fühlte sich dem Vernehmen nach aber ab einem gewissen Punkt zu sehr unter Druck gesetzt. Er plant nun die Rückkehr zu seinem Ex-Club, wo er alle Freiheiten hätte – und wo er obendrein auf etliche langjährige Kumpels in der Mannschaft träfe.

Karsten Ewald hat allerdings den Kampf um Hambüchen noch nicht aufgegeben – er sieht die Chance auf einen Verbleib bei „40 Prozent“. Ewald räumt bei sich selbst einen gewissen Lernprozess ein. „Dass man Topstars nicht in ein Korsett zwängen kann und ihnen Freiheiten lassen muss, weil für sie die Großereignisse an erster Stelle stehen, war ein Prozess, den ich für mich auch erst begreifen musste“, sagt er.

Für den Geschäftsführer sind die Verhandlungen mit Hambüchen ein schmaler Grat. Er weiß um die Bedeutung des Stars für den MTV – in sportlicher Hinsicht, aber auch aus Imagegründen. Hambüchen ist ein Zugpferd für den Verein, für die Fans und die Sponsoren. Allerdings gibt es für den MTV Grenzen. Auch ein Star wie Hambüchen sollte terminlich zumindest einige Zusagen geben, um eine gewisse Planungssicherheit für die Wettkämpfe zu haben. „Ich muss auch aus Sicht des Vereins handeln und meine Meinung äußern“, sagt Ewald dazu.

Hambüchen soll alle Freiheiten haben

Der Geschäftsführer aber hat sich nun im Zuge der aktuellen Entwicklungen dazu entschlossen, Hambüchen so viele Freiheiten wie nur irgend möglich zu geben. „Wenn Fabian es wünscht, setzen wir uns noch mal zusammen“, sagt Ewald. Sein Plan: Der Kader des MTV Stuttgart soll in der nächsten Saison aus möglichst vielen starken deutschen Turnern aus der zweiten Reihe wie etwa Sebastian Krimmer bestehen. Karsten Ewald plant die Verpflichtungen von einigen ambitionierten Turnern.

Dazu will der MTV wie bisher ausländische Gastturner einsetzen. Hambüchen soll in diesem Konzept laut Ewald nur „ein additiver Faktor“ sein. Im Klartext: Der MTV plant unabhängig von Hambüchen, will ihn aber dennoch halten, ihm dabei den größtmöglichen Freiraum geben und ihn nur bei Wettkämpfen seiner Wahl einsetzen. „Ich werde Fabian den Rahmen bieten, den er sich wünscht“, sagt Ewald. Ob das noch etwas bringt, ist aber mehr als fraglich.

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