Helen Kevric feierte in Paris ihr Olympia-Debüt. Foto: imago/ /Steffie Wunderl

Vor großer Kulisse und vielen Prominenten turnt Helen Kevric erstmals bei den Olympischen Spielen. Die 16-Jährige ist nach der Qualifikation nicht ganz zufrieden, darf sich aber über zwei Finalteilnahmen freuen.

Was war das für ein Spektakel! Was für eine Atmosphäre! Was für ein Auflauf! Als am späten Sonntagvormittag der Superstar des Turnens seinen ersten großen Auftritt hatte, war die Arena Bercy im Osten von Paris nicht nur pickepackevoll. Die Zuschauer ließen die Halle gefühlt auch immer dann abheben, wenn Simone Biles ans Gerät schritt. Auf der Tribüne jubelten unter anderen der Rapper Snoop Dogg, die Sängerin Lady Gaga und der Schauspieler Tom Cruise der US-Turnerin zu. Und mittendrin: eine gerade einmal 16-jährige Olympiadebütantin aus Ostfildern nahe Stuttgart.

 

Die nach der Qualifikation sogar von sich behaupten durfte: „Ich habe am Stufenbarren Simone Biles geschlagen.“ So ganz zufrieden war Helen Kevric dennoch nicht.

Zwar war sie als jüngste Athletin der gesamten deutschen Olympiamannschaft nach Paris gereist – ihr Ehrgeiz bei ihren ersten Spielen war dennoch riesig. Aber sie musste auch erkennen: So leicht fällt es dann doch nicht, sich von der Größe und Bedeutung Olympias freizumachen. „Definitiv“ sei sie überwältigt gewesen von der Atmosphäre in der Halle. Zumal die drei deutschen Einzelstarterinnen – neben Kevric waren das Pauline Schäfer-Betz, die das Finale am Schwebebalken verpasste, und Sarah Voss – in der Qualifikation gemeinsam mit den USA und China an die Geräte gingen. Und: „Es saßen ja auch einige bekannte Leute auf der Tribüne.“

Die Nervosität, gab Helen Kevric zu, sei groß gewesen – und die Aufregung wollte auch nicht so richtig verschwinden im Laufe des Wettkampfes. Zwei offensichtliche Patzer leistete sie sich denn auch. Den Schwebebalken musste sie einmal verlassen („Der Absturz ist ärgerlich“), am Boden trat sie einmal über die Begrenzung der Fläche. Am Sprung lief es solide, am Stufenbarren zu Beginn zeigte sie ihre beste Leistung, turnte aber nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad, den sie bei anderer Gelegenheit schon einmal gezeigt hatte.

Am Stufenbarren vor Simone Biles

14,600 Punkte brachte ihre Übung, womit sie zunächst tatsächlich einen Platz vor Simone Biles (14,433) lag. Lange Zeit lag sie damit auf Rang sieben – und musste befürchten, dass im weiteren Fortgang der Qualifikation der Finalplatz noch verloren geht. Am späten Sonntagabend war dann aber klar: Gerade so auf Platz acht erreichte Kevric das Finale am Stufenbarren am kommenden Samstag. Doch dabei blieb es nicht.

Denn auch im Mehrkampf schaffte der Teenager (wie auch Sarah Voss) den Einzug in den Endkampf, der am kommenden Donnerstag über die Bühne geht. Platz 15 erreichte Helen Kevric mit ihren Leistungen an allen vier Geräten. Also: Daumen hoch – oder Daumen runter für die gezeigte Leistung beim Debüt?

„Ein Mitteldaumen“ sei es, meinte Helen Kevric und legte ihre Hand in die Waagrechte. Immerhin empfand sie die Atmosphäre dann doch als „sehr schön“. Und hofft, sie bei den nächsten Auftritten richtig genießen zu können. Und sportlich zu überzeugen – in gleich zwei Finals. „Dann“, versprach sie, „will ich es auch noch besser machen.“