Fabian Hambüchen, Turn-WM 2007 in Stuttgart: Sternstunden Foto: Bongarts

Rotterdam war gut, Stuttgart war besser. Die Turn-WM 2019 steigt nach 1989 und 2007 zum dritten Mal in der Landeshauptstadt. Und sie soll ein Ereignis werden, das wieder die Massen bewegt.

Stuttgart - Das Votum für Stuttgart fiel eindeutig aus. 21 Council-Mitglieder des Internationalen Turner-Bundes (Fig) votierten bei ihrer Sitzung in Melbourne für die baden-württembergische Landeshauptstadt, zwölf gaben Mitbewerber Rotterdam ihre Stimme. Die Turn-WM 2019 findet damit in Stuttgart statt. Die Landeshauptstadt turnt der Welt nach 1989 und 2007 zum dritten Mal etwas vor.

„Wir hatten zwei sehr starke Bewerbungen – das ist gut für das Turnen. Die Stuttgarter Bewerbung hat uns begeistert! Wir freuen uns auf die Turn-WM 2019 in Stuttgart“, sagte Fig-Präsident Bruno Grandi. „Die Vergabe nach Deutschland bestärkt die verlässliche Partnerschaft des Turn-Weltverbands mit dem DTB und der Turn-Hauptstadt Stuttgart“, betonte Rainer Brechtken, der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Die beiden Titelkämpfe waren das größte Pfund Stuttgarts bei der Bewerbung. Noch immer schwärmt Grandi: „Die Weltmeisterschaft 2007 war das Beste, was es im Turnen gab.“ Beeindruckt hat den Schweizer seinerzeit nicht nur die Stimmung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, die ihren Höhepunkt mit der letzten Übung erlebte, als Fabian Hambüchen Gold am Reck holte. Weil die Siegerehrungen nicht in der Halle, sondern auf dem „Medals Plaza“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz stattfanden, wurde die Veranstaltung auch in die Innenstadt getragen. Das war neu.

Dass Stuttgart wieder voll hinter der Bewerbung des Schwäbischen und Deutschen Turner-Bundes steht, bewies Fritz Kuhn. Der Oberbürgermeister warb nicht nur mit Maultaschen, Bier und Wein für seine Stadt, sondern wies auch auf die große Begeisterungsfähigkeit und auf das enorme Fachwissen der Stuttgarter hin. Wobei die Fig-Verantwortlichen diese Eigenschaften durch den jährlich stattfindenden Weltcup im Rahmen des DTB-Pokals schon kennen.

Für Fig-Chef Bruno Grandi ist auch das Thema Nachhaltigkeit ein wichtiger Punkt. Und da hatte Stuttgart sowohl 1989 als auch 2007 ein Programm für die weitere Entwicklung des Turnens aufgelegt. „Traditionell stellen wir solch ein internationales Spitzensportereignis aber immer auch auf breitensportliche Füße“, versprach Wolfgang Drexler, der Präsident des Schwäbischen Turner-Bundes (STB). „Die gesamte Bevölkerung und natürlich auch die gesamte Turnfamilie wird die Möglichkeit haben, im Rahmen der Turn-Weltmeisterschaft selbst aktiv zu werden. Egal ob bei Mitmachaktionen, Camps, der Kinderturn-Welt oder eben als Zuschauer.“

2007 ist dabei die Kinderturnstiftung ins Leben gerufen worden, die sich für eine frühe Bewegungserziehung von Kindern einsetzt. Sichtbarer Beleg dafür ist der Parcours in der Stuttgarter Wilhelma. An den verschiedenen Stationen werden Kinder animiert, sich wie Tiere zu bewegen. Der ausrichtende STB möchte mit den Titelkämpfen auch sein Kunstturnforum als Trainingszentrum für den Nachwuchs neu ausrichten. Eine entscheidende Rolle soll dabei Fabian Hambüchen spielen. Zurzeit studiert der 27-Jährige noch in Köln, doch künftig möchte er als Trainer arbeiten. Aus diesem Grund hat er sich auch in dieser Saison dem Turnteam des Bundesligisten MTV Stuttgart angeschlossen.

Mit der Turn-WM möchte Stuttgart nicht nur für sich werben – sondern auch für die deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 in Hamburg. Wobei die Titelkämpfe 2019, die vom 4. bis 13. Oktober stattfinden, für die rund 600 Athleten aus etwa 80 Nationen zunächst im Hinblick auf die Spiele 2020 in Tokio von Bedeutung sind. In Stuttgart kämpfen sie um ihre Olympiastartplätze.

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