Wunderbare Erinnerungen werden wach: Fabian Hambüchen 2007 bei der WM in Stuttgart Foto: dpa

Turner aus aller Welt lieben Stuttgart. Noch heute schwärmen die Topathleten von der Weltmeisterschaft 2007. Im Jahr 2019 soll es eine Neuauflage geben. Für die Stuttgarter Fabian Hambüchen, Sebastian Krimmer und Marie-Sophie Hindermann ist klar: Die WM muss wieder ins Ländle kommen.

Stuttgart - Fabian Hambüchen (27) muss nicht lange überlegen, wenn er nach dem bislang schönsten Ereignis in seiner Turn-Karriere gefragt wird. „Die WM 2007 in Stuttgart“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Warum? „Na, weil es einfach die beste WM aller Zeiten war.“

Deutschlands bekanntester Turner war damals 19 Jahre jung und holte in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle sensationell den WM-Titel am Reck. Dazu führte er das deutsche Team sogar noch ein kleines bisschen sensationeller zu Bronze und wurde nebenbei Vize-Weltmeister im Mehrkampf. „Das waren die krassesten Momente, Emotionen pur“, erinnert er sich.

Doch es waren nicht nur die persönlichen sportlichen Erfolge, die die WM 2007 für den heutigen Bundesligaturner des MTV Stuttgart so unvergesslich gemacht haben. „Die Infrastruktur, die Logistik, die Fans, das alles war großartig und ist bis heute unerreicht“, sagt er.

Im Jahr 2019 aber sollen die Titelkämpfe von 2007 noch getoppt werden. Wer würde dies wohl wagen? Natürlich Stuttgart selbst. Zumindest, wenn es nach den Vorstellungen der Verantwortlichen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) geht. Diese haben die baden-württembergische Landeshauptstadt zum dritten Mal nach 2007 und 1989 auserkoren, für Deutschland ins internationale Rennen zu gehen.

Wenn das Gremium des Turn-Weltverbandes FIG an diesem Samstag (Ortszeit) im australischen Melbourne für Stuttgart und nicht für den einzigen Gegenkandidaten Rotterdam stimmt, könnte auch für Sebastian Krimmer (24) ein Traum in Erfüllung gehen. Der Turner aus Backnang, der in der Bundesliga mit Hambüchen für den MTV an die Geräte geht, musste die WM 2007 als 16-Jähriger von der Tribüne aus verfolgen. „Ich war damals wahnsinnig traurig und niedergeschlagen, weil ich dachte, so etwas würde ich nie erleben. Eine so wahnsinnige Weltmeisterschaft vor der eigenen Haustüre“, sagt er.

Er könnte sich da ziemlich übel getäuscht haben. 2019 wäre er 29. „Im besten Alter“, wie er lachend betont, „das wäre doch ein schönes Karriereende.“ Klingt anregend. Für Fabian Hambüchen würde es dagegen eher keine Neuauflage als Teilnehmer in der Schleyerhalle geben. Er wird nach der aktiven Karriere in Stuttgart vielmehr eine Trainerstelle im Nachwuchsbereich antreten. Seine derzeitigen Planungen gehen bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016. „Obwohl“, sagt er und schmunzelt, „noch einmal Reck-Weltmeister mit 32 Jahren – das hätte doch was.“ Vielleicht. Wahrscheinlicher ist es aber, dass der Sportstudent die mögliche WM 2019 in Stuttgart in einer anderen Funktion erleben würde.

So wie auch Marie-Sophie Hindermann, die 2007 einen beachtlichen fünften Platz am Stufenbarren feierte und so mithalf, das deutsche Frauenturnen langsam aus der Versenkung zu heben. Ihre Turnschläppchen hat die Tübingerin an den Nagel gehängt, sie versucht sich mittlerweile mit zunehmendem Erfolg im Stabhochsprung (Bestleistung 4,10 Meter). „Wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, werde ich 2019 fertige Ärztin sein. Eventuell könnte ich bei der WM an der medizinischen Betreuung der Turnerinnen und Turnen beteiligt sein“, sagt sie.

Denkt Marie-Sophie Hinderman aber an 2007, bekommt sie sofort wieder Gänsehaut. „Dann empfinde ich unglaubliche Glücksgefühle und Stolz. Das hat sicherlich mit meiner Leistung zu tun, aber auch mit der tollen Atmosphäre der WM.“

Und die beschränkte sich nicht nur auf die Schleyerhalle. Erstmals bei einer Turn-WM gab es eine Medal Plaza. Auf dem Schlossplatz wurden die Sieger und Platzierten geehrt und gefeiert. Dazu gab es Vorführungen und Mitmach-Aktionen. Rund 1,5 Millionen Menschen, das haben Marketing-Experten ausgerechnet, wurden so mit der Sportart Turnen konfrontiert. „Es war unvergleichbar, wie die Organisatoren es geschafft haben, die Weltmeisterschaften mitten in die Stadt zu holen“, sagt Marie-Sophie Hindermann und auch Sebastian Krimmer schwärmt: „So etwas gab es nie wieder.“

Honoriert wurde der Aufwand nicht nur von den besten Turnern der Welt, sondern auch beim 12. ISPO Sportsponsoring-Kongress in München 2008. Die Turn-WM in Stuttgart wurde mit dem zweiten Platz beim „Marketingpreis des Sports“ ausgezeichnet. 175 Millionen Zuschauerkontakte alleine im deutschen Fernsehen hatten die Experten gezählt. Mehr als 500 Journalisten berichteten über die Titelkämpfe.

Bei all der medialen Aufmerksamkeit – Druck, hat Marie-Sophie Hindermann bei ihrer Heim-WM nicht empfunden. „Durch das Publikum wurde die Schleyerhalle zu einem Ort, an dem man sich gleichzeitig aufgehoben gefühlt hat und trotzdem im Stande war, die beste Leistung zu bringen. Die Fairness, Fachkundigkeit und die Begeisterungsfähigkeit der Fans sind mir unvergesslich in Erinnerung geblieben.“

Es sind Erinnerungen, die sie ihren Nachfolgern im deutschen Nationalteam nur wünschen kann. Für Hindermann und Hambüchen ist klar: Stuttgart muss die WM 2019 bekommen. Sebastian Krimmer, der bei der WM 2010 in Rotterdam am Start war und mit dem Team Bronze holte, bringt es auf den Punkt: „Stuttgart kann etwas auf die Beine stellen – da können die Holländer nicht mithalten.“

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