An der Fußarbeit kann Sven Ulreich (li.) noch arbeiten, Marcel Nguyen zeigt ihm, wie es geht Foto: Pressefoto Baumann

„Wenn Turnen einfach wäre, würde es Fußball heißen!“ Diesen Spruch lassen sich Turner gerne auf ihre T-Shirts drucken – und Sven Ulreich kann ihn nur bestätigen.

Stuttgart - „Wenn Turnen einfach wäre, würde es Fußball heißen!“ Diesen Spruch lassen sich Turner gerne auf ihre T-Shirts drucken – und Sven Ulreich kann ihn nur bestätigen. „Turnen ist ohne Zweifel sehr viel komplexer als Fußball, auch zum zuschauen“, sagt er. Der Torhüter des VfB Stuttgart erlebt seit zweieinhalb Jahren hautnah mit, welcher Anstrengungen es bedarf, bis Kunstturner ihre Übungen auf Wettkämpfen präsentieren können. Mindestens einmal pro Woche trainiert Ulreich im Stuttgarter Kunstturnforum unter Anleitung des Turntrainers Klaus Nigl – zusätzlich zu seinen Einheiten beim Fußball-Bundesligisten.

Und wenn er in der Halle die Bundesligaturner des MTV Stuttgart um Marcel Nguyen und Kim Bui beobachtet, ist sich der Torwart sicher: „Die werden deutscher Meister.“ An diesem Samstag (17 Uhr) beginnt für das Männerteam in der Scharrena die Saison, die Frauen starten eine Woche später beim Auswärtswettkampf in Mannheim.

„Turnen ist wahnsinnig faszinierend“

Sven Ulreich wäre gerne dabei, wenn Nguyen und seine Kollegen an die Geräte gehen – stünde er nicht fast zeitgleich für den VfB beim FC Augsburg im Kasten (Samstag, 15.30 Uhr). „Ich werde aber die Daumen drücken“, sagt er – und hält ein flammendes Plädoyer auf die Sportart, die auf den ersten Blick so gar nichts mit Fußball zu tun hat. „Turnen ist wahnsinnig faszinierend. Was die Athleten hier Tag für Tag leisten, ist fast übermenschlich. Ihnen zuzuschauen, macht Riesenspaß“, sagt er. Und deshalb mussten die Turner Ulreich auch nicht lange bitten, vor dem Saisonstart noch ein wenig die Werbetrommel für sie zu rühren.

Als der Keeper aus diesem Anlass zusammen mit Nguyen an die Turngeräte geht, wird schnell klar, warum er sich für eine Karriere als Fußball-Profi entschieden hat. „Er macht sich ganz gut“, lobt Nguyen zwar, kann sich ein Grinsen aber nicht verkneifen. Das Turnen an Reck, Pferd oder Barren steht für Ulreich allerdings normalerweise nicht auf dem Plan. Ihm geht es darum, mit turnerischen Basisübungen seine Sprungkraft und die Athletik zu verbessern. „Einen Salto schaffe ich aber“, sagt er stolz.

Etwas mehr als das müssen die MTV-Turner an diesem Samstag zeigen. Die Saison beginnt mit dem Derby gegen den Vorjahresdritten TV Schwäbisch-Gmünd Wetzgau mit den Nationalturnern Andreas Toba und Helge Liebrich. Und weil sich Ulreich nicht erst seit den zwei Siegen gegen den SC Freiburg mit Derbys auskennt, hat er einen Tipp für Marcel Nguyen und dessen Kollegen. „Geht mit Leidenschaft ins Derby, so hat das bei uns geklappt“, sagt er.

Der MTV will den Titel

Das muss er den Athleten nicht zweimal sagen. Diese Vorgabe gilt für jeden Wettkampf. Das Team darf sich keine Schwäche erlauben, es hat hohe Ziele. Mit den Verpflichtungen von Nguyen und den britischen Nationalturnern Daniel Purvis sowie Kristian Thomas hat der MTV Stuttgart ein klares Zeichen gesetzt: Wir wollen den Titel! Bei den Frauen hat das im vergangenen Jahr schon geklappt. Nun soll der Doppelsieg her. „Das ist unsere Mission“, sagt MTV-Präsidentin Ulrike Zeitler, „und ich bin mir sicher, dass wir das auch schaffen.“ Den Bundesliga-Etat für beide Teams hat der MTV von etwa 100 000 auf rund 175  000 Euro erhöht – Olympiaheld Nguyen als Zugpferd für Sponsoren funktioniert. Verglichen mit dem VfB-Etat (rund 44 Millionen Euro) sind das zwar Peanuts, in der Turn-Bundesliga ist der MTV damit aber vorne mit dabei.

Allerdings muss MTV-Trainer Waleri Belenki zumindest in den ersten drei Wettkämpfen auf seinen Nationalturner Sebastian Krimmer verzichten. Der Backnanger wurde an der rechten Hand operiert und kann erst in einigen Wochen wieder mit dem Training beginnen. „Die Jungs schaffen das auch ohne mich“, sagt Krimmer. Dann grinst er breit: „Und wenn wir dann die Meisterschaft feiern, bin ich ja wieder dabei.“

Sven Ulreich wäre sicher einer der ersten Gratulanten – und vielleicht würde er sich dann im Gegenzug einen Tipp von Marcel Nguyen holen – nach dem Motto: Wie werde ich deutscher Meister?

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