Gewa-Tower in Fellbach Staatsanwälte prüfen jetzt Gewa-Tower auf Insolvenzdelikte

Von Hans-Dieter Wolz 

Der mit neuen Fangnetzen und Abschrankungen gesicherte Tower   in Fellbach. Foto: Patricia Sigerist
Der mit neuen Fangnetzen und Abschrankungen gesicherte Tower in Fellbach. Foto: Patricia Sigerist

Weil der Fellbacher Gewa-Tower vor zwei Jahren in die Pleite rutschte, ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen die Verantwortlichen. Sie hegt einen Anfangsverdacht gegen die damaligen Geschäftsführer.

Fellbach - Michael Warbanoff hatte die Idee für den Gewa-Tower in Fellbach. Sein Sohn Mark stieg in die Geschäftsführung ein. Weil das Vorzeige-Projekt pleite ging, haben die beiden jetzt Ärger und müssen sich beim Staatsanwalt rechtfertigen. Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hat Ermittlungen eingeleitet gegen die beiden Verantwortlichen der Bauträgergesellschaft Gewa 5 to 1. Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und auf Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Zu dem Schritt haben sich die Staatsanwälte, wie erst jetzt bekannt wurde, schon im August entschlossen.

Für die beiden Esslinger Immobilienmanager Mark und Michael Warbanoff könnte es noch schlimmer kommen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Heiner Römhild, weist auf Anfrage unserer Zeitung darauf hin, dass die Ermittlungen nicht auf den festgestellten Verdacht beschränkt sind: „Es könnten auch noch Betrügereien entdeckt werden. Das eine schließt das andere nicht aus. Ermittlungen kann es aber erst geben, wenn ein Anfangsverdacht auf eine Straftat festgestellt worden ist. Dieser ist hier für die mögliche Insolvenzverschleppung festgestellt worden“, sagt Römhild. Die derzeit ergebnisoffenen Ermittlungen werden nach ihrem Abschluss juristisch bewertet. „Dann wird beschlossen, ob und weswegen ein Beschuldigter angeklagt wird.“

Vorwürfe wegen der Informationspolitik der Gewa-Eigner sind schon lange zu hören

Mancher für Außenstehende dubiose Geldfluss in der Firma Gewa wird also untersucht, wenn auch der Anlass der Ermittlungen vorerst auf den richtigen oder falschen Zeitpunkt von Anträgen und Bekanntmachungen fokusiert ist. Das gilt nicht nur für die Fristen, eine Pleite bei Gericht zu melden. So gibt es im Wertpapierhandelsgesetz Vorschriften wann am Kapitalmarkt relevante Ereignisse zu veröffentlichen sind. Geschädigte Anleger hatten bereits vor zwei Jahren, als der 34-Stockwerke-Tower nach abgeschlossenem Rohbau in die Pleite rutschte, bereits Verdacht geschöpft. So war aufgefallen, dass die beiden Bauherren Mark und Michael Warbanoff noch beim Richtfest am 9. September 2016 und sogar noch Mitte Oktober gegenüber unserer Zeitung umlaufende Gerüchte über eine bevorstehende Insolvenz zu zerstreuen versuchten. Dann waren die beiden Gewa-Verantwortlichen aber gezwungen, schon am 11. November 2016 einen Baustopp für den Wohnturm zu verkünden, als sie eine Rechnung des Generalunternehmers in Millionenhöhe nicht mehr begleichen konnten. Am 21. November 2016 mussten sie sogar Insolvenzantrag stellen.

Dass seither zwei Jahre vergangen sind, will Staatsanwalt Römhild nicht so verstanden wissen, dass seither in seiner Behörde nichts passiert sei. Er spricht von bereits längere Zeit laufenden Vorermittlungen, die „jetzt so weit gekommen sind, dass ein Anfangsverdacht bejaht werden musste“. Wann mit einem Abschluss des Ermittlungsverfahrens zu rechnen ist, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft noch nicht sagen: „Das wird sicherlich längere Zeit dauern.“ Das könnten durchaus mehrere Monate und länger werden.

Daneben untersucht auch der Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli alle Vorgänge in der Gewa, um im Falle von fragwürdigen Zahlungsflüssen Geld zurückzufordern oder bei Fehlverhalten der Gewa-Geschäftsleitung Schadensersatz zugunsten der Gläubiger zu beantragen. Geschädigte Gläubiger sind hauptsächlich die erstrangig im Grundbuch abgesicherten Zeichner einer Finanzierungsanleihe im Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro.

Inzwischen wird am Fellbacher Tower wieder gebaut

Nach fast zweijährigem Baustopp hat der neue Besitzer des Turmprojekts, die Immobilienfirma CG Gruppe, vor kurzem den Rohbau übernommen. Die Baustelle zeigt sich inzwischen verändert. Grüne Fachnetze in den Obergeschossen, neue Holzgeländer auf den Dächern, Abschrankungen dort, wo bisher der Absturz drohte, ein Baugerüst und ein wieder angebrachter Außenaufzug zeigen, dass die Bauarbeiten wieder mit Sicherungsmaßnahmen begonnen haben.

Die CG-Gruppe hat den Gewa-Tower für 15 Millionen Euro gekauft und eine weitere Million versprochen, wenn eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind. Außerdem hat die Firma alls 44 bereits verkauften und ungefähr zur Hälfte bezahlten Eigentumswohnungen den Erwerbern abgekauft und dazu einen Aufpreis von fünf Prozent auf die bisher bezahlten Raten versprochen. An die Geldanleger und Anleihe-Gläubiger ist aber offenbar bisher noch kein Geld geflossen.

Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Frühjahr wieder starten, wenn das Objekt umgeplant ist. Statt 66 Eigentumswohnungen mit großzügigen Grundrissen plant die CG-Gruppe 192 Wohnungen, die vermietet werden sollen. Die Gruppe will den Turm dann vermietet ganz an eine Kapitalverwaltungsgesellschaft verkaufen.

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