Auf einem Gewerbegelände bei der Kulturhalle in Süßen plant ein Investor innovative neue Gebäude. Ein Rundturm könnte 40 Meter hoch werden. Die Stadt unterstützt das Projekt.
Wo architektonisch trostlose Fabrikhallen stehen, könnten in einigen Jahren die weit und breit innovativsten Gebäude das Landschaftsbild prägen. In Süßen, südlich der Kulturhalle, sollen die drei Gebäude Wood Tower, Grand Piano und Round Box errichtet werden. Das Projekt, zu dem auch ein kleiner See gehört, wird derzeit entwickelt. Baurechtliche Voraussetzungen werden geprüft, mögliche Mieter sollen gefunden werden.
ITS – Innovation Tower in Süßen – ist der Überbegriff, unter dem für das Projekt geworben wird. Eigentümer und Investor ist der gebürtige Süßener Hans Braxmeier. Auf dem etwa 9000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Auenstraße und Sommerauweg soll ein modernes Ensemble entstehen, das zeitgemäße Antworten auf die Anforderungen der Gegenwart gibt: „Holzbauweise, begrüntes Dach, keine Bebauung bestehender Freiflächen, keine zugepflasterten Parkplätze“, zählt Braxmeier die Prinzipien auf. Und wenn das Vorhaben verwirklicht wird, erhält Süßen eine neue Landmarke. Ins Zentrum des Gebiets käme ein runder Turm in Holzbauweise, der laut Architekt Michael Keller mit zwölf Stockwerken etwa 40 Meter hoch sein wird. Falls in den oberen Etagen Wohnungen untergebracht werden, was nicht ausgeschlossen ist, könnten die Mieter oder Eigentümer einen herrlichen Ausblick aufs Filstal genießen. Im Rahmen der Weiterentwicklung der Pläne habe im Übrigen das Gebäude Grand Piano nicht mehr die Form eines Flügels.
Im Werk II der Stahlschen Wolle stehen noch riesige Maschinen
Architekt Keller hatte die Idee zu dem Projekt. „Ich war im Fitnessstudio. Da sah ich am Nachbargrundstück das Schild: Haben Sie eine Vision für das Gebäude?“ Da habe er sich an die Planung gemacht. Es ging um das verbliebene Werk II der Stahlschen Wolle. Der Amerikaner Jimmy Gibbs war Eigentümer der Hallen und brachte dort gebrauchte Textilmaschinen unter, die er gekauft und weiterveräußert hat. Inzwischen gehört das Grundstück Hans Braxmeier, der es entwickeln möchte. In den an Gibbs vermieteten Hallen stünden immer noch riesige Maschinen, berichtet Braxmeier: „Er braucht das Zwischenlager noch.“
Als Keller aus seiner Vision eine Broschüre gemacht hat, ging er damit 2019 zur Stadt und hat Unterstützung gefunden. Später ist dann Braxmeier auf die Ideen aufmerksam geworden. „Wir als Stadt unterstützen das Projekt“, erklärt Alexander Starke, persönlicher Referent von Bürgermeister Marc Kersting. Starke nennt es zukunftsfähig und nachhaltig, da es zum Großteil aus Holz gebaut werde. Die Stadt sei dabei, das Vorhaben planungsrechtlich vorzubereiten. Der Bebauungsplan müsste angepasst werden. Einige Daten seien schon geprüft. „Das ist kein Luftschloss mehr. Das wird langsam aber sicher was“, sagt Starke. Einen „guten Job“ habe auch Guido Till gemacht. Der frühere Oberbürgermeister von Göppingen nutze als Projektbegleiter seine Erfahrung und Kontakte und helfe somit, das Vorhaben aufs Gleis zu bringen.
Im April soll sich der Gemeinderat mit den Plänen beschäftigen
Auf Basis derzeitiger Planung sollen die Gebäude überwiegend gewerblich genutzt werden. Braxmeier möchte innovative Firmen unterbringen: E-Mobility, Verwaltung, Forschung, Labore, Medizintechnik stellt er sich vor. Nachfrage gebe es. Auch seine frühere Firma Pixabay, für die er weiterhin arbeitet, könnte dort Büros mieten. Das müsste er mit den australischen Eigentümern abstimmen. Der Investor hält es auch für möglich, in einem Teil der Gebäude einen Kindergarten, eine Schule oder Pflegeplätze unterzubringen. Bei Wohnungen muss auf den Lärmschutz gegenüber den Veranstaltungen in der Kulturhalle geachtet werden. Die oberen Stockwerke, vor allem auf der Südostseite, könnten dafür geeignet sein. Im April soll das Vorhaben laut Braxmeier im Süßener Gemeinderat vorgestellt werden.
Investor entwickelte Pixabay mit
Investor
Hans Braxmeier und Simon Steinberger haben 2010 Pixabay entwickelt. Es ist eine internationale Website für Fotos, Illustrationen und Videos. Laut Wikipedia umfasste die Plattform Mitte 2022 mehr als 2,6 Millionen Bilder, die von Fotografen und Grafikern zur Verfügung gestellt wurden. Sie können vielfach frei genutzt werden. Pixabay finanziert sich durch Werbung.
Verkauf
Die australische Firma Canva hat Pixabay 2019 gekauft. Hans Braxmeier arbeitet weiterhin für die Firma.
Person
Hans Braxmeier ist 51 Jahre alt. Er hat das Rechberg-Gymnasium in Donzdorf besucht und in Ulm Informatik studiert.