Beim Fußball-Bezirksligisten sind die Wogen noch nicht geglättet: Nachdem zahlreiche Spieler im Ärger zurückgetreten sind, öffnet der Club jedoch seine Tür einen Spalt weit.
Antonio di Matteo hat plötzlich ziemlich viel Freizeit. Bislang standen in seinem Wochenplan mehrere Trainingseinheiten auf dem Platz des TSV Münchingen sowie ein Spiel am Sonntag – doch das ist für den 30-Jährigen Vergangenheit wie schneereiche Winter in Deutschland. Antonio di Matteo hat wie 20 seiner Teamkollegen seinen Abschied aus Münchingen erklärt, nachdem der Verein Trainer Sahin Üste wenig konziliant den Stuhl vors Sportgelände gestellt hatte. „Unter diesen Voraussetzungen geht es für mich nicht weiter“, betont er.
Anfang vergangener Woche hatte die Abteilungsleitung mit Fußball-Chef Andreas Keller und Vize Martin Haußer den erfolgreichen Coach Sahin Üste rausgeworfen. Begründung: Die Aufstiegsziele in die Landesliga seien mit der Vereins-Philosophie nicht kompatibel, die vorsehe, mit Spielern aus dem näheren Umkreis anzutreten. Daraufhin hatten di Matteo sowie 20 weitere Kicker des Bezirksligisten ihren sofortigen Rücktritt erklärt, lediglich zwei sowie einige Ergänzungsspieler aus der ersten Mannschaft zogen nicht mit.
Ex-Kapitän Di Matteo ist verbittert
Natürlich hatte der 30-Jährige schon davor gefühlt, dass im Verein ein gefährliches Feuer glimmte, „wir von der Mannschaft haben den Kontakt zu den Verantwortlichen gesucht“, erzählt der Mittelfeldspieler, „aber es kam nichts zurück – wir wurden dann vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Und die Reaktion war aus Sicht der Amateur-Kicker alternativlos: Trikot runter, Abgang.
Di Matteo sieht keinen Sinn darin, einen erfolgreichen Trainer abzusägen und dann unter dem Nachfolger möglichst den Aufstieg zu vermeiden. „Warum konnten wir nicht die Saison in dieser Konstellation zu Ende spielen? Der Verein hätte im Erfolgsfall erklären können, nicht aufsteigen zu wollen“, findet der Ex-Spielführer. Für die Abtrünnigen bedeutet dies: Keine Einsätze mehr in dieser Saison, da die Wechselfrist längst ausgelaufen ist. „Das ist bitter, aber konsequent“, sagt Antonio di Matteo.
Trotz des Zerwürfnisses waren einige Ex-Münchinger am Sonntag beim Spiel des TSV gegen den SV Pattonville (2:2), wo sie von der Polizei aufmerksam beobachtet wurden und wo Martin Haußer sein Debüt als Interimstrainer gab. Zunächst wird er die Mannschaft für die kommenden zwei Partien gegen die Kellerkinder Croatia Bietigheim am kommenden Sonntag und TV Pflugfelden eine Woche später betreuen, ob er bis zum Saisonende als Coach fungiert, ist offen. „Die Trainersuche läuft im Hintergrund“, sagt Martin Haußer, „wenn der richtige Kandidat zur Verfügung steht, mache ich sofort Platz.“ Ein paar Initiativbewerbungen sind offenbar schon eingegangen, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.
Als oberste Priorität beim TSV Münchingen ist gesetzt: Erst einmal Ruhe in die Fußball-Abteilung bringen – da ist es erfreulich für den Club, dass nach dem Spiel gegen Pflugfelden eine Spielpause in der Bezirksliga bis 29. März ansteht, die lediglich vom Viertelfinale im Bezirkspokal gegen Dersim Sport Ludwigsburg am 25. März unterbrochen wird. „Unser Fokus ist auf die nächsten 14 Tage gerichtet“, betont Haußer.
In dieser Zeit, so hoffen sie im TSV, werden sich bei so manchem abmarschiertem Spieler die emotionalen Wogen glätten. Die Abteilungsleitung jedenfalls hat die Kabinentür nicht konsequent verschlossen und steht klärenden Gesprächen offen gegenüber. „Vielleicht hat der eine oder andere aus der Emotion heraus überreagiert und überlegt es sich anders“, sagt der Interimstrainer, „ich würde nicht gleich sagen: Wir haben alles verloren.“ Ob sich einige Vereinsflüchtige zur Kehrtwende entscheiden, davon hängt die Zukunft der zweiten Mannschaft ab, die in der Kreisliga A 2 antritt. Deren Begegnung am Sonntag ist aufgrund Spielermangels ausgefallen, weil das Gros der Kicker in der Bezirksliga gegen Pattonville kickte.
Zukunft der zweiten Mannschaft offen
„In den nächsten zehn Tagen sollte sich klären, ob es bei der Zweiten weitergeht“, sagt Haußer. Falls der Kader nicht gefüllt werden kann, müsste das Team abgemeldet werden oder es steigt gemäß der Statuten nach drei Ausfällen wegen Spielermangels ab. Ob wirklich ausreichend Abtrünnige zurückkehren? Schwer zu sagen. Bei Antonio di Matteo hat es sich nicht so angehört.