Seit dem Start dieser Saison spenden die Sonnensegel über dem Planschbecken Schatten. Foto: Simon Granville

Es wird heiß am Wochenende. So heiß, dass sogar die Technik streikt. Doch kleine Pannen stoppen den Saisonstart im Leobad nicht, der mit einigen Neuerungen aufwartet.

Es riecht nach Sonnencreme, Chlor und frisch frittierten Pommes – der Duft des Sommers, eingefangen im Leonberger Leobad. Wer ihn in die Nase bekommt, weiß sofort: Hier ist Freibadsaison.

 

Der Freitag verspricht der erste richtig heiße Tag der Woche zu werden, gefolgt von einem sonnigen Wochenende. Doch dann kommt alles anders: Ein Serverausfall legt das Leobad zunächst lahm, die Tore bleiben geschlossen. Erst gegen Mittag kommt die ersehnte Nachricht von der Stadt: Der Badebetrieb ist wieder geöffnet und dem Sprung ins kühle Nass steht nichts im Weg. Manchmal ist es selbst der Technik zu heiß. Doch trotz kleinerer Pannen läuft der Saisonstart gut. Vielleicht auch dank der Neuerungen, die im Leobad für frischen Wind sorgen.

Stefan Hilse ist der Mann, der all das im Blick hat. Seit 2009 ist der gebürtige Niederbayer Betriebsleiter im Leobad und kennt jede Pumpe, jeden Anschluss, jede Eigenheit des weitläufigen Geländes. Er freut sich über die stetig steigende Zahl der Badegäste. An einem Vormittag während der Ferien waren es schon gegen 11 Uhr um die 800.

Dass das Wetter aktuell mitspielt, merkt man nicht nur an der Zahl der Badegäste, sondern auch an der Stimmung. „Der Start war auf jeden Fall besser als letztes Jahr“, sagt Hilse. Am „Pfingstfreitag“ waren über 3000 Besucherinnen und Besucher im Bad. Der meistbesuchte Tag bisher.

Trotzdem: Das wechselhafte Wetter ist für Stefan Hilse eine Herausforderung. „Die Leute brauchen oft ein paar Tage, um sich an den Sommer zu gewöhnen“, sagt er. „Erst am dritten oder vierten warmen Tag kommen sie wirklich ins Bad.“ Ein einzelner heißer Tag nach einer langen Regenphase reicht da meist nicht aus, das ständige Auf und Ab macht eine verlässliche Planung schwer.

Neue Schattenplätze für kleine Gäste

Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf dem Kleinkindbereich. „Es gab schon länger den Wunsch, dass man im Planschbeckenbereich für mehr Schatten sorgt“, erklärt Hilse. Die Stadt reagierte und ließ zwei große Sonnensegel installieren. Sie spannen sich nun über einen Teil des Kinderbeckens und bieten mit etwa 70 Quadratmetern Fläche Schutz vor der Sonne. „Momentan decken sie etwa ein Drittel des Beckens ab, aber sie sind so konzipiert, dass man sie bei Bedarf erweitern kann.“

Der Sprung ins kühle Nass. Foto: Simon Granville

Doch auch hier gilt: Die Lösung ist ein Kompromiss. Zu viel Schatten an kühleren Tagen kann unangenehm sein, und die Kinder fangen schneller an zu frieren. „Wir schauen jetzt einfach, wie es angenommen wird und was für Rückmeldungen kommen“, meint Hilse. Die Entscheidung ist bewusst vorsichtig getroffen worden und offen für Nachjustierung.

Fast hätte es keine Pommes gegeben

Neben den Neuerungen am Planschbecken war es vor allem der stets gut frequentierte Kiosk, der in den Wochen vor der Eröffnung für Aufregung bei den Badefreunden sorgte. Der bisherige Pächter hatte kurzfristig abgesagt – ein Saisonstart drohte ohne Pommes, Eis und kalte Getränke. Doch die Stadt fand schnell Ersatz: Kai Hammami, ein erfahrener Gastronom aus der Region, sprang nur wenige Tage vor der Eröffnung ein.

„Möglich war das nur, weil hier im Bad die Voraussetzungen stimmen. Die Küche ist gut ausgestattet, da kann man sofort loslegen“, sagt Hammami. Er will frischen Wind in den Gastrobereich bringen. „Keine Tiefkühlpommes, aber faire Preise“. Eine Portion gibt es für 4 Euro – er findet, dass Qualität und Schwimmbadfeeling kein Widerspruch sein müssen. Langfristigkeit ist ihm wichtig. „Nur wenn man über mehrere Jahre bleibt, kann man sich verbessern und dazulernen.“

Sein Ziel: Den Biergarten ausbauen, das Angebot erweitern, aber die Klassiker bewahren. „Wenn das Bad gut läuft, profitiert auch die Gastro. Und umgekehrt.“ Stefan Hilse stimmt zu. „Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Teamgeist ist hier wichtig.“

Bei Kai Hammami gibt es frische Pommes, keine Tiefkühlware. Foto: Simon Granville

Die Zusammenarbeit zwischen Badebetrieb und Gastronomie klappt – trotz der kurzen Vorbereitungszeit – erstaunlich gut. Beide Seiten denken bereits weiter. Kontaktloses Bezahlen etwa ist ein Thema, das viele Bäder derzeit beschäftigt. „Klar, kontaktloses Bezahlen wäre praktisch“, sagt Hammami. „Aber ein Freibad lebt auch vom Bargeld. Die Kinder bekommen eben ein paar Euro von Mama oder Papa in die Hand gedrückt – und sollen sich bei uns ganz unkompliziert eine Pommes oder ein Eis holen können.“

Jeden Tag im Freibad, das klingt nach einem Traumjob. Trotzdem: Urlaub macht Stefan Hilse lieber anderswo. „Am Meer“, lacht er. Die Vorstellung, nach Feierabend selbst noch ins Becken zu springen, klingt für ihn eher nach Pflicht als nach Erholung. Das Leobad ist für ihn aber weit mehr als nur ein Arbeitsplatz: Es ist ein Ort der Begegnung, an dem Klein und Groß, Jung und Alt und Menschen jeder Herkunft willkommen sind.