Die Eglosheimer fordern schon lange, dass die Stadt etwas gegen den Lärm unternimmt. Jetzt wird immerhin eine Kernforderung umgesetzt. Foto: factum/Granville

Die Anwohner der B 27 in Eglosheim leiden unter Lärm – trotz zahlreicher Versprechungen wurde ihnen nie geholfen. Auch jetzt wollte das Rathaus wieder einen Rückzieher machen, aber die Stadträte blieben hart: Bald kommt lärmoptimierter Asphalt auf die Straße.

Ludwigsburg -

Der Ludwigsburger Bauausschuss hat die Verwaltung beauftragt, möglichst bald auf der Frankfurter Straße in Eglosheim lärmoptimierten Asphalt auftragen zu lassen. Klingt langweilig? Ist es auch, denn der Ausschuss hat eben dieses bereits mehrfach beschlossen, zuletzt im Dezember 2017.

Spannend war die erste Sitzung nach dem Jahreswechsel trotzdem, weil sie ein Schlaglicht darauf warf, wie weit die Einschätzungen des Rathauses und der Stadträte mitunter auseinander gehen. Die Debatte verlief turbulent. So turbulent, dass sich sogar der stets zurückhaltende Baubürgermeister Michael Ilk genötigt fühlte, mit ungewöhnlicher Schärfe auf die Kritik zu reagieren. „So startet man nicht ins Jahr“, rief er ins Plenum und insbesondere in Richtung des CDU-Mannes Winfried Link. „Überlegen Sie sich, was Sie sagen.“

Was war passiert? Link hatte dem Rathaus vorgeworfen, in Eglosheim immer wieder auf die Bremse zu treten, und dies gipfelte in der These: „Wenn die Verwaltung etwas nicht will, findet sie immer irgendwelche Gründe dagegen.“ Viele Stadträte sehen das derzeit ähnlich, und auch das hat Gründe. Eglosheim, die Wohngebiete, die Bewohner der Hausreihen entlang der B 27, leiden unter Lärm. Der Verkehr hat kontinuierlich zugenommen, auch weil am Stadtrand immer neue Anziehungspunkte in die Höhe wuchsen, etwa das Ikea-Möbelhaus. Seit Jahrzehnten wird debattiert, wie man den geplagten Menschen helfen kann. Tunnel, Wände, besserer Asphalt? Geschehen ist nie etwas.

Wäre es nach der Verwaltung gegangen, würde auch 2018 nichts geschehen

Wäre es nach der Verwaltung gegangen, würde auch 2018 nichts geschehen. Ungeachtet dessen, dass die Stadträte den lärmoptimierten Asphalt schon beschlossen haben, kam Ulrike Schmidtgen, die Leiterin des Tiefbauamts, jetzt erneut in den Ausschuss und hielt ein langes Plädoyer – gegen den Beschluss. Ihre Argumente: Da der Belag der B 27, die in diesem Abschnitt Frankfurter Straße heißt, vergleichsweise gut sei, helfe neuer Asphalt nur wenig. Lediglich um etwa zweieinhalb Dezibel gehe die Lärmbelastung damit zurück, und nach fünf Jahren sei der Effekt dann auch schon wieder weitgehend verpufft.

Andere Vorschläge? Fehlanzeige. Der Bau von Lärmschutzwänden sei, so Schmidtgen, wegen der Häuserschluchten, der Bäume oder der Einfahrten äußerst kompliziert. Die beste wäre daher, das Tempo nachts auf 30 Stundenkilometer zu drosseln – das müsse aber das Regierungspräsidium veranlassen.

Es lieb Ilk vorbehalten, die schlechte Kunde zu überbringen. „Wir schlagen vor, das Projekt zu verschieben, damit wir uns noch einmal Gedanken machen können.“ Statt der Frankfurter Straße könne man dann ja die Schwieberdinger Straße in der Weststadt sanieren. Die Schwieberdinger Straße 2018, die Frankfurter Straße irgendwann – mit eben diesem Vorschlag war die Verwaltung schon im Dezember ins Gremium gegangen, um sich eine Abfuhr einzuhandeln. Schon da machten die Stadträte unmissverständlich klar, dass nun Eglosheim an der Reihe sei, sonst nichts. Jetzt legten sie nach: „Ihr wollt euch über den Gemeinderat hinwegsetzen“, sagte Link, und auch die anderen Fraktionen hielten sich mit Kritik nicht zurück. Das Ganze sei doch längst beschlossen, so Margit Liepins. „Jetzt muss es endlich umgesetzt werden.“

Am Ende musste der Bürgermeister klein beigeben

Am Ende blieb Ilk nichts weiter übrig, als klein beizugeben. „Uns war es wichtig, hier noch mal alle Argumente darzulegen“, sagte der sichtlich genervte Bürgermeister. Aber für ihn sei nun klar: „Wir machen das jetzt in diesem Jahr.“ Unklar ist damit nur noch, wann die Bauarbeiten in Eglosheim beginnen und wie lange es dauern wird, den neuen Belag aufzubringen.

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