Das Turbo-Abitur ist bei vielen Schülern und Eltern unbeliebt. Foto: dpa

So richtig beliebt ist das Turbo-Abi auch in Baden-Württemberg nicht. Grün-Rot will sich aber nicht wie Niedersachsen davon verabschieden. Nach der Wahl 2016 könnte das aber schon ganz anders aussehen.

So richtig beliebt ist das Turbo-Abi auch in Baden-Württemberg nicht. Grün-Rot will sich aber nicht wie Niedersachsen davon verabschieden. Nach der Wahl 2016 könnte das aber schon ganz anders aussehen.

Stuttgart - Die grün-rote Landesregierung hält zunächst am achtjährigen Gymnasium fest, schließt aber Korrekturen ab 2016 nicht aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Dienstag in Stuttgart, für diese Legislatur gelte der Kompromiss, wonach 44 Schulen im Rahmen eines Modellversuchs ein Abitur nach neun Jahren anbieten. Vizeregierungschef Nils Schmid (SPD) sagte, für die Zeit nach der Landtagswahl 2016 könne es aber Diskussionsbedarf geben.

Im Gegensatz zu den Grünen pochen Teile der SPD darauf, mehr Gymnasien zu neunjährigen Zügen (G9) zurückkehren zu lassen. Das rot-grüne Niedersachsen hatte kürzlich als erstes Bundesland erklärt, das Turbo-Abitur in acht Jahren (G8) wieder abschaffen zu wollen.

In Baden-Württemberg sei die Lage aber durch die gerade erst erfolgte Einführung der Gemeinschaftsschule ein wenig anders, sagte Kretschmann. Auch gelte es die Bildungspläne für das Turbo-Abi zu korrigieren, um übermäßigen Stress für die Schüler zu vermeiden.

Jetzt stehe der Kompromiss mit 44 Schulen mit G9, verdeutlichte SPD-Chef Schmid. Er könne sich aber gut vorstellen, dass es etwa bei der Ausarbeitung des Wahlprogramms zur Landtagswahl 2016 eine neue Diskussion geben wird. Vor der letzten Wahl hatte es diesbezüglich eine sehr knappe Entscheidung gegeben.

SPD-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hatte die neunjährigen Gymnasien vor kurzem als „natürlichen Feind“ der Gemeinschaftsschulen bezeichnet. Es gebe abseits der 44 Schulen eine Reihe von Möglichkeiten, in neun Jahren zum Abitur zu kommen. Insofern sehe er keinen Diskussionsbedarf. „Das ist eine gewichtige Stimme“, sagte Schmid am Dienstag.

Anders hatte sich etwa SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel geäußert. Bereits heute gebe es Klagen von den Hochschulen über eine mangelnde Studienreife der Studenten. Sein Eindruck sei, dass das Turbo-Abi für eine bestimmte Anzahl von Kindern infrage komme, es aber nicht für alle das richtige Angebot sei.

Auch in der CDU gibt es laute Stimmen für den Abschied vom Turbo-Abi. G8 sei eingeführt worden, weil die Ausbildungszeiten in Deutschland im internationalen Vergleich zu lang gewesen seien. „Durch die Einführung des Bachelor- und Mastersystems und die Aussetzung der Wehrpflicht haben sich die Rahmenbedingungen verändert“, sagte Landesvorstandsmitglied Romen Link. Außerdem sei es „zu keinem Zeitpunkt gelungen, eine Mehrheit der Baden-Württemberger für diese Reform zu gewinnen“. Vielmehr sei der Eindruck entstanden, man wolle an der Bildung sparen und Schüler stärkerem Druck aussetzen.

  
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