Wird der S-Bahnhof in Bernhausen wegen der S21-Bauarbeiten für ein Jahr abgehängt? Foto: Archiv Caroline Holowiecki

Sollte der Gäubahntunnel auf den Fildern gebaut werden, würde das für S-Bahn-Pendler von und nach Bernhausen zwei Vorteile bringen. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Filderstadt - Die Debatte um den Gäubahntunnel dürften Tausende Pendler, die auf der S-Bahnstrecke zwischen Filderstadt-Bernhausen und Flughafen unterwegs sind, interessiert verfolgen. Denn ob der Tunnel kommt oder nicht, hat direkte Auswirkungen auf sie. Sollte der Beschluss fallen, die Gäubahn mit einem Tunnel an den Flughafen anzubinden, wäre die etwa einjährige Sperrung des Abschnitts zwischen Airport und Bernhausen hinfällig. Am 15. Oktober ist hierzu der nächste Termin. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

 

Warum die S-Bahnstrecke nach Bernhausen gesperrt werden müsste

Derzeit ist in den Verträgen der S21-Projektpartner vorgesehen, dass die Gäubahn aus Richtung Böblingen über die S-Bahngleise an den Flughafen angebunden wird. Für den Halt am Flughafen ist ein drittes Gleis geplant. Für die Zeit des Umbaus am Airport muss die S-Bahnstrecke nach Bernhausen unterbrochen werden. Die Bahn geht von etwa einem Jahr aus. In der Zeit sollen Ersatzbusse die Pendler von A nach B bringen.

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Das ist der Stand der Dinge in Sachen Gäubahntunnel

Der Berliner Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) hatte im Zuge des angestrebten Deutschland-Takts einen rund elf Kilometer langen Tunnel mit zwei Röhren zum Flughafen vorgeschlagen. Der Deutschland-Takt hat zum Ziel, durch passende Schienenverbindungen zwischen den Städten im 30- bis 60-Minutentakt die Fahrgastzahl bis 2030 zu verdoppeln. Die Investitionskosten für den Gäubahntunnel lägen bei rund einer Milliarde Euro. Da es sich dabei bisher nur um eine Idee handelt, plant die Bahn nach wie vor mit dem dritten Gleis am Flughafen und damit auch mit der Sperrung nach Filderstadt.

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Fallen gelassen würde dies erst, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens: Der Nutzen müsste die hohen Kosten rechtfertigen, dieser Nachweis ist inzwischen erbracht. Zweitens bräuchte es eine Finanzierungszusage des Bundes. Drittens: Alle S21-Partner müssen sich auf einen neuen Finanzierungsvertrag einigen. Der zweite und der dritte Punkt sind noch nicht erfüllt. Am Freitag, 15. Oktober, kommt der Lenkungskreis zum Bahnprojekt Stuttgart 21 das nächste Mal mit dem DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla zusammen. Bei dem Treffen geht es um den Tunnel und die dafür nötigen Anpassungen im S21-Finanzierungsvertrag.

Welche Alternative der Fahrgastverband Pro Bahn nun vorschlägt

Der Regionalverband Stuttgart von Pro Bahn e.V. hat jüngst eine weitere Variante ins Spiel gebracht: Statt des Tunnels wird eine Streckenführung entlang der A 8 zum Airport vorgeschlagen. Auf Höhe der Nord-Süd-Straße würde sich die Strecke aufsplitten. Ein Ast würde zum Fildertunnel Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof führen, der andere zum Flughafen. Die Strecken wären teils unter- und teils überirdisch – und mutmaßlich kostengünstiger als der Gäubahntunnel.

Ein weiterer Vorteil für S-Bahnpendler durch den Gäubahntunnel

Die Diskussion um die Tunnellösung werde in Filderstadt aufmerksam verfolgt, bestätigt Christoph Traub, der Oberbürgermeister der Kommune. Zum einen, weil es die Hoffnung gibt, doch noch um die Sperrung der S-Bahnverbindung herumzukommen. Zum anderen aber auch, weil sich ein zweiter Vorteil für Pendler ergeben würde. Würden sich Gäubahn und S-Bahn die Gleise nicht teilen, würde dies, so OB Traub, zu einem stabileren S-Bahnverkehr, also mutmaßlich zu weniger Verspätungen, führen. „Das wäre eine gute Aussicht für Filderstadt“, sagt Traub. Mit Blick auf Leinfelden-Echterdingen gäbe es noch einen weiteren Vorteil: Anwohner der S-Bahntrasse müssten keinen zusätzlichen Schienenlärm befürchten.

Das Zeitfenster, das zum Umschwenken noch vorhanden ist

Man stelle sich vor, der Beschluss fällt – irgendwann – für den Gäubahntunnel, doch die Bauarbeiter sind bereits mit dem Umbau des Flughafens beschäftigt. Die Gefahr sieht die Bahn aktuell nicht. Zumal man mit gerichtlichen Auseinandersetzungen rechnet, die das Vorhaben weiter verzögern dürften. Am Beispiel des Filderabschnitts 1.3a: Der Planfeststellungsbeschluss sei im Juli 2016 gefallen, das Urteil und damit die Bauerlaubnis kam wegen Klagen im Sommer 2020.