Haben die Blitzer an der Theo die Tuningszene vertrieben? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Patienten des Katharinenhospitals beklagen eine Verlagerung der Tuningszene von der Theo weg. Die Polizei will deswegen verstärkt dort kontrollieren.

Stuttgart - Schlachtenbummler der Tuningszene haben am Wochenende eine neue Belustigung. Auf Bierkästen sitzend, so heißt es, beklatschen sie jeden Auslöser der neuen Blitzer an der Theodor-Heuss- beziehungsweise Friedrichstraße. Ob sie am Ende der ersten lauen Partynächte der Saison wunde Hände hatten, ist nicht überliefert. Es wäre aber angesichts der vielen Auslöser wahrscheinlich. Die Stadt hat eine weitere Auswertung der Blitzer an der Partymeile geliefert. Seit deren Inbetriebnahme haben die Anlagen nun schon 6183 Verstöße gegen das nächtliche Tempo-30-Limit und 3965 gegen die tagsüber geltenden 50 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit registriert.

Während die Partygänger nach wie vor vor allem die Theo und die Friedrichstraße als deren Verlängerung im Blick haben, will die Polizei ihr Augenmerk fortan unter anderem auf eine neue mögliche Raserstrecke legen: „Man hat kein Auge zubekommen, nicht nur wegen einer Party in der Nähe des Stadtgartens, sondern auch wegen der röhrenden Motoren in der Kriegsbergstraße“, berichtet ein Stuttgarter, der vor kurzem im Katharinenhospital lag. Ewig hätten ihn am ersten Wochenende nach dem Start der Blitzer an der Theo die Tuner wachgehalten. Die Krankenhausleitung hat die Beschwerden mitbekommen. „Ein Patient hat sich gemeldet, und mehrere Kollegen, die nachts arbeiten“, sagt Ulrike Fischer, die Sprecherin des Klinikums.

Polizei will für die Raser „unberechenbar“ bleiben.

Weder bei der Stadt noch bei der Polizei sind diese Beschwerden bisher angekommen. Die Polizei werde den Hinweis dennoch ernst nehmen und künftig auch die am Krankenhaus vorbeiführende Straße stärker in den Partynächten überwachen, kündigt der Polizeisprecher Stefan Keilbach an. Zurzeit herrsche aber aufgrund der Fußball-EM rund um die Theo kein Normalzustand, gibt Keilbach zu bedenken, daher seien die Ursachen schwer einzuschätzen. Ansonsten habe sich für die Verkehrspolizei wenig geändert, seit die nächtliche Tempobeschränkung an der Partymeile, die nur wenige Hundert Meter entfernt verläuft und am Bahnhof auf die Kriegsbergstraße stößt, in Kraft ist. „Die polizeilichen Maßnahmen laufen komplett weiter“, sagt der Polizeisprecher. Die Polizei würde dort, aber auch weiterhin an der Theo sowie an den großen Einfallstraßen in die Stadt stehen und die Tuner kontrollieren. Auch diejenigen, welche über die Eber­hardstraße und den Wilhelmsplatz brettern, habe die Polizei auf dem Schirm. „Wir arbeiten in einem Modus, der unberechenbar bleiben soll“, sagt Keilbach. Das heißt, man werde mal stationär, mal punktuell an verschiedenen Orten, aber auch mobil mit einem Videofahrzeug die Szene überwachen. „Die neuen Blitzer sind eine weitere Option dazu“, sagt der Polizeisprecher. Jedoch ersetzten sie keinesfalls die übrigen Kontrollen. „Manchmal können die Kollegen sich an einer Einfallstraße unauffälliger postieren als mitten auf der Theo – wo dann die Kontrollierten auch noch Unterstützung vom Publikum bekommen“, erläutert er, warum man die Polizei nicht unbedingt mitten im Partygetümmel sehe.

Bei Veronika Kienzle, der Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, sind noch keine Beschwerden über Tuner und Raser auf der Kriegsbergstraße angekommen. „In der Eberhardstraße und am Wilhelmsplatz ist es hingegen ein Problem, die hört man bis ins Stitzenburgviertel. Das ist aber keine neue Entwicklung“, sagt Kienzle. Mit einer Verlagerung der Raserszene aufgrund der Blitzer sei das nicht zu erklären.

Ein klein wenig ruhiger dürfte es vorübergehend dennoch werden: Seit die Blitzer scharf sind, haben sich an der Partymeile 88 Fahrer durch Geschwindigkeitsverstöße ein Fahrverbot eingehandelt.

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