Laut Veranstaltern stehen mehr als 1000 Autos auf der Waldau. Foto: Martin Stollberg

Mehr als 1000 heiße Kisten zählten Tuningfans auf der Waldau bei der Saisoneröffnung. „Treff-Time Stuttgart“ hat bisher noch nie Probleme gehabt, weder mit Anwohnern in Degerloch noch mit der Polizei.

Stuttgart - Zugegebenermaßen erschließt sich der Reiz eines Tuningtreffens für Außenstehende nicht auf den ersten Blick. Hunderte – laut Veranstalter weit über 1000 Autos – belegen noch die kleinste Parklücke am Fuß des Fernsehturms. Hier und da wummert es aus den Karossen, bei einem Golf mit allem Schnickschnack ist ein Grill aufgebaut, daneben zieht ein Grüppchen reihum an einer Shisha. Die aufgemotzten Fahrzeuge sind Stehzeuge für eine halbe Nacht. Kevin, der Einwinker, erklärt den Reiz: „Schauen sie mal, soooooo viele Sciroccos, wann sieht man das schon mal auf einen Schlag“, sagt er und entschwindet auch schon wieder, um weitere Neuankömmlinge einzuwinken.

Die „Treff Time“ ist vom Hafen auf die Waldau gezogen

Was am Freitag- und am Samstagabend auf der Waldau passiert, trägt den Namen „Treff Time Stuttgart“. Seit etwa einem Jahr hat sich das Tuningtreffen dort etabliert, und niemand scheint es zu stören – so berichten es die jungen Leute, die es organisieren. Polizei und Stadt wüssten Bescheid, sagen sie. „Die Polizei kommt manchmal vorbei, dann chillen wir ein bisschen mit denen und so“, sagt Abdul S., der zu den Gründern des Treffens zählt. Tagsüber steht er im Supermarkt hinter der Metzgerstheke, am Wochenende regelt er mit Kumpels den Verkehr beim Treffen. „Hey, Kevin, sag’ denen die sollen langsam tun, und merk Dir das Kennzeichen – zur Not rufen wir die Polizei“, entfährt es ihm, als der Motor eines BMW aufheult.

„Wir wollen keinen Stress. Wir wollen nur Spaß haben und die Leute treffen“, sagt Abdul S. – und die Polizei bestätigt am Sonntag, dass es so auch ist: „Es gab da keine Probleme, die waren dort schon öfters“, sagt ein Sprecher. Vor gut einem Jahr seien sie Am Mittelkai in Untertürkheim gewesen, bis ihnen die Polizei nahelegte, sich aus dem Hafengebiet zu verziehen, sagt Abdul S. Damals bekamen sie den Tipp mit der Waldau. Noch haben die Tuner der „Treff Time“ keine Konflikte mit Fernsehturmbesuchern gehabt – schlicht deswegen, weil der im vergangenen Jahr noch geschlossen war. Am Freitag und Samstag bei den ersten beiden Treffen seit der Wiedereröffnung deutete sich an, dass es welche geben könnte. Gegen 21 Uhr einen Parkplatz am Turm zu ergattern, kommt einem Hauptgewinn bei der Tombola gleich. Gegen 23 Uhr wieder wegfahren zu können, das ist fast ein Sechser im Lotto. Noch immer kommen Autos an, tiefergelegt, mit Spoilern und teuren Felgen aufgehübscht. „Mit so vielen haben wir nicht gerechnet“, sagt Abdul S., überwiegend stolz, ein klein wenig besorgt.

In der Stadt sind Treffpunkte für Tuner rar

Treffpunkte für Autotuner sind in der Stadt schwer zu finden. Bis 2014 kamen Woche für Woche Hunderte in einem Parkhaus am Neckarpark zusammen. Aral-Treff Stuttgart nannten sie sich. Nach Anwohnerbeschwerden wurden die Zusammenkünfte des Aral Treffs Stuttgart untersagt – diese Gruppe hat bis heute keine neue Anlaufstelle. Der Versuch mit dem Wasenparkplatz schlug fehl. Die Gruppe musste das Treffen nachts auflösen und obendrein die Reinigung des Platzes zahlen.

Die Teilnehmer der Treff Time und des aufgelösten Aral-Treffs haben eines gemeinsam: Sie alle mögen das mitunter gefährliche Schaulaufen auf der Theodor-Heuss-Straße nicht. Dort war die Polizei an diesem Wochenende wieder im Einsatz, um die Raserszene auf der Partymeile zu kontrollieren. Außer ein paar Ordnungswidrigkeiten sei dort aber nichts gewesen, so die Polizei.

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