Ausnahme oder Regel? Im Zuge des Kreisligaspiels zwischen dem TSV Altdorf und dem TSV Oberensingen kam es laut Polizei zu „tumultartigen Szenen“.
Als absolute Ausnahme sehen Polizei und Vertreter des Vereinssports die Szenen an, die sich im Zuge des Kreisligaspiels zwischen dem TSV Altdorf und dem TSV Oberensingen am späten Freitagabend auf dem Sportplatz in Altdorf abgespielt haben. Von einer Steigerung der Gewaltbereitschaft in der regionalen Fußballszene könne keine Rede sein.
„Das hat mit Fußball nichts zu tun“, kommentiert Harald Kuhn, Vorsitzender des Fußball-Bezirks Neckar/Fils, die Ausschreitungen im Rahmen der Fußballpartie. Er verurteile die Vorkommnisse auf das schärfste. Kleinere Rangeleien kämen immer einmal wieder vor – beim Fußball würden die Emotionen öfter mal hochkochen. Doch eine solche Eskalation sei die absolute Ausnahme. Zu möglichen Konsequenzen möchte sich Kuhn mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht äußern.
Parallel zu der Polizei habe auch das Sportgericht mit sechs Sportrichtern Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen. So würden Videoaufnahmen oder der Bericht des Schiedsrichters ausgewertet. An den Empfehlungen, die das Sportgericht aussprechen werde, werde man sich mit Blick auf mögliche Sanktionen orientieren. Ob es zu Sperren, Geldstrafen oder anderen Maßnahmen kommen werde, hänge vom Spruch des Sportgerichts ab.
Empfehlungen des Sportgerichts sollen abgewartet werden
Armin Sigler, Bezirksspielleiter und Schiedsrichter, verweist ebenfalls auf das schwebende Verfahren. Es seien noch nicht alle Berichte zu dem Vorfall ausgewertet, darum wolle man sich derzeit nicht äußern. Man werde aber zu gegebener Zeit an die Öffentlichkeit gehen. Im Rahmen des Bezirks Neckar/Fils mit etwa 140 Vereinen im aktiven Sportbetrieb sei ein Vorkommnis wie das in Altdorf in dieser Form beispiellos. So etwas sei in den letzten Jahren nicht vorgekommen, sagt Sigler.
Die Polizei hat nach Angaben eines Sprechers des auch für den Kreis Esslingen zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen ebenfals die Ermittlungen aufgenommen. Das Verfahren nehme seinen gewohnten Gang etwa mit Zeugenbefragungen. Vor Ort hätten die Beamten am Freitagabend eine Vielzahl von Zeugen feststellen können. Ein derartiges Vorkommnis im Rahmen eines Fußballspiels in den unteren Ligen wie der Kreisligaebene sei keinesfalls die Regel, bestätigt auch der Polizeisprecher. Ein Aneinandergeraten gegnerischer Mannschaften oder deren Fans komme immer mal wieder vor – aber nicht in einer solchen Dimension.
Der Schütze des Siegtors soll provokant gejubelt haben
Am Freitagabend hatten sich mehrere Anrufer bei der Polizei gemeldet und von einer größeren Schlägerei auf dem Sportplatz von Altdorf berichtet. Beim Eintreffen der Beamten hatte sich die Lage allerdings bereits wieder etwas beruhigt. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff sei es zu „tumultartigen Szenen durch einige Spieler auf dem Spielfeld gekommen“, teilt die Polizei mit. Nachdem der TSV Altdorf in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum 3:2 erzielt hatte, hatte der Schütze des Siegtores wohl vor der gegnerischen Auswechselbank gejubelt. Ein 19-jähriger Spieler des TSV Oberensingen fühlte sich dadurch vermutlich provoziert, folgte dem Spieler und hatte wohl die Absicht, auf ihn loszugehen. Ein 33-jähriger Spieler des TSV Altdorf habe den 19-Jährigen daran hindern wollen und von diesem einen Kopfstoß versetzt bekommen. Er habe dadurch laut Polizei „eine nicht unerhebliche Gesichtsverletzung“ erlitten.
Schiedsrichter beleidigt und Spieler einen Faustschlag verpasst
Im Rahmen des Kreisligaspiels kam es unabhängig davon laut Polizei zu einer weiteren Auseinandersetzung. Ein 34-jähriger Altdorfer Spieler habe einem 21-jährigen Spieler aus Oberensingen unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Der Geschlagene sei zu Boden gegangen und habe kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Die beiden Verletzten seien vor Ort durch den Rettungsdienst behandelt und dann in eine Klinik gebracht worden. Außerdem soll der Schiedsrichter durch einen Vater eines Oberensinger Spielers beleidigt worden sein. Der Unparteiische erstattete Anzeige.