Türkischer Rockerclub Osmanen Die Spur führt zu Erdogan

Von Rafael Binkowski 

Mehmeg Bagci (zweiter von links) ist der Anführer des Boxclubs Osmanen. Foto: Südafrika-Blog
Mehmeg Bagci (zweiter von links) ist der Anführer des Boxclubs Osmanen. Foto: Südafrika-Blog

Eine Verhaftungswelle schwächt den türkischen Boxclub Osmanen Germania. Immer deutlicher wird, dass er Teil eines nationalistischen Netzwerkes ist – das von Ankara aus gesteuert wird.

Stuttgart - Die Ferienregion Antalya klagt wie die gesamte türkische Küste über fehlende Hotelgäste aus Deutschland. Doch am 5. August marschiert eine große Gruppe aus Almanya über die Einkaufsstraße der Ferienstadt. Es sind keine typischen Touristen: Sie tragen die Abzeichen des national­türkischen Boxclubs Osmanen Germania. „Wir sind überall“, postet der eng mit dem Rotlicht- und Türstehermilieu verbundene Rockerclub offensiv auf Facebook.

Der Besuch ist kein harmloser Ferientrip. Vielmehr findet in der Mittelmeerstadt eine Konferenz statt: mit dabei der selbst ernannte „Weltpräsident“ der Osmanen, Mehmet Bagci,  Vertreter  der  Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) sowie der türkischen Regierungspartei AKP von ­Präsident Recep Tayyip Erdogan. Warum es geht? Um eine gemeinsame Strategie, berichten türkische Augenzeugen.

Wichtige Funktionäre der Osmanen sind in Haft

Wenige Wochen später sitzen wichtige Teilnehmer der Konferenz in Haft oder sehen sich mit Ermittlungen konfrontiert. Neben Bagci wurde sein Stellvertreter ­Selcuk „Can“ Sahin verhaftet sowie Levent Ulundal, bisher Präsident des aufgelösten Chapters Stuttgart. Er hätte Nachfolger von Bagci als „Weltpräsident“ werden sollen. Die Landeskriminalämter von Hessen und Baden-Württemberg haben eine Verhaftungswelle losgetreten. 20 Funktionäre der Osmanen sitzen in Haft, über 80 Verfahren laufen. Das Treffen in Antalya ist eines von vielen, bei denen die muskelbepackten Schläger mit offiziellen­ Regierungsvertretern kooperieren – häufig durch Vermittlung der UETD, wie unsere Zeitung aufdeckte.

Durch die Berichte wurde die Verbindung auch Thema im Bundestag: Die Linken-Abgeordnete Sevim ­Dagdelen hat mehrere Kleine Anfragen laufen, um die Hinter­gründe auszuleuchten. Sie sieht ein Bündnis, das neben den genannten Organisationen auch den türkischen Moscheeverein Ditib und den Geheimdienst MIT umfasst. „Das Netzwerk muss endlich zerschlagen werden“, fordert sie die Regierung auf, die von Erdogan aus Ankara gesteuerten „demokratiefeindlichen Bestrebungen“ zu stoppen.

Ein nationaltürkisches Netzwerk

Ein schwerwiegender Vorwurf. Doch für Dagdelens Behauptung gibt es mittlerweile eine Fülle von Indizien, die bereits zu Ermittlungen geführt haben, auch wenn ein Sprecher des Landeskriminalamtes dazu keine Angaben machen will. Viele türkische Aktivisten posten in den sozialen Netz­werken stolz von Treffen mit wichtigen Funktionären – was die Verbindungen öffentlich erkennbar­ macht. So sind die Osmanen immer wieder bei UTED-Verstaltungen als Ordner eingesetzt worden, etwa 2015 in ­Osnabrück und 2016 in Köln, wie Fotos beweisen.  Nach dem Putschversuch in der Türkei belagerten sie Konsulate in Frankfurt, Stuttgart und Mannheim.

Osmanen-Vizechef Selcuk Sahin postete damals auf Facebook: „2000 Osmanen sind auf den Straßen.“ Dass es Kontakte zwischen dem Boxclub und der UETD gibt, bestätigt der Staatssekretär Günter Krings (CDU) der Abgeordneten Dagdelen. Beide Organisationen ziehen also an einem Strang, sind nationaltürkisch ausgerichtet und unterstützen die Politik von Erdogan. Zwei Schlüsselfiguren spielen dabei eine besondere Rolle: eine ist der 56-jährige AKP-Abgeordnete Metin Külünk, der beste Kontakte zu Erdogan unterhält. Obwohl er Abgeordneter des türkischen Parlaments ist, hält er sich ständig in Deutschland auf, wie sein Facebook-Profil zeigt. Wie die Bundesregierung auf Anfrage Dagdelens bestätigt, traf er sich im Februar 2016 mit dem Osmanen-Anführer Mehmet Bagci in Zürich. Külünk wiederum unterhält enge Kontakte zu der Regierung. Der zwbseite ist der Mannheimer UTED-Funktionär Ilkay Arin. Er fungiert als Mittelsmann und hat ebenfalls enge Verbindung zu Bagci. So soll er einen Besuch in Ankara bei Metin Külünk vorbereitet haben, bei dem sogar ein Treffen mit einem Sohn von Erdogan eingeplant gewesen sein soll.

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