Die Türkei will Schulen in Deutschland aufbauen. Diese dienen sicher nicht der Integration, meint unser Kommentator Michael Weißenborn.
Stuttgart - Es ist aller Ehren wert: Die Bundesregierung verhandelt mit der AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan über die Rechtssicherheit für deutsche Auslandsschulen in der Türkei. Diese Schulen sind Orte der Begegnung zwischen den Kulturen, die auch türkischen Kindern offen stehen. Zudem gilt es, auch mit Problem- Staaten wie der Erdogan-Türkei im Dialog zu bleiben.
Doch mit Blick auf Pläne Ankaras, in Deutschland drei Schulen zu gründen, sind Bedenken mehr als berechtigt. Das zeigt alleine die willkürliche vorübergehende Schließung der Deutschen Schule in Izmir, die als Brachialhebel diente, um Berlin zu Gesprächen zu bewegen. Weit schwerer wiegen indes die zahlreichen Versuche der Einflussnahme der türkischen Regierung bis in die jüngste Zeit – die nationalistischen Redeauftritte Erdogans in Deutschland oder dass man in Ditib-Moscheen Kinder Krieg spielen und den Märtyrertod glorifizieren ließ.
Papier ist geduldig
Dieser Art von integrationsfeindlicher Ideologie für türkeistämmige Menschen in Deutschland will die Bundesregierung im Falle der Schulen rechtlich einen Riegel vorschieben: Womöglich als Ersatzschule geplant, mit Schulaufsicht und Lehrern gemäß dem Bundesland, in dem die Schule steht. Doch Papier ist geduldig. Und auch Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendarbeit türkischer Islamverbände mahnen zu großer Skepsis.