Parkscheinautomaten bieten viele Möglichkeiten zum Bezahlen. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Das oberirdische Parken soll in Tübingen kräftig teurer werden – an manchen Orten bis zu 50 Prozent. Nur wer eine App nutzt, soll künftig sparen können.

Es ist das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche, mit dem die Tübinger Stadtverwaltung die Autofahrer erziehen möchte. Das oberirdische Parken soll in der Universitätsstadt deutlich teurer werden – durchgehend um 50 Cent pro Stunde. Je nach Parkzone wäre das eine Steigerung von 25 bis hin zu 50 Prozent. Allerdings: Nicht jeder muss diese Mehrkosten zahlen. Wer auf Bargeld oder Kartenzahlung künftig verzichtet und dafür eine App nutzt, für den soll sich vorerst nichts ändern. Noch im Juli sollen der Verwaltungsausschuss und dann der Gemeinderat über den Vorschlag befinden.

 

Nur sechs Prozent nutzen die App

Darüber, dass diese Maßnahme für Park-Apps einen „erheblichen Werbeeffekt“ darstellt, macht die Vorlage keinen Hehl – genau dies ist gewünscht. Die Pflege der Automaten, das Einsammeln des Münzgeldes oder die Bankgebühren bei Kartenzahlung machten die klassischen Bezahlmöglichkeiten um etwa 20 Prozent teurer, so die Stadt. Da sei es nur logisch, die günstigere App-Variante aktiv zu bewerben. Personen, die zwar ein Auto fahren, aber kein Handy benutzen können, seien heute die große Ausnahme „und sollten nicht mehr der Maßstab der Gebührengestaltung sein“, heißt es.

Mit sieben verschiedenen Apps kann in Tübingen bereits seit 2020 das Parkticket bezahlt werden – doch die wenigsten Menschen machen das. Gerade einmal sechs Prozent der Parkplatznutzer wählen diese Bezahlmethode, auf Bargeld setzen 69 Prozent, ein Viertel zückt die EC-Karte. Ob ein Autofahrer mit der App wirklich günstiger parkt, kommt auf den jeweiligen Anbieter an – nicht alle sind umsonst, die Gebührenstruktur ist uneinheitlich. Und auch der Gang zum Automaten wird – anders als in der Verwaltungsvorlage angepriesen – nicht entfallen. Bei den meisten Apps muss die am Automaten angegebene Nummer in das Handy eingetippt werden, um sich zu registrieren.

Online ist es auch anderswo billiger

Mit Preisnachlässen für die Nutzer moderner Techniken ist Tübingen freilich nicht alleine. Auch beim Verkehrsverbund in Stuttgart (VVS) ist das auf dem Smartphone gebuchte Einzelticket fünf Prozent billiger als am Automaten. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar hat ein Luftlinienticket im Angebot, welches es nur online gibt. Je nach zurückgelegter Entfernung berechnet das System dabei den günstigsten Tarif.

Anders als in den Tübinger Parkhäusern sei der Tarif für oberirdisches Parken seit 13 Jahren nicht erhöht worden, rechnet die Verwaltung vor. Die Einnahmen der 340 Parkautomaten stagnierten bei 2,3 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Schritt für Schritt werde das Straßenparken nun in der gesamten Kernstadt kostenpflichtig – dabei gab es im ersten Halbjahr interessante Erkenntnisse.

Manch ein Parkscheinautomat im Wohngebiet bringt pro Jahr nicht einmal 600 Euro an Einnahmen – bei 4000 Euro Anschaffungskosten. Die Entfernungen zwischen den Automaten sollen daher vergrößert werden. Die maximale Entfernung zwischen Stellplatz und Automat soll dann nicht mehr 80, sondern 120 Meter betragen.