Bilal Waqas hatte gehofft, dass es ihm nach sieben Jahren in Tübingen erspart bleibt, für ein Deutschland-Visum nach Pakistan auszureisen. Vermutlich hätte er bis zu einem Jahr im Ausland darauf warten müssen und wäre in dieser Zeit getrennt gewesen von seiner Frau. An Dreikönig wurde der 35-Jährige abgeschoben. Foto: privat

Der Tübinger OB Boris Palmer kritisiert die Abschiebung des Pakistaners Bilal Waqas, der mit einer Deutschen verheiratet ist.

Tübingen - Die Erleichterung ist Ricarda Zelter anzuhören. „Gut, dass Herr Palmer sich für Bilal einsetzt“, sagt die Tübingerin. Sie ist froh, dass die Abschiebung ihres pakistanischen Mannes Bilal Waqas Anfang Januar im Tübinger Rathaus zur Chefsache erklärt wurde. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) spricht sich für die baldige Rückkehr des 35-Jährigen aus, der 2013 als Flüchtling nach Deutschland gekommen war und wenig später seine künftige Frau kennengelernt hat. „Es gibt keinen Grund, ihm ein Leben in Tübingen zu verweigern“, schreibt Palmer in einer Stellungnahme und plädiert für ein „gutes Ende“ der absurden Geschichte.

Rechtlich sei jedoch alles richtig gemacht worden, auch der Petitionsausschuss habe Waqas nicht helfen können. Es liege ein klassischer Fall für den von ihm geforderten Spurwechsel vor. Palmer dringt darauf, dass gut integrierte Flüchtlinge, die in Deutschland eine Arbeit gefunden haben und für sich selbst sorgen können, eine dauerhafte Bleibeperspektive erhalten. „Nach sieben Jahren in Deutschland sollte die Spur des Asylantrags nicht mehr verfolgt, sondern ein Wechsel zum Einwanderungsrecht möglich gemacht werden“, betont Palmer. „Im Fall von Herrn Waqas wird auf die Abschiebung ganz sicher die legale Rückkehr folgen“, kündigt er an. Er hat zusammen mit der Tübinger Ausländerrechtsbehörde einen Vorschlag zur Güte erarbeitet. Die bei Abschiebungen übliche Einreisesperre von 30 Monaten werde nicht verhängt. Die Stadt werde einer frühestmöglichen Einreise zustimmen.

Die Behörden hielten eine Trennung zur Beschaffung des Visums für zumutbar

Wann das sein wird, weiß keiner. Im Fall von Bilal Waqas geht es nicht um ein laufendes Asylverfahren, denn das war laut dem Regierungspräsidium Karlsruhe bereits eingestellt worden. Der in Deutschland geduldete Waqas hatte gehofft, dass es ihm erspart bleibt, nach Pakistan zurückzureisen, um sich ein Visum für Deutschland zu holen. Die Behörden aber hielten eine vorübergehende Trennung zur Beschaffung des Visums für zumutbar. Im Zuge der Familienzusammenführung hätte Waqas dann problemlos mit dem Visum nach Tübingen zurückfliegen können. Das klang theoretisch logisch, praktisch jedoch befürchtete das Ehepaar Probleme. Es dauere rund ein Jahr, um das Visum zu erhalten, sagen sie – so lange wollten die beiden nicht getrennt voneinander leben. Außerdem fehlte ihnen das Vertrauen sowohl in die pakistanischen Behörden als auch in die deutsche Botschaft in Pakistan. „Bilal versuchte bisher vergeblich, jemanden in der Botschaft zu erreichen, er hat ein Online-Formular für einen Termin ausgefüllt – ohne Reaktion“, sagt Zelter. Sie hält engen Kontakt zu ihrem diabeteskranken Mann. „Seine größte Sorge ist gerade, dass er in Gujarat kein Langzeitinsulin erhält.“

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