Tübingens OB eckt mal wieder an Die Privilegien des Staatsdieners Palmer

Von Matthias Schiermeyer 

„Schon mal die Gurgel zugedrückt“: Boris Palmer wird zur Zielscheibe der Beamten. Foto: dpa
„Schon mal die Gurgel zugedrückt“: Boris Palmer wird zur Zielscheibe der Beamten. Foto: dpa

Der streitbare Grüne Boris Palmer provoziert mit kritischen Aussagen die Beamten. Jetzt beschimpfen ihn empörte Staatsdiener als Nestbeschmutzer.

Tübingen - Das Beamtentum ist ein Flaschenzug – eine Flasche zieht die andere hoch.“ Helmut Palmer, der legendäre Remstalrebell, wusste noch, wie man Staatsdiener beleidigt. Vor einer Woche nun war sein Sohn Boris zu Gast beim Hochamt des Deutschen Beamtenbundes, der traditionellen Jahrestagung in Köln. „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, offenbarte der Tübinger Oberbürgermeister auf dem Podium nicht ohne Ironie. „Als Wahlbeamter finde ich die Beamten mittlerweile gar nicht mehr so schlimm.“

Breitseite gegen das Beamtentum

Minuten zuvor jedoch hatte der Grüne coram publico gegen das Beamtentum ausgeteilt. So dachte er anlässlich der Debatte über die Bürgerversicherung laut darüber nach, dass die Krankenversorgung der Beamten ein „offenkundiges Privileg“ sei. Und er nannte Zahlen: Demzufolge erhält der Rathauschef in der Besoldungsstufe B8 ein Grundgehalt von 10 320 Euro im Monat, zahlt aber nur 200 Euro in die private Krankenversicherung ein – plus 40 Euro Zusatzbeitrag für ein Kind. Ein Beschäftigter mit 4500 Euro Monatsgehalt müsse hingegen 700 Euro in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Nicht gerecht sei das. Auch meinte er, dass die „Beamtenpensionen nicht in den Himmel wachsen können“ und dass die Zwangspensionierung erst mit 75 Jahren für ihn eine gute Sache sei, die frühe Ausmusterung von 60-jährigen Polizisten dagegen unsinnig. Starker Tobak für die Gastgeber.

Shitstorm auf Papier

Zu viele Extras für Beamte – welcher Amtsträger wagt das zu sagen. In Köln blieb das Publikum gelöst. Nachdem sein Auftritt aber noch großflächig in der Boulevardpresse aufbereitet wurde, war Palmer bei vielen Staatsdienern unten durch: „Viele empörte Beamten schreiben mir derzeit Briefe“, schildert er auf Facebook. „Eine Art Shitstorm auf Papier.“ In der milden Form werde er als Nestbeschmutzer beschimpft, in der wilden Form „wird mir schon mal die Gurgel zugedrückt“. Die Reaktionen haben offenbar gesessen, denn der Grüne sieht sich zu einer langen Rechtfertigung genötigt. Er habe die Beamten nicht pauschal verunglimpfen wollen, gelobt er. Ressentiments wie zu Zeiten seines Vaters gebe es aber immer noch, „und viele Beamte sind da zu Recht sensibel“.

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