Ein Indonesier an der zerstörten Küste im Ort Carita auf der Insel Java Foto: AP

Ein Vulkanausbruch löst wohl mehrere große Flutwellen aus. Sie töten auf Sumatra und Java Hunderte Menschen und hinterlassen ein Bild der Zerstörung. Viele Menschen werden noch vermisst.

Bangkok/Jakarta - Die ohrenbetäubenden Rhythmen der Rockband Seventeen in dem kleinen Ort am Ufer der Sundastraße übertönten das Rumpeln des nahen Vulkans Anak Krakatau. Die Konzertbesucher verpassten die Lavabrocken, die aus dem 338 Meter über dem Meeresspiegel hochragenden Vulkan geschleudert wurden. Und sie ahnten nichts von dem folgenden Tsunami – bis plötzlich eine Wasserwand hinter der Bühne eine Gebäudemauer durchbrach und die Musiker hinwegfegte.

Mindestens 222 Menschen starben bei dem Tsunami, der spät am Samstagabend drei Ortschaften entlang der Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra verwüstete. Mindestens 843 wurden verletzt. Die Behörden befürchteten am Sonntag, dass die Opferzahlen noch steigen könnten. Seventeen-Sänger Riefian Fajarsyah berichtete, er sei zwei Stunden im Wasser getrieben. Anschließend habe er die Leichen des Tourmanagers und des Bassisten gefunden. Auch der Gitarrist sei tot. Fajarsyahs Frau sowie weitere Bandmitglieder werden vermisst.

24 Minuten bis zur Katastrophe

Nach Angaben der indonesischen Agentur für Meteorologie, Klima und Geophysik war die Ursache der Flutwellen vermutlich ein Ausbruch des in der Meerenge liegenden Vulkans Anak Krakatau, der wiederum einen Erdrutsch unter Wasser zur Folge hatte. Demnach ereignete sich die Eruption am Samstagabend um 21.03 Uhr Ortszeit, 24 Minuten später sei der Tsunami auf Land getroffen. Nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam entstand der Tsunami infolge einer Kettenreaktion. Demnach erschütterte ein Beben der Stärke 5,1 in etwa einem Kilometer Tiefe die Sundastraße. Außerdem sei etwa zeitgleich der Anak Krakatau ausgebrochen. Der dadurch ausgelöste Erdrutsch sei vermutlich die Ursache des Tsunamis gewesen. Das Tsunami-Frühwarnsystem löste demnach keinen Alarm aus, darauf sei es auch nicht ausgelegt, sagte Lauterjung. 90 Prozent der Tsunamis entstünden durch starke Erdbeben, daher löse das System erst ab einer Stärke von 6,5 bis 7 Alarm aus. Diese Stärke habe das jetzige Erdbeben nicht erreicht.

Der Tsunami schwemmte Boote weit ins Landesinnere und hinterließ Trümmerfelder entlang der Küste. Indonesiens Kata­strophenschutz-Sprecher Sutopo Purwo Nugroho rief am Sonntag Indonesier auf, die Küstennähe entlang der Sundastraße zwischen dem Java-Meer und dem Indischen Ozean zu meiden. Der Grund: Die Behörden fürchten, dass weitere Lavaströme unter Wasser neue Flutwellen verursachen könnten.

Der Feuerring ist verantwortlich

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Der Inselstaat hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land. Hier ereignete sich Ende September das Erdbeben der Stärke 7,5 rund um die Stadt Palu in der Sulawesi-Region, bei dem mehr als 2200 Menschen starben. Die meisten kamen durch einen etwa drei Meter hohen Tsunami ums Leben, der von den Behörden in Jakarta zunächst übersehen wurde. Schon an Weihnachten 2004 hatte ein verheerender Tsunami neben anderen östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans auch Indonesien getroffen – alleine dort kamen damals mehr als 160 000 Menschen ums Leben, insgesamt waren etwa 230 000 Todesopfer zu beklagen.

Das „Kind des Krakatau“, wie der Name des nun ausgebrochenen Vulkans übersetzt heißt, wächst jährlich knapp sieben Meter aus dem Meer. Er war unter der Meeresoberfläche entstanden und tauchte 1927 an der Stelle des früheren Kraters Danan der Insel Krakatau auf. Dieser war zusammen mit zwei benachbarten Kratern im Sommer 1883 spektakulär explodiert. Teile von Krakatau wurden dabei zerstört.

1883 erster Ausbruch

Dieser Ausbruch war die erste große Naturkatastrophe in einer dank Telegrafen vernetzten Welt. Er forderte laut den herrschenden niederländischen Kolonialbehörden mindestens 36 000 Tote. Es gab einen 40 Meter hohen Tsunami, der drei Mal den Globus umrundete. Die Asche in der Atmosphäre ließ weltweit für fünf Jahre die Temperaturen um 1,2 Grad sinken, weil weniger Sonnenlicht die Erde erreichte. Die Folge waren Missernten und Hungersnöte. Dieses Elend führte zu einer Welle massiver Auswanderung von Europa nach Nordamerika.

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