Julian Nagelsmann spielt mit der TSG Hoffenheim bisher eine erfolgreiche Saison. Foto: Pressefoto Baumann

Heute vor einem Jahr hat Julian Nagelsmann als damals 28-Jähriger den Job als Trainer der TSG Hoffenheim übernommen. Nun zieht er Bilanz – und wünscht sich für die Zukunft Titel.

Zuzenhausen - Er hat die TSG Hoffenheim als Abstiegskandidat übernommen und innerhalb eines Jahres zum Fünften der Fußball-Bundesliga gemacht. Dennoch sagt Julian Nagelsmann: „Wir können noch Entwicklungsschritte nach oben gehen.“ Im Interview mit Redakteur Dirk Preiß spricht er auch über seine Rolle als jüngster Trainer der Liga.

Herr Nagelsmann, schauen Sie eigentlich die zweite Liga?
Ja. Am vergangenen Montag den VfB Stuttgart beim Spiel gegen Fortuna Düsseldorf.
Und?
Der VfB war gut, vor allem in der ersten Halbzeit. Die Stuttgarter schaue ich mir übrigens gerne an.
Warum?
Man erkennt, dass sie einen guten Plan und für die zweite Liga richtig gute Spieler haben. Man sieht auf dem Feld, dass sich da jemand vorab viel Gedanken gemacht hat – das gilt meiner Meinung nach übrigens auch für die jüngsten Transfers.
Was haben Sie gedacht, als der VfB im vergangenen Herbst den 35-jährigen Hannes Wolf zum Cheftrainer gemacht hat?
Glückwunsch. Denn ich kenne Hannes aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund und halte ihn für einen guten Trainer. Zudem ist er ein feiner Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat. Ehrlich gesagt, habe ich mich schon gewundert, dass es so lange gedauert hat, bis mal ein Club bei ihm anfragt.
Und Sie dachten nicht: Mutig, so einen jungen Coach zu holen?
(Lacht) Nein. Denn so jung ist er ja auch nicht mehr. Aber im Ernst: Es gehört doch zu jeder Entscheidung für einen neuen Trainer Mut.
Derzeit gibt es in der ersten und zweiten Liga einige jüngere Trainer, die nie die ganz große Karriere als Spieler hatten. Fühlen Sie sich als Vorreiter und Wegbereiter?
Wenn sich jemand so fühlen darf, dann sind das die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim, die mich zum Cheftrainer gemacht haben. Aber das ist für mich keine Frage von Mut, es geht ja um eine inhaltliche Abwägung, ob man von einem Trainer überzeugt ist. Mut ist dann eher gefragt, wenn man eine solche Entscheidung vor der Öffentlichkeit rechtfertigen muss. Ich wurde anfangs ja auch von einigen Beobachtern als PR-Gag bezeichnet. Das muss man als Verein dann auch mal aushalten können.
An diesem Samstag vor einem Jahr haben Sie den Cheftrainerposten übernommen. Was hat dieses Jahr mit Ihnen gemacht?
Persönlich nicht viel. Was ich aber festgestellt habe: Ich bin in Alltagssituationen selbstsicherer geworden.
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