Foto: Rüdiger Ott

In den nächsten Jahren soll das Sportgebiet auf der Waldau nach und nach umgestaltet werden. Einer der am meisten betroffenen Vereine ist die TSG Stuttgart.

Degerloch - Die TSG Stuttgart hat viel erlebt in ihrer langen Vereinsgeschichte, die bis ins Jahr 1875 zurückreicht. Da wäre zum Beispiel der deutsche Meistertitel im Feldhandball, die ein Vorläufer des Vereins mal im Jahr 1925 errungen hat. Oder auch die Fusion von drei Degerlocher Vereinen, die 1973 schließlich zu der Turn- und Spielgemeinschaft geführt hat, wie sie in ihrer heutigen Form noch existiert.

Das alles freilich ist vermutlich nur halb so einschneidend wie die Veränderungen, die der TSG derzeit ins Haus stehen. Denn die Stadt plant in Zusammenarbeit mit den ansässigen Sportvereinen eine Umgestaltung der Waldau. Dass es so schnell vorwärtsgeht, hängt mit dem Aufstieg der Fußballer der Stuttgarter Kickers in die Dritte Liga zusammen: Die damit verbundenen Umbauten am Gazi-Stadion muss die Stadt schnell in Angriff nehmen. In diesem Zusammenhang sollen unter anderem die Wegeverbindungen neu angelegt und ein Platz für Veranstaltungen und offene Sportangebote geschaffen werden. Die TSG ist einer der Anlieger, die von diesen Plänen am meisten betroffen sind. Denn die Sportstätten des Vereins liegen in dem Teil der Waldau, der als erstes neu geordnet werden soll.

Es gab Widerstand in der Tennis- und Faustballabteilung

In den Reihen des Clubs ist das Vorhaben der Stadt nicht auf ungeteilte Begeisterung gestoßen. „Es gab Widerstand in der Tennis- und Faustballabteilung“, berichtet Bernhard Bakan, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Und zwar insbesondere wegen der künftigen Wegeführung zwischen der Stadtbahnhaltestelle und dem Gazi-Stadion, wie sie die Stadt zunächst favorisierte. „Der Weg zwischen dem Luftbadverein und der TSG fällt weg; stattdessen wird er künftig direkt über unser Gelände führen“, sagt Bakan. In seiner ursprünglichen Variante hätten für diesen Weg etliche Bäume und ein Parkplatz auf dem TSG-Gelände weichen müssen, wogegen die Sportler protestierten.

So wie es aussieht mit Erfolg: „Wir hatten im November ein Gespräch mit verschiedenen Ämtern der Stadt. Da haben wir eine Einigung erzielt“, sagt Bakan. Demnach soll der Weg in Zukunft so verlaufen, dass die Bäume und der Parkplatz erhalten bleiben. Und obwohl der stellvertretende Vereinschef die Aussicht nicht erfreulich findet, dass künftig Horden von Fußballfans über das Vereinsgelände marschieren, so sieht er doch Chancen in der Entwicklung: „Es gibt im Verein zwar andere Meinungen, aber ich finde es gut, wenn wir uns nach außen öffnen. Dadurch erreichen wir mehr Menschen und können vielleicht sogar Mitglieder werben.“

Haus 2 soll an die Stadt verkauft werden

Neben dem Weg stehen bei der TSG noch weitere Veränderungen an. Der Verein wird der Stadt seinen Tennenplatz zur Verfügung stellen, auf dem bisher Fußball gespielt wird. Dort soll in einigen Jahren eine große Ballsporthalle gebaut werden. „Das wünschen sich die Vereine auf der Waldau seit Jahrzehnten, und es sieht so aus, als würde dieser Wunsch jetzt in Erfüllung gehen“, sagt Bakan.

Darüber hinaus will die TSG auch eines ihrer beiden Häuser – das Haus 2, in dem sich eine Gaststätte und die Räume der Fußballabteilung befinden – an die Stadt verkaufen. „Wir warten derzeit auf ein Angebot des Liegenschaftsamts“, sagt Bakan. Wie viel der Verkauf einbringen könnte, vermag der stellvertretende Vorsitzende noch nicht zu sagen. Mit dem Erlös hat die TSG aber einiges vor: Zum einen will der Verein sein anderes Gebäude auf seinem Gelände, das Haus 1, renovieren. Dort hat sich der Boden abgesenkt, und eine Wand hat Risse. Zwischen 20 000 und 50 000 Euro wird es kosten, das zu reparieren, schätzt Bakan.

Die TSG stuttgart will an ihre Halle anbauen

Zum anderen möchten die Club-Verantwortlichen an ihre kleine Sporthalle auf dem TSG-Areal anbauen. Platz genug für den knapp 200 Quadratmeter großen Anbau wäre: Neben der Halle befindet sich ein Hartplatz, der derzeit lediglich als Abstellfläche für Autos genutzt wird. Ein Anbau statt eines Neubaus soll es deshalb werden, „weil wir dann die vorhandenen Umkleideräume und Toiletten nutzen können“, sagt Bakan. Eine Grobplanung gebe es schon; die Kosten für den neuen Gebäudeteil, in dem ein Dojo – also ein Karate-Übungsraum – unterkommen soll, schätzt Bakan auf rund 200 000 Euro.

Ob all diese Pläne Wirklichkeit werden, hängt noch von der Zustimmung der Mitglieder ab, betont Bakan. Denn immerhin könnten die Vorhaben des Vereins zum Beispiel das Aus für die Fußballabteilung bedeuten, die ohne Tennenplatz und ihre Räume im Haus 2 kaum existieren könnte. Im März soll die nächste Mitgliederversammlung stattfinden – dann wird sich zeigen, ob die Pläne der Vereinsführung Unterstützung finden.

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