Nach Stuttgart, Schalke und Moskau nun Hoffenheim: Kevin Kuranyi kehrt in die Bundesliga zurück Foto: dpa

Der erfahrene Kevin Kuranyi soll der jungen TSG-Truppe nach seiner Rückkehr aus Moskau als Entwicklungshelfer dienen

Sinsheim - Von Kevin Kuranyi haben sie bei der TSG 1899 Hoffenheim erst einmal genug. Nicht sportlich natürlich, eher medial. Sämtliche Interviewanfragen vor dem Start in die Bundesliga-Saison bei Bayer 04 Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) wurden abgebügelt. Die TSG will sich lieber wieder ein bisschen mehr auf sich konzentrieren und weniger auf den prominenten Bundesliga-Rückkehrer.

Seit Bekanntwerden des Deals beherrscht nämlich nur einer die Schlagzeilen im Kraichgau: Kevin Kuranyi. Zu seiner Vorstellung kamen 200 Fans und 30 Journalisten, für das kleine Hoffenheim fast schon ein Hype. Der 33-Jährige strahlte wie ein Kind, machte ein paar Späße und sprach aus, was ihn schon seit längerem umtrieb: „Ich bin froh, wieder zurück zu sein.“

Zurück in Deutschland, zurück in der Bundesliga. Bei welchem Club, ist da eigentlich fast schon egal. Natürlich hätte er sich den VfB Stuttgart sehr gut vorstellen können, schließlich bezeichnet der frühere VfB-Profi (2000–2005) die Landeshauptstadt als seine Heimat. Doch bei den Roten bestand kein Interesse. Leverkusen und Hannover waren noch Kandidaten, am Ende wurde es Hoffenheim. Das liegt näher an Stuttgart und auch sportlich nahe – zumindest sehen es beide Seiten so.

TSG-Coach Markus Gisdol freut sich, neben dem schnellen Kevin Volland einen echten „Pressingstürmer“ zur Verfügung zu haben. Tatsächlich könnten sich Kevin und Kevin im Sturmzentrum gut ergänzen. Die Frage ist nur, ob der 33-Jährige dem körperbetonten und ausdauernden Spiel der Hoffenheimer noch gewachsen ist. Auch die Bundesliga insgesamt dürfte für den Rückkehrer von Dynamo Moskau nach fünf Jahren russische Liga fast wie Neuland sein. Fürs Erste brachte Kuranyi einen erheblichen Trainingsrückstand mit, was dem 1899-Manager aber gerade recht schien, um die Erwartungen zu dämpfen. „Kevin kriegt von uns alle Zeit, um hier erst mal anzukommen“, sagt Alexander Rosen.

„Wenn wir so spielen, steigen wir ab“

Wobei das mit den Erwartungen relativ ist. Nach dem peinlichen Pokal-Aus bei den Münchner Löwen (0:2) bekam Niklas Süle eine erste Panikattacke. „Wenn wir so spielen, steigen wir ab“, sprach der Abwehrspieler eine Warnung an seine bräsigen Mannschaftskollegen aus. Vor allem das Mittelfeld erwies sich als Schwachstelle. Kreativität und zündende Ideen fehlten vollends – also all das, wofür in der Vergangenheit Roberto Firmino verantwortlich war. Doch der wurde für die Rekordsumme von 41 Millionen Euro an den FC Liverpool verkauft. Reinvestiert wurde das Geld nur zum Teil. Bekanntester Neuzugang neben Kuranyi (der ablösefrei kam) ist der Schweizer Fabian Schär, der sich im Pokal aber prompt verletzte. So blickt der Vorjahres-Achte mit einigen Sorgenfalten dem Saisonstart entgegen, der es mit Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München gleich in sich hat.

Da Kevin Kuranyi aber noch nie der Typ war, dem solche Probleme den Nachtschlaf geraubt hätten, macht sich der Ex-Nationalspieler auch jetzt keinen Kopf. „Ich glaube, dass wir eine gute und hungrige Mannschaft haben“, sagt der gebürtige Brasilianer mit dem immer noch etwas dünnen Stimmchen. Er ist vor allem froh, das Kapitel Moskau hinter sich zu haben.

Denn dort lief es eigentlich nur finanziell so richtig gut – bei einem kolportierten Jahresgehalt von 5,7 Millionen Euro. In Hoffenheim soll es knapp die Hälfte dessen sein. Sportlich waren die fünf Jahre eher durchwachsen.Und kulturell? Nun ja. „Der Winter war zu lang. Und die Staus auch“, verriet Kuranyi jüngst bei „Sport im Dritten“. Auch das Aufsuchen mindestens drei verschiedener Geschäfte zum Einkauf von Lebensmitteln machte es dem zweifachen Familienvater am Ende leicht, zu einer Vertragsverlängerung bei Dynamo „Njet“ zu sagen.

Um so viele Erfahrungen reicher, ist Kuranyi die Rolle des Entwicklungshelfers in einer der jüngsten Mannschaften wie auf den Leib geschneidert. Denn auch deswegen haben sie den Weitgereisten verpflichtet. Oder wie Kuranyi sagt: „Ich würde gerne in die Rolle des großen Bruders schlüpfen.“

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