Donald Trump muss sich eingestehen, dass es in der realen Politik komplizierter zugeht als auf Twitter. Foto: AP

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump seine Truppen aus Afghanistan zurückholen. Doch sein Afghanistankonzept ist nichts anderes als ein Weiter-so mit leichten Korrekturen.

Washington - Früher war alles einfacher, vor allem für Donald Trump. Während sich sein Vorgänger im Oval Office den Kopf zerbrach über die richtige Strategie am Hindukusch, ohne letztlich erfolgreich zu sein, klopfte der Immobilienunternehmer wohlfeile Sprüche. Wann werde Amerika wohl aufhören, sein Geld in Afghanistan zu verschwenden und sich dem Aufbau des eigenen Landes zuwenden, fragte er bei Twitter und forderte einen Rückzug.

Die Taliban sind längst wieder auf dem Vormarsch

Trump, der Präsident, musste einsehen, dass es in der realen Politik komplizierter zugeht als in der Welt der Kurzbotschaften mit ihren 140 Zeichen. Dass es einfache Lösungen nicht gibt, schon gar nicht für Afghanistan. Dass es ein geopolitisches Vabanquespiel wäre, würde man das Land sich selbst überlassen. Die Taliban sind längst wieder auf dem Vormarsch. Die Korruption grassiert, zu den Interessenkonflikten rivalisierender Warlords kommen die Interessenkonflikte miteinander konkurrierender Nachbarländer. Es ist eine Gemengelage, mit der schon Barack Obama zu tun hatte. Geändert hat sich im Grunde nichts, weder an den Realitäten vor Ort noch an Amerikas Antwort darauf. Bei allem Getöse: Was Trump an Konzepten anbietet, ist nichts anderes als ein Weiter-so mit leichten Korrekturen. Wäre Trump ehrlich, würde er sagen, dass er im Augenblick nur improvisiert.

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