In einer Mitteilung an die Belegschaft bekräftigt Nicola Leibinger-Kammüller, dass Gesellschafter und Vorstand ihre Haltung überdenken. Trumpf beteiligt sich aufgrund seiner christlichen Grundhaltung bisher nicht an Rüstungsprojekten.
Die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller hat sich in einer Mitteilung an die Belegschaft zum möglichen Einstieg des Ditzinger Unternehmens in die Militärtechnik geäußert. Es gebe bei Trumpf „keine Zeitenwende der Werte, sondern die Evolution unserer gesellschaftlichen Verantwortung“, sagte die Vorstandsvorsitzende. Anlass dafür seien die sich verändernde geopolitische Lage und „ein möglicher zukünftiger Beitrag unserer Technologie zu Verteidigungszwecken“, heißt es in einem Beitrag von Trumpf-Kommunikationschef Andreas Möller auf Linked-In.
Leibinger-Kammüller bekräftigte, dass im Gesellschafterkreis und im Vorstand seit längerem die Frage diskutiert wird, „ob sich Trumpf mit seiner Lasertechnik verteidigungspolitischen Anwendungen öffnen sollte, wie dies andere Firmen tun“. Daran seien „unsere Kinder als die nächste Generation der Unternehmerfamilie beteiligt.“ Man befinde sich in einem Prozess der Entscheidung, den man sich „alles andere als einfach“ mache.
Trumpf-Technologie soll nicht als Waffe gegen Menschen dienen
Trumpf hat in einem Gesellschaftervertrag von 2015 festgelegt, dass sich das Unternehmen aufgrund seiner christlichen Grundhaltung nicht an Rüstungsprojekten beteiligt. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine aber beschäftigt sich die Firma damit, ob dieser Beschluss revidiert wird. Maßgeblich bleibt, „dass Trumpf-Technologie nicht als Waffe gegen Menschen eingesetzt werde“, so Leibinger-Kammüller. „An diesem ethischen Grundsatz wird sich auch in Zukunft nicht das Geringste ändern.“ Angesichts sich überschlagender Nachrichten wolle sie dies bekräftigen. „Wir befinden uns bei Trumpf eben nicht in einer Zeitenwende, was unsere moralischen Leitplanken anbelangt, sondern in einem verantwortungsvollen Entwicklungsprozess im Einklang mit den sich wandelnden politischen Rahmenbedingungen.“
Peter Leibinger, der Bruder der Vorstandschefin und Trumpf-Aufsichtsratsvorsitzender, hatte vergangene Woche am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz eine Grundsatzrede in seiner neuen Funktion als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gehalten. Darin forderte er ein grundsätzliches Ja der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft zu Rüstungsprojekten.
Mit der drohenden Abkehr der USA von Europa und der Diskussion um die eigene Verteidigungsfähigkeit der Europäer hat das Thema weitere Brisanz erhalten. Die Lasertechnologie von Trumpf könnte in Abwehrwaffen zum Einsatz kommen, indem per Laser beispielsweise unbemannte Drohnen flugunfähig gemacht werden.