Über den designierten US-Präsidenten lacht man – und unterschätzt ihn. Helfen kann da nur noch Pop, meint unser Kolumnist Jörg Scheller.
Das Jahr 2025 beginnt wie das Jahr 2017: Mit der Amtseinführung Donald Trumps. Alle Kritik vergebens! Doch überraschend ist das nicht. Im November letzten Jahres schrieb ich in dieser Kolumne, die Kritik an Trump laufe ins Leere, weil er ein Mythenmacher sei. Es gehe ihm nicht darum, Wirklichkeit korrekt abzubilden, sondern darum, mythische Realitäten zu schaffen. Dagegen helfen Faktenchecks und rationale Argumente wenig.
Untergang ist unterhaltsam
Heute soll es nicht um Mythologie, sondern um Pop-Kompetenzen als Voraussetzung einer effektiveren Trump-Kritik gehen. Diese Kompetenzen fehlen vor allem im deutschsprachigen Raum. Dabei kommt Trump aus Business und Entertainment. Er betreibt Politik als Pop der gröberen Sorte, gleichsam als Wrestling. Der Poptheoretiker Leslie A. Fiedler schrieb schon 1968, an der Popkultur perle die humanistisch-rationale und marxistische Kritik der Moderne ab. Christoph Harig von der Königlichen Dänischen Militärakademie bemerkte diese Woche lakonisch auf dem Kurznachrichtendienst Bluesky: „Die Demokratie stirbt, weil ihr Niedergang Unterhaltungswert hat.“
Trump ist eine tief in der US-amerikanischen Popkultur verwurzelte Figur, die nicht primär über Wort und Geist, sondern über Ästhetik, Emotion, Bild, Körper, Performanz funktioniert. Pop ist die postmoderne Kultur des sich selbst entwerfenden, in der Traumfabrik der Konsumgesellschaft am eigenen Mythos arbeitenden Subjekts. Eine Satire der Gruppe Adults Incorporated™ aus dem Jahr 2016 ist vor diesem Hintergrund mehr als Trash. Der Kurzfilm „Trump Is A Gay Scandinavian Performance Artist“ gibt vor zu enthüllen, dass Trump in Wahrheit die Kunstfigur eines zynischen Kreativen ist.
Fake News sind kein Fehler, sondern Instrument
Der Journalist Christoph Fellmann wiederum verglich Trump 2016 treffend mit dem Glamrocker Gary Glitter, der in den 70er Jahren als heterosexistisches Pendant zu David Bowie reüssierte. Glitter war beliebt, weil er ein „offensichtlicher Fake“ war, so Fellmann – genau das lässt sich auch über Trump sagen.
Der Fake ist kein Fehler, sondern eine Funktion. Kein Wunder, dass all die Fake-Vorwürfe wirkungslos bleiben. Ende 2024 schrieb der Literaturwissenschaftler Johannes Franzen über Trump und Elon Musk, wir erlebten eine Ära der „Clownspolitik“, des „ständigen politischen Halloweens“, der „karnevalesken Transgression“. Über Clowns lacht man und unterschätzt sie – ähnlich, wie man im alten Europa einst die Popkultur, die heute längst hegemonial ist, unterschätzte. War der frühe Pop ein heiterer, egalitärer, demokratischer, offener Clown, so ist der zur Machtpolitik avancierte Pop der Gegenwart indes ein Horror-Clown: Trump.