Trums UN-Botschafterin Nikki Haley hat die Budget-Kürzung eher eigenwillig interpretiert. Foto: AFP

Das Budget der Vereinten Nationen ist gekürzt worden – aber dabei handelt es sich keineswegs um eine US-Strafaktion, kommentiert Karl Doemens.

Washington - Es klang martialisch. „Lass sie ruhig gegen uns stimmen“, wetterte US-Präsident Donald Trump: „Wir werden eine Menge Geld sparen.“ Und Trumps UN-Botschafterin Nikki Haley drohte kaum verdeckt mit finanziellen Strafen: Man werde sich die Namen der Länder merken, die es wagen, die USA wegen der Verlegung ihrer Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu kritisieren. Nun scheint der Knüppel niederzusausen. Um 285 Millionen Dollar werde das Budget für die Vereinten Nationen gekürzt, verkündete Haley zu Weihnachten: „Wir lassen es nicht länger zu, dass die Großzügigkeit der amerikanischen Bevölkerung ausgenutzt wird.“

Den treuen Anhängern Trumps mag die Diplomatin die Herzen gewärmt haben. Wahrhaftig ist ihre Botschaft nicht. Weder werden die USA 285 Millionen Dollar sparen, noch hat die Kürzung etwas mit dem Jerusalem-Beschluss zu tun. Tatsächlich verhandeln die Mitgliedsländer turnusmäßig seit Monaten über Einsparungen im regulären Zweijahresetat der UN. Der war schon 2016/2017 im Vergleich zum Vorjahr um 400 Millionen Dollar auf 5,4 Milliarden Dollar gestutzt worden. Ein Fünftel davon müssen die USA beisteuern. Nun werden zur Effizienzsteigerung weitere 285 Millionen Dollar gestrichen. Über die Kürzungen kann man streiten. Aber eine eindrucksvolle Strafaktion der USA sind sie sicher nicht.

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