Donald Trump sagt, es sei eine „große Ehre“ für ihn gewesen, den Angriffsbefehl auf den Iran zu geben. Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Wie die US-Regierung über den Iran-Krieg spricht, ist brutal und menschenverachtend, kommentiert Rainer Pörtner.

Dan Caine ist militärisch verantwortlich für den Krieg gegen den Iran. Als der Generalstabschef der Vereinigten Staaten von Amerika vor wenigen Tagen gefragt wurde, wie er die Fähigkeiten der iranischen Soldaten einschätze, antwortete er: „Ich denke, sie kämpfen, und das respektiere ich.“

 

Der nüchterne Tonfall des Viersternegenerals setzte einen auffälligen Kontrapunkt zur Sprache der amerikanischen Regierung. Donald Trump und andere politisch Verantwortliche in Washington reden über Krieg und militärische Gewalt wie keine Regierung einer westlichen Demokratie bisher.

Witze über die Opfer des Krieges

Der US-Präsident und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth machen Witze über die Opfer des Krieges, ihre Propaganda kopiert auf grässliche Weise die Bildsprache von Hollywood. Ihre Sprache ist zynisch, brutal, menschenverachtend.

Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Presseauftritt im Pentagon. Foto: AFP/Mandel Ngan

Trump findet sich vermutlich großartig, wenn er darüber fabuliert, er könne die iranische Öl-Insel Kharg „nur so zum Spaß“ bombardieren lassen. Das Versenken von iranischen Schiffen, so kolportierte er, mache den US-Soldaten „mehr Freude“, als wenn sie diese stoppen und entern müssten.

Dass er den Angriffsbefehl geben konnte, bezeichnete er als „great honor“ – so wie er ansonsten von einer „großen Ehre“ spricht, wenn er einen Schauspieler im Oval Office begrüßt oder von einer Sportlerin deren Goldmedaille geschenkt bekommt.

Diese Sprache verharmlost und trivialisiert einen Krieg mit Toten und Verletzten, mit Leid und Elend. Schlimmer noch als Trumps Rhetorik ist die von Hegseth, dem selbst ernannten „Kriegsminister“. Er verschiebt die Grenzen des Sagbaren, mit seiner Sprache enthemmt und radikalisiert er die amerikanischen Soldaten.

PR-Videos wie Hollywood-Filme

„Das hier sollte nie ein fairer Kampf sein und ist es auch nicht. Wir prügeln auf sie ein, während sie am Boden liegen, genau so sollte es sein“ – so spricht Hegseth über den Einsatz im Iran.

Der Minister, der sich seit Amtsantritt über „dumme Einsatzregeln“ für die Soldaten mokiert, lockert mit seinen Worten die rechtlichen Fesseln, die amerikanische Truppen bisher an das Kriegsvölkerrecht binden. Unverhohlen signalisiert er den Militärs im Einsatz, dass er bei Kriegsverbrechen mehr als ein Auge zudrücken will.

Als klar wurde, dass seine Soldaten irrtümlich eine Schule im Iran mit Marschflugkörpern angegriffen und mehr als 180 Menschen getötet hatten, vornehmlich Kinder, fand Hegseth kein Wort des Bedauerns, kein Wort des Mitgefühls.

Die US-Marine versenkte vor der Küste von Sri Lanka, fernab vom Kriegsschauplatz, eine iranische Fregatte mit mehreren hundert Soldaten an Bord. Hegseth sprach höhnisch von einem „stillen Tod“ der Iraner und verbreitete Videobilder, wie ein US-Torpedo das Schiff trifft – gerade so, als handle es sich um einen Actionfilm.

Mehrfach veröffentlichte die US-Regierung PR-Videos, in denen reale Kriegsszenen mit Bildern aus dem Videospiel „Call of Duty“ oder den Hollywood-Blockbustern „Top Gun“ und „Gladiator“ vermengt wurden.

Historiker-Lob für die Heuchler

Die Sprache der Mächtigen im Krieg soll immer Gewalt legitimieren und deren Grausamkeit verschleiern. Lüge und Heuchelei sind dann allgegenwärtig. Einige in den Vereinigten Staaten begrüßen die Brutalo-Rhetorik der Trump-Administration nun als neue „Ehrlichkeit“.

Der australische Historiker Christopher Clark hat diesen Stimmen entgegengehalten, dass er dann doch die Heuchelei bevorzuge. Denn der Heuchler sehe sich zumindest noch einem Werte-Kodex verpflichtet, auch wenn er ihm nicht immer gerecht werde. Die jetzige US-Regierung aber operiere von vornherein ohne Werte und Normen.