Eigentlich will die Stadt Ludwigsburg gerade Aufgaben abgeben. Damit das Marktplatzfest weiter stattfinden kann, springt sie nun aber doch ein. Wie passt das zusammen?
Wirklich schwer war die Entscheidung für Mario Kreh nicht. „Ich komme aus Ludwigsburg, habe hier mein Abi gemacht“, sagt der Geschäftsführer der städtischen Tochter Tourismus und Events Ludwigsburg (Telb). „Die Leute von früher trifft man jedes Jahr am letzten Samstag im Juni auf dem Marktplatzfest.“ Aus Kostengründen steht das Fest jedoch vor dem Aus. Nun will die Stadt einspringen – und auf Kreh kommt zusätzliche Arbeit zu.
Organisiert haben das Marktplatzfest bislang die Stadtverbände für Sport und Musik, die Stadt unterstützte seit 2017 mit 55.000 Euro. Das reiche laut einer Stellungnahme der Verbände aber nicht mehr aus, weil gerade bei den Sicherheitsvorkehrungen die Kosten weiter steigen. Ein Teil davon konnte über Sponsoringeinnahmen gedeckt werden. Was übrig bleibt – 2024 rund 7500 Euro – müssen die Verbände selbst bezahlen.
Städtischer Zuschuss steigt
Um so etwas in Zukunft zu verhindern und die Verbände zu entlasten, soll nun Telb die Federführung übernehmen. Geplant ist, einen neuen Verein zu gründen, dem Telb-Geschäftsführer Kreh vorsteht. Die Stadtverbände sollen weiterhin beteiligt bleiben, der städtische Zuschuss auf 60.000 Euro steigen. „Es klingt erst einmal komisch, dass die Stadt überall spart, aber beim Marktplatzfest zusätzliche Aufgaben übernimmt, die auch noch mehr Geld kosten“, ist sich Kreh bewusst.
Er sieht das Ganze aber von einer anderen Seite: Wenn es kein Marktplatzfest mehr gäbe, würden den bislang vertretenen Vereinen Einnahmen im Bereich von 3000 bis 5000 Euro verloren gehen. „Das Geld müsste die Stadt dann ja auch wieder zuschießen, wenn sie keine wichtigen Angebote verlieren will“, sagt Kreh. Zudem habe die Stadt die Möglichkeit, andere Vereine stärker einzubinden. Er denke da etwa an die migrantischen Vereine oder den Verein Tragwerk, sagt der Telb-Geschäftsführer.
Trotzdem, auf Sponsoren wird das Marktplatzfest weiter angewiesen sein. Sie anzulocken wäre eine der Hauptaufgaben des neuen Vereins. Bis Mitte März soll der neue Verein seinen Finanzierungsplan vorlegen. Dann entscheidet der Wirtschauftsausschuss des Gemeinderats, ob das Marktplatzfest stattfinden kann.