Abgewunken: Der VfB Stuttgart II konnte am Samstag im Gazi-Stadion nicht spielen. Foto: Baumann

Kuriosum im Gazi-Stadion: Zwar hat der Platz eine teure Rasenheizung, doch die blieb am Samstag kalt, so dass die Partie des VfB II in der Regionalliga gegen Kassel abgesagt worden ist. Eine Fehleinschätzung des Sportamts.

Stuttgart - Am Samstagmorgen um sieben war die Welt noch in Ordnung. Auch für die Mannschaft von Hessen Kassel, die sicherheitshalber schon am Vortag nach Stuttgart zur Partie in der Fußball-Regionalliga angereist war. In Kleinbussen, um Geld zu sparen. Schließlich braucht der Verein jeden Cent, weil er aktuell in einem Insolvenzverfahren steckt. Das brachte ihm als Strafe neun Punkte Abzug ein.

Am Samstag kamen zumindest sportlich keine weiteren dazu. Das war aber schon die einzige gute Nachricht aus Sicht der Hessen. Denn um die Mittagszeit herum konnten sie unverrichteter Dinge die Heimfahrt antreten, weil der Schiedsrichter die Partie abgesagt hatte. Was angesichts der Platzverhältnisse im Gazi-Stadion mit einem gefrorenen Untergrund nachvollziehbar war. Und nach menschlichem Ermessen auch absehbar. Deshalb hatte der VfB bereits rechtzeitig auf die Inbetriebnahme der Rasenheizung hingewiesen. Doch das zuständige Sportamt ignorierte das Anliegen, offensichtlich weil die Verantwortlichen vor Ort davon ausgingen, dass die Partie auch so stattfinden könne.

Um Geld zu sparen? „Daran kann es nicht liegen“, betont Pressesprecher Jens Marschall, der für die zweite Mannschaft des VfB zuständig ist, „die Kosten hätten wir übernommen.“ Die liegen in so einem Fall, je nach Dauer der Nutzung, im Bereich von 2000 bis 2500 Euro. Nicht ganz wenig, aber auch keine Unsumme, zumindest nicht für einen Bundesligisten. Wie das bei dem Lokalrivalen Stuttgarter Kickers aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Der soll am Samstag (14 Uhr) auf der Waldau gegen Stadtallendorf spielen und hofft einstweilen auf eine Wetterbesserung, um Kosten zu sparen. Schließlich brauchen die Blauen jeden Cent – genau wie Kassel.

Kassels Trainer ist stinksauer

„Wir sind ja nicht auf Rosen gebettet“, sagt der Vorsitzende Jens Rose und verwies auf die zusätzlichen Kosten von 3000 bis 4000 Euro am Wochenende. Regressforderungen fasst er aber mangels Aussicht auf Erfolg aber nicht ins Auge. Trainer Tobias Cramer war „stinksauer“ ob der dubiosen Umstände. Genau wie die angereisten Fans aus Kassel. Die konnten bis zu 100 Euro für ihre Zugfahrt in den Wind schreiben und die freie Zeit auf dem Weihnachtsmarkt zum Beispiel in Esslingen verbringen. Dort wurden dann auch noch ein paar Rote serviert, nicht VfB-Spieler, sondern vom Grill.

Wann die Partie nachgeholt wird, ist offen. Als offizieller Termin ist noch der 16. Dezember im Spielplan verankert. Das hängt aber auch vom Wetter ab – denn auf die Rasenheizung allein wird sich Kassel sicher nicht noch einmal verlassen wollen.

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