Zurück aus Frankreich: Leah Kedziora freut sich auf Weihnachten daheim. Foto:  

Trotz Corona verbringt Leah Kedziora ein Jahr in Frankreich. Die Entscheidung bereut die junge Stuttgarterin nicht.

Stuttgart-Nord - Ob sie Weihnachten zu Hause feiern kann, war lange ungewiss. Geklärt war nichts: Nicht, ob sie einen Corona-Test machen und anschließend in Quarantäne muss. Und wenn ja, nicht ob in Frankreich oder erst in Deutschland? Und wenn sie zurück in die Bretagne fährt, sind dann nochmals Test und Quarantäne notwendig? Doch dann hat alles geklappt: Seit dem Wochenende ist Leah Kedziora in Stuttgart und kann mit ihren Eltern Weihnachten feiern. „In Quarantäne musste ich nicht, und auch den Schnelltest hätte ich nicht unbedingt gebraucht, hab ihn aber sicherheitshalber machen lassen“, sagt die 19-Jährige.

„Man kann das Leben ja nicht anhalten“

Leah Kedziora hat sich nach ihrem Abitur entschlossen, im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps ein knappes Jahr ins Ausland zu gehen: trotz der Corona-Pandemie. „Man kann das Leben ja nicht anhalten. Und anstecken kann ich mich überall – hier und in der Bretagne. Dort vielleicht sogar weniger, denn Loudéac, wo ich wohne und arbeite, ist ein kleines Dorf.“ Das Jahr in Frankreich: Für Leah eine echte Alternative zu ihren ursprünglichen Plänen, die ihr das Virus durchkreuzt hat. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur arbeiten, hat auch in einer Arztpraxis bereits angefangen. Mit dem Geld wollte sie ein Jahr auf Weltreise gehen. „Australien, Neuseeland, Indien hätte ich gern bereist. Dann kam Corona.“ Leah hat überlegt, ob sie doch gleich ihr Politikstudium beginnen soll. Die Idee war schnell wieder vom Tisch: „Ein Online-Studium ohne persönlichen Kontakt zu anderen Studierenden und den Dozenten? Das wollte ich dann auch nicht“, sagt die junge Frau und stieß bei der Suche nach Alternativen auf die Internetseite des Europäischen Solidaritätskorps. „Anfangs wäre ich lieber nach England, weil mein Englisch besser ist als mein Französisch. Das hab ich nach drei Jahren in der Schule abgewählt und gut war ich auch nicht. Nach Belgien wäre ich auch sehr gern. Aber da gab es keine freien Plätze mehr“, erinnert sich Leah an die Bewerbungsphase. Nur für Loudéac in Frankreich wurden noch Leute gesucht.

Seit Oktober ist Leah in dem kleinen französischen Dorf, gibt jungen Leuten zwischen 14 und 21 Seminare, in denen sie viel über Deutschland, aber auch über andere Länder erfahren – auf Französisch. „Das geht mittlerweile schon ganz ordentlich. Vor kurzem ging es um Weihnachtsbräuche in Deutschland und die Unterschiede zu Frankreich“, sagt Leah und hat mit ihrer Gruppe auch Plätzchen gebacken: Nussecken und Vanillekipferl. „Nicht alles hat geklappt. Aber die wissen ja nicht, wie das eigentlich schmecken muss“, sagt sie.

Kaum in Frankreich angekommen, kam auch dort der harte Lockdown. Leah: „Staatspräsident Emmanuel Macron verkündete die Maßnahmen im Fernsehen. Das sind andere Auftritte, als wenn Kanzlerin Merkel vor die Kameras tritt. Viel staatstragender“, stellt Leah Kedziora fest. Ihr Eindruck: Die Franzosen akzeptieren die Maßnahmen eher als ihre deutschen Nachbarn. Und die Auswirkungen auf sie selbst? „In Bars oder Clubs gehen, das fällt natürlich flach. Auch Ausflüge in die Region gibt’s kaum. Aber am Meer war ich schon. Das war sehr schön“, sagt sie. Dadurch, dass auch sie in dem Internat wohnt, in dem ihre Schüler und Studenten leben, und sich dort eine Wohnung mit einer Spanierin und einem Italiener teilt, hat sie genügend Kontakte zu Gleichaltrigen. „Online-Unterricht machen wir nicht. Aber in den Seminaren geht es halt auch nicht ohne Maske“, sagt Leah.

Online tauscht sie sich mit anderen jungen Europäern aus, die wie sie einige Monate in Frankreich verbringen und mit den Betreuern. „Die sind für uns da, wenn es Probleme gibt oder jemand nicht gut drauf ist.“

Sie selbst ist gut drauf, hat den Entschluss, nach Frankreich zu gehen, nicht bereut. „Mein Französisch hat sich verbessert, und es macht mehr Spaß als zu Hause rumzuhocken“, ist Leah überzeugt. Und mittlerweile ist sie und mehr noch ihre Eltern froh, dass ihre Bewerbung für England nicht geklappt hat. „Dann würde es ein Weihnachten mit der Familie vielleicht nicht gegeben. Zurück in ihr kleines französisches Dorf geht es bereits am 2. Januar – ob mit Test und Quarantäne? Das ist noch ungewiss.

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