Marco Grünke und Verena Diete im Garten des Waldorfkindergartens, in dem Container aufgestellt werden sollen. Foto: Caroline Holowiecki

Der Waldorfkindergarten Sillenbuch muss saniert werden und sucht seit längerer Zeit nach einem Ausweichquartier. Nun sollen Container aufgestellt werden – doch die Baugenehmigung fehlt.

Die Holzstühlchen sind auf die Tische gestellt, das Spielzeug ist in Kisten verstaut. Noch herrscht Sommerpause im Waldorfkindergarten Sillenbuch. Wo sonst nahezu 100 Kinder toben, ist es gespenstisch ruhig. Die Stille ist sinnbildlich für das, was gerade im Gebäude am Himbeerweg passiert, nämlich: nichts. Dem Baurecht sei Dank. „Das macht mürbe“, sagt Verena Diete aus der Einrichtungsleitung.

 

Das 70er-Jahre-Gebäude ist veraltet. Es ist weder barrierefrei noch in Sachen Brandschutz auf der Höhe der Zeit, außerdem fehlt Platz. Das Dach ist undicht, die Ölheizung laut Diete „auch auf dem letzten Dampfer“. Das Haus muss dringend saniert und aufgestockt werden. Ein Architekturbüro hat längst alles durchgeplant.

Sanierung des Stuttgarter Kindergartens dauert 18 Monate

Knackpunkt: Im laufenden Betrieb ist das nicht zu bewerkstelligen. Kinder und Personal müssen während der etwa 18-monatigen Bauphase raus. Bei der Suche nach einem Zwischenquartier steckt das Team aber fest. Der Hilferuf des Kindergarten-Fördervereins im Bezirksbeirat vor mehr als einem Jahr habe ebenso wenig bewirkt wie Gespräche mit der Stadt und die eigene Suche.

Verena Diete und Marco Grünke, der frühere Vorsitzende des Fördervereins, stehen am höchsten Punkt des stark abschüssigen Gartens des Kindergartens. Ein bunter Spielturm aus Holz und ein Klettergerüst stehen hier neben Obstbäumen. Das alles muss weg. Hier sollen nun Interimscontainer aufgebaut werden – notgedrungen. „Das ist nicht die optimalste Lösung“, sagt er, sämtliche Alternativstandorte habe die Stadt aber abgelehnt.

Die Baugenehmigung lässt jedoch auf sich warten. Vor mehr als einem halben Jahr sei der Antrag gestellt worden, und solange die Baugenehmigung für die Container nicht da sei, gehe es im Haupthaus nicht weiter. Aus dem Rathaus heißt es, die Branddirektion prüfe aktuell, ob die Container alle Brandschutzanforderungen erfüllten. „Dies war bei einer ersten Prüfung nicht der Fall“, teilt der Sprecher Sven Matis mit.

Kosten für Kindergarten in Stuttgart steigen immer weiter

Im Stuttgarter Rathaus wird über den Bauantrag der Kita entschieden. Foto: IMAGO/Westend61

Derweil steigen für den Kindergarten die Kosten – in Summe sind es über sieben Millionen Euro. Der Interim im Kita-Garten werde um 500 000 Euro teurer, weil das steile Gelände zunächst richtig gegründet und nach der Standzeit zurückgebaut werden müsse. „Das ist verschenktes Geld im Erdboden“, sagt Marco Grünke. „Bloß weil die Stadt uns keine andere Fläche geben will für anderthalb Jahre“, sagt Verena Diete.

Immerhin: Städtische Zuschüsse über rund 4,6 Millionen Euro gehen entgegen bisheriger Annahmen offenbar nicht Ende 2025 verloren. „Diese Mittel können grundsätzlich in nachfolgende Haushaltsjahre übertragen werden, falls Verzögerungen im Bauablauf eintreten und der Kita-Träger eine Übertragung beantragt“, teilt Sven Matis mit.

In Stuttgart fehlen 2000 Kitaplätze für Kinder bis sechs

Ende August fehlten stadtweit etwa 2000 Kitaplätze für Kinder bis sechs. Der Waldorfkindergarten wiederum bot bisher nahezu 100 Plätze für Kinder ab einem Jahr. Doch das Heckmeck hinterlasse Spuren. Fürs kommende Kindergartenjahr habe man die Aufnahme gedrosselt, weil in die nun angedachten Container weniger Kinder passten. Ein potenzieller Azubi habe abgesagt. Alle seien verunsichert. Marco Grünke: „Hier wird ein gut funktionierender Kindergarten beschädigt.“

Der Stadtsprecher Sven Matis indes betont: Bauanträge von Kitas würden von den städtischen Ämtern aufgrund des öffentlichen Interesses vordringlich bearbeitet. „Auch und gerade für Kindertagesstätten ist aber auch die Sicherstellung der notwendigen Brandschutzanforderungen wichtig, die sich bei interimistischen Containerbauten oftmals als problematisch zeigen.“ Das Baurechtsamt habe die Baugenehmigung für den Interim bereits vorbereitet, so dass diese nach Klärung der brandschutztechnischen Fragen rasch herausgegeben werden könne.