Die Pflegeheime in Baden-Württemberg sind nach Angaben des Sozialministeriums durchgeimpft – Coronafälle treten jetzt dennoch wieder verstärkt auf. Foto: dpa/Markus Schreiber

In einem Pflegeheim in Stuttgart-Vaihingen sind inzwischen elf geimpfte Bewohner positiv. Doch jetzt zeigt sich: Das ist kein Einzelfall. Das Coronavirus greift auch in anderen Einrichtungen um sich. Manche Betroffene zeigen keine Symptome, andere schon – und es gibt einen Todesfall. Der ist allerdings speziell.

Stuttgart - Die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeheime in Baden-Württemberg sind nach Angaben eines Sprechers des Sozialministeriums durchgeimpft. Mobile Impfteams waren dort in den vergangenen Monaten vor Ort. In Stuttgart ist die Aktion seit Mitte März beendet. Doch vor neuerlichen Infektionswellen schützt das offenbar nicht. Nach der Berichterstattung unserer Zeitung über einen Coronaausbruch in einem Pflegeheim in Stuttgart-Vaihingen zeigt sich jetzt das derzeitige Ausmaß der Infektionen. Denn es handelt sich um keinen Einzelfall.

Allein in Stuttgart gibt es derzeit zwölf weitere Coronaausbrüche in Pflegeheimen und Generationenzentren. „Bisher sind dort 41 Menschen positiv getestet worden“, sagt Rathaussprecher Sven Matis. Nach Angaben des Gesundheitsamts handele es sich um 28 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 13 Beschäftigte. Zumindest bei den Bewohnern sei klar, dass ausnahmslos alle Betroffenen doppelt geimpft seien. Bei den Mitarbeitern könne man dies derzeit nicht genau sagen.

„Die meisten Infizierten zeigen keine oder nur schwache Symptome“, sagt Matis. Einer der Betroffenen sei jedoch „im Rahmen einer Infektion“ verstorben. Diesen Fall müsse man allerdings relativieren: Offenbar war der Gesundheitszustand des Bewohners oder der Bewohnerin bereits vorher kritisch. Man könne daraus deshalb kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko durch die Infektionen ableiten, heißt es beim Gesundheitsamt.

Impfung schützt vor schwerem Verlauf

In zwei der betroffenen Häuser ist die Lage offenbar besonders auffällig. Im Vaihinger Filderhof gibt es jetzt nach anfangs nur drei positiven Befunden inzwischen zwölf Infizierte – elf Seniorinnen und Senioren sowie eine Person aus dem Mitarbeiterkreis. In einer weiteren, namentlich nicht genannten Stuttgarter Einrichtung gibt es derzeit zehn Fälle, acht davon sind Mitarbeiter. Im Filderhof sind die Betroffenen isoliert, bisher musste niemand ins Krankenhaus. Wie das Virus ins Haus gelangt ist, steht nach wie vor nicht fest, denn es gelten strenge Test- und Hygieneauflagen.

Beim Gesundheitsamt betont man, dass die Impfung sehr sinnvoll sei. Die Fälle zeigten, dass man sich zwar trotzdem mit dem Virus infizieren könne, die Impfung schütze aber „zuverlässig vor einer schweren Erkrankung“. Sorgen macht man sich allerdings in einem anderen Punkt: Bisher galt es in Expertenkreisen als unwahrscheinlich, dass Geimpfte, die sich infizieren, das Virus in großem Stil weitergeben können. Die zahlreichen Fälle in Stuttgarter Einrichtungen könnten daran Zweifel wecken.

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