Unternehmenslogo der EnBW: Der Konzern macht wieder Gewinn. Foto: dpa

Deutschlands drittgrößten Energie­versorger EnBW trifft es nicht so hart wie Eon und RWE. Warum die Lage aber dennoch weiterhin angespannt, zeigt unsere Übersicht.

Die Ziele

Die EnBW ist der traditionell kernkraftlastigste deutsche Versorger. Gut 50 Prozent trugen die Kernmeiler einst zum Geschäft bei. Dazu kamen Steinkohlekraftwerke und – in geringem Umfang – Beteiligungen an Braunkohleanlagen. All das soll sich in Zukunft ändern. Der Gewinn soll künftig hauptsächlich durch Öko-Energien, das Netzgeschäft und den Vertrieb hereinkommen. In seinem Zukunftsszenario „EnBW 2020“ geht der Konzern von einem im Vergleich zu 2012 um 80 Prozent gesunkenen Kraftwerksgewinn aus.

Steuerten die Großmeiler 2012 noch die Hälfte zum Gewinn bei, sollen es 2020 nur noch 13 Prozent sein. An die Stelle der Meiler sollen Windräder, Solarpaneele und Wasserkraft treten. Um 250 Prozent will der Konzern das Öko-Energie-Geschäft nach oben schrauben. 700 Millionen Euro sollen dann jährlich mit erneuerbaren Energien verdient werden. Im Geschäftsjahr 2015 machte die EnBW unter dem Strich einen Gewinn von fast 125 Millionen Euro. Allerdings auch, weil man Wertpapiere in Höhe von rund 630 Millionen Euro verkauft hat. Der Wert geht weit über das übliche Maß hinaus und wurde von EnBW-Finanzchef Thomas Kusterer mit steuerlichen Überlegungen begründet.

Die Netze

Als letzter großer deutscher Energieversorger ist die EnBW noch von der Stromerzeugung in Kraftwerken bis zur Belieferung des Endkunden an der Steckdose aktiv. Während die Konkurrenz in der Vergangenheit das Netzgeschäft veräußerte, behielt die EnBW es – eine Entscheidung, die heute positiv wirkt. Der Grund: Genauso wie der Bereich der erneuerbaren Energien sind auch die Netze Teil des sogenannten regulierten Geschäfts. Das heißt: Die zu erzielenden Renditen sind im Grunde staatlich bestimmt. Beispielsweise können bestimmte Investitionen, etwa in Speicher oder Umspannwerke, auf die Netzentgelte im Strompreis umgelegt werden.

Gleichzeitig gewährt der Staat eine Verzinsung auf das eingesetzte Kapital. Dieses Modell führt zu kalkulierbaren Erträgen. Besonders in Zeiten, in denen die Strompreise an Börsen stark unter Druck sind, ist das ein wichtiger Pluspunkt. Den Ergebnisanteil des Netzgeschäfts will die EnBW daher auch konsequent ausbauen. 2020 sollen 42 Prozent der Gewinne nur aus diesem Bereich stammen. 730 Millionen Euro hat der Konzern allein 2015 in den Netzausbau gesteckt. Die Übernahme des ostdeutschen Gasversorgers VNG stärke den Bereich zudem, sagte Konzern-Chef Frank Mastiaux am Montag.

Die Ökoenergie

Einer der größten Rückschlage des Jahres 2015 für die EnBW war, beim Rennen um den Windkraftpionier Prokon leer auszugehen. Den Zuschlag erhielt eine Genossenschaft und nicht die EnBW. Dennoch machten die Karlsruher bei der Windkraft einen Schritt nach vorne. Mit Baltic 2 ging der zweite große Meeres-Windpark der EnBW ans Netz. Zusammen mit neuen Anlagen im Binnenland sei die Leistung des EnBW-Windkraftparks so um 500 Megawatt angestiegen, sagte Mastiaux. Das entspricht in etwa der Leistung eines kleineren fossilen Kraftwerks.

Zusammen mit der Wasserkraft und neuen Solarparks kamen nach Angaben Mastiaux’ Ende 2015 fast 24 Prozent der „installierten Erzeugungsleistung“ aus Erneuerbare-Energien-Anlagen. Weil die Ökokraftwerke allerdings nur laufen, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, ist der Öko-Anteil an der tatsächlichen Stromerzeugung geringer. Er liegt aktuell bei knapp 14 Prozent. Perspektivisch plant man, Windräder mit einer Leistung von 2700 Megawatt zu errichten.

Die Kraftwerke

Bundesweit versuchen Energieversorger derzeit, unrentabel gewordene Großkraftwerke abzuschalten. Weit über 50 Anträge zur Abschaltung liegen bei der Bonner Bundesnetzagentur vor. Diese genehmigt die Anträge aber nur, wenn die Versorgungssicherheit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Südlich der Mainlinie – also im EnBW-Stammgebiet – herrscht Kraftwerksknappheit. Kein Meiler durfte hier bislang vom Netz. Die Anlagen müssen stattdessen gegen eine Art Aufwandsentschädigung aus Gründen der Systemsicherheit weiter in Reserve gehalten werden. Versorger wie die EnBW kostet das jedes Jahr Millionen.

Mit dem, was man für den Weiterbetrieb bekomme, sei man „nicht zufrieden", sagte Finanzvorstand Kusterer. Man denke darüber nach, weitere „hochgradig unwirtschaftliche Anlagen“ zur Stilllegung anzumelden. Generell sinkt die Rentabilität der Anlagen rapide, weil die Strompreise im Großhandel mit rund gut zwei Cent je Kilowattstunde auf historisch niedrigem Niveau sind. Die Niedrig-Preise beeinflussen auch den Wert der Anlagen. 2015 musste die EnBW den Wert ihrer Meiler um rund eine Milliarde Euro nach unten korrigieren. Darin enthalten sind aufgrund der Niedrigpreise unrentabel gewordene Stromlieferverträge.

Die Aktionäre

Früher erhielten Aktionäre von Energieversorgern hohe Dividendenzahlungen. Seit Fukushima ist es damit vorbei. Die Auszahlungen sinken generell, und RWE hat die Dividende zuletzt sogar ganz gestrichen. Nach 69 Cent je Aktie für das Jahr 2014 gibt es bei der EnBW – vorbehaltlich der Zustimmung in der Hauptversammlung – für 2015 nur noch 55 Cent. Besonders den Hauptaktionären, dem Zweckverband OEW und dem Land Baden-Württemberg, dürfte das wehtun. 2010 war der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus auf Pump für knapp fünf Milliarden Euro bei EnBW eingestiegen. Ziel war es, die Kreditkosten durch die Dividenden zu decken – ein Ziel, von dem man heute weiter entfernt ist denn je. Die EnBW ist für das Land derzeit also zum Drauflegergeschäft geworden.

Die Mitarbeiter

Mehrfach hat EnBW-Chef Mastiaux am Montag die Moral und Leistungsfähigkeit der EnBW-Belegschaft gelobt. Dennoch: Auf die aktuell gut 20 000 EnBW-Beschäftigten kommen weitere Härten zu. Am Montag kündigte die EnBW an, ihr laufendes Kostensenkungsprogramm aufzustocken. Von den Maßnahmen, deren Umfang in den kommenden Monaten präzisiert werden soll, sei „mit Sicherheit auch das Personal betroffen“, sagte Finanz-Chef Kusterer. In welcher Größenordnung, sei derzeit unklar.

Seit 2012 drückt der Versorger auf die Kostenbremse. Mit mehreren konzernweiten Programmen ist es bislang gelungen, jedes Jahr rund eine Milliarde Euro einzusparen. 1350 Mitarbeiter mussten im Zuge der Vereinbarungen gehen, viele weitere an eine andere Arbeitsstelle wechseln. Allerdings wurden auch neue Mitarbeiter eingestellt. Insbesondere im Netzgeschäft und bei erneuerbaren Energien, aber auch in Bereichen wie dem ­Vertrieb. Außerdem wurde die Zahl der Konzerngesellschaften gesenkt, was auch dazu geführt hat, dass Manager ihren Posten verloren haben. Die Arbeitnehmerseite hat die Veränderungen bisher mitgetragen.

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