Der Preis von Schoko-Osterhasen ist nach einem Preisvergleich der Verbraucherzentrale teilweise um bis zu 29 Prozent angestiegen. Gleichzeitig kommt es zur Rabattschlacht.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einen Preisvergleich mit den bekanntesten Schoko-Osterhasen in Supermärkten unternommen und Erstaunliches herausgefunden: Die Hasen von Lindt, Milka und Kinder (Ferrero) stehen dieses Jahr zwischen 7 und 29 Prozent teurer im Regal als noch 2025. Im Vergleich zu 2020 stiegen die Preise bis zum Doppelten, zum Beispiel 1,99 Euro anstatt 99 Cent für ein 45-Gramm-Häschen von Milka.
Für Schoko-Liebhaber ist das auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Meldungen über sinkende Kakaopreise seit Weihnachten 2024 fast überschlagen haben. Kostete der Rohkakao damals infolge von Missernten in Westafrika auf dem Weltmarkt noch rund 12.000 Euro pro Tonne, sind es heute nach Darstellung der Verbraucherzentrale gerade mal noch rund 2800 Euro.
Steigende Energiekosten könnten auch Nikoläuse teurer machen
Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie in Bonn ordnet die beiden widerstrebenden Entwicklungen ein: „Dass sinkende Kakaopreise nicht automatisch sinkende Schokoladenpreise bedeuten, liegt daran, dass Hersteller von Schokolade und anderen Süßwaren in der Regel mit langfristigen Lieferverträgen arbeiten.“ Auch wenn die Preise für Kakao an der Börse zuletzt gefallen seien, zahlten viele Unternehmen weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden.
Zudem sei der Kakao nur einer von vielen Kostenblöcken. Deren größte seien aktuell Personal und Energie, weshalb man wohl auch nicht davon ausgehen kann, dass sich die Kakaopreise auf die 2026er-Nikoläuse günstiger auswirken. „Gerade mit Blick auf die aktuell auch für Unternehmen stark steigenden Energiepreise wird die weitere Entwicklung im Nahen Osten entscheidend sein“, wirft Solveig Schneider einen Blick in die Zukunft.
Angaben zur Preisgestaltung für die Verbraucherinnen und Verbraucher machen die Hersteller generell nicht, schon „aus kartellrechtlichen Gründen“, wie es oft heißt. Eine Analyse liefert Lebensmittel-Experte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg: „Die Strategie ist, starke Marken mit hohen Regalpreisen zu haben, die bleiben, und dann Sonderaktionen zu machen , um die Leute in den Laden zu locken.“
Rabatt-Schokohasen auf den Prospekten
Das zeigt sich bei einer Stichprobe unserer Zeitung. Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Edeka, alle preisen auf den Aufschlagseiten der Prospekte dieser oder kommender Woche besonders günstige Schokohasen an. Da kostet das 45-Gramm-Exemplar von Milka plötzlich sogar 88 Cent und damit weniger als vor sieben Jahren. „Die Kaufzurückhaltung ist bei den Kunden ja schon da“, sagt Lebensmittel-Experte Valet, „die Menge verkaufter Schokolade stagniert bereits, die Umsätze steigen nur über die Preise.“ Oder eben nicht, wenn Produkte wie Schokohasen, die viele eben ihren Kindern und Enkeln glauben schenken zu müssen, in die Rabattschlacht geschickt werden, damit der ganze Ostereinkauf vor Ort gemacht wird.
Verbraucherschützer Valet glaubt, dass manche Preise schon heute „zu hoch angesetzt“ sind und dass die Spirale nicht ewig weiter gedreht werden wird. Eher werden die Unternehmen an günstigeren Alternativen zu Kakao und anderen Zutaten arbeiten, ohne den Geschmack zu verändern.
Unmut über Preise in den sozialen Medien
Den Lebensmittel-Experten bestätigt, dass die aktuellen Preise in den sozialen Medien Unmut auslösen. Besonders an den Produkten der Marke Lindt entzündet sich dort die Kritik. Grundsätzlich gelten die Goldhasen des Schweizer Herstellers als Osterklassiker. Und zwar nicht nur gefühlt: Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov von 2024 zufolge ist der Lindt-Goldhase der beliebteste Schokohase der Deutschen.
Den aktuellen Standardpreis von 4,99 Euro für einen 100-Gramm-Hasen von Lindt bezeichnet ein Nutzer auf Tiktok jedoch als „Frechheit“. In einem einminütigen Video kommentiert er: „Das ist richtig Wucher.“
@thehandyman81 Lindt Schokolade Osterhasen müssen wohl bei diesem Preis schon eine Delikatesse sein... #lindt #schokolade #osterhase #haushalt #tippsundtricks ♬ Originalton - the_handyman81
Einen anderen Nutzer auf der Plattform X verleitet der Preis zu einem Vergleich. In seinem Post zeigt er ein Bild von einem 50-Gramm-Hasen von Lindt zum Stückpreis von 3,29 Euro. Der entsprechende Kilopreis von 65,80 Euro sei höher als der übliche Kilopreis für Rindfleisch beim Metzger, schreibt der Nutzer. „Der Schokohase ist also teurer als nen leckeres Filet“, heißt es in dem Post.
Den Vergleich greift ein weiterer X-Post ironisch auf. „Und es sind nicht mal Freilandhäschen“, lautet der Kommentar. Immerhin gibt es auch die Goldhasen in der Rabattschlacht günstiger: den 50-Gramm-Goldhasen seit diesem Donnerstag bei Kaufland für 1,29 Euro, den 100-Gramm-Hasen schon die Woche über bei Edeka und Netto für 2,99 Euro.
Allerdings bleibt der Ärger nicht auf Lindt-Produkte beschränkt. Auf Tiktok zeigt eine Nutzerin in einem Video die Preisschilder für Schokohasen der Marke Milka in einem Supermarkt: 1,11 Euro für 45 Gramm, 3,29 Euro für 90 Gramm. Zweiteres sei ihr zu teuer, schreibt die Nutzerin dazu.
@2018anja #ostern #ostern2026 #schokohase #schokoosterhase #schokolade ♬ Originalton - Anja
Zum kleineren der beiden Hasen greife sie trotzdem, fügt sie hinzu. Das ist allerdings auch eines der Rabatt-Exemplare, die offiziell 1,99 Euro kosten. Komplett verzichten wolle sie auf Schokohasen als Ostergeschenk eben doch nicht. Ein Dilemma, mit dem die Nutzerin derzeit nicht allein sein dürfte. Um es zu lösen, lohnt der Vergleich. Oder der Griff zu Handelsmarken bei Discountern und Supermärkten. Hier wurden die Preise nach der Auswertung der Verbraucherzentrale Hamburg in diesem Jahr nicht erhöht.