Trotz diffiziler Finanzlage hält die Stadt Fellbach an der Umgestaltung nördlich des Rathauses samt Verlagerung der Stadtbahn-Endhaltestelle fest.
Es hätte alles so schön sein können: In ein paar Jahren fährt der erste der neuen, doppelt so langen 80-Meter-Züge an der prächtig ausgebauten Stadtbahn-Endhaltestelle Lutherkirche in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) ein, begleitet von einem großen Fest. Wenig später wird die neue Interimssporthalle eingeweiht. Und dann darf auch die Feuerwehr mit beeindruckenden Brandschutzübungen und Wasserfontänen ihr neues, 27 Millionen Euro teures Domizil im Osten der Kernstadt beziehen.
Hätte, wäre, wenn: Denn derartige Großprojekte sind in Fellbach, wie in nahezu allen Städten in der Republik, derzeit angesichts der allgemeinen Finanzmisere kaum zu stemmen.
Sporthalle und Feuerwache liegen auf Eis
Zumindest am auf insgesamt 13 Millionen Euro taxierten Umbau zur Neuen Mitte Fellbach will man unterhalb des Kappelbergs allerdings festhalten. Die anderen beiden Aufgaben, Sporthalle und Feuerwache; bleiben indes weiterhin die nächsten Jahre auf Eis gelegt.
Bei der Neuen Mitte bleibt Fellbach ohnehin auch kaum eine andere Wahl. Denn die Stuttgarter Straßenbahnen will in absehbarer Zeit ihre neuen 80-Meter-Züge auf die Gleise bringen: Auf dem östlichen Ast der Linie 1 sind auf Fellbacher Markung mittlerweile alle Haltestellen auf die entsprechende Länge umgebaut.
Bis eben auf die Lutherkirche. Die neue Haltestelle dort wird um rund hundert Meter nach Westen verlagert, sodass die Stadtbahnen deutlich früher enden als derzeit. Schon im späten Frühjahr hat der Gemeinderat der Fellbacher Beteiligung am Bau einer neuen Weiche im Bereich zwischen den Haltestellen Schwabenlandhalle und Lutherkirche zugestimmt. Nur auf diese Weise könne man auch die erhofften Fördermittel in Anspruch nehmen, hieß es.
Zur Finanzierung wurde dabei „ein sehr weitgehender haushalterischer Eingriff“ nötig, so das Kämmereiamt der Stadt. Durch mittelfristige Einsparungen – etwa im Bereich des allgemeinen Grunderwerbs, beim Straßenneubau und -umbau sowie durch Verschiebung von Bushaltestellen-Neubauten – kommt man mittlerweile zum Ausgleich auf die erhoffte Summe von rund sieben Millionen Euro. So wird die finanzielle Absicherung des Großprojekts gewährleistet, ohne dass zusätzliche, über die bisherige Planung hinausgehende Kreditaufnahmen erforderlich sind.
In seinem Zwischenbericht zur Finanzlage im ersten Halbjahr 2025 erklärte der Erste Bürgermeister Johannes Berner im Übrigen: „Wir sind überwiegend vor unerwarteten Rückschlägen verschont geblieben und weitgehend im Plan.“ Die Haushaltslage bleibe angespannt, die Entwicklung sei im Verhältnis zu den Planansätzen aber stabil.
Aktuell keine großen Sprünge möglich
Allerdings, so die Einschätzung der Finanzabteilung im Rathaus: „Die Steuereinschätzungen bieten keinen Anlass zur Zuversicht.“ Es bleibe weiter bei einem „Sparhaushalt, der keine großen Sprünge zulässt“. Man müsse auch künftig beim Aufwand „Disziplin üben“ und Einsparmöglichkeiten vornehmen, „die zunehmend auch für Bürgerinnen und Bürger spürbar sein werden“.
Noch 12,1 Millionen Euro Schulden fürs Kombibad F3
Die gesamte Verschuldung in Fellbach klettert zum Jahresende auf 93,4 Millionen Euro (leicht unter dem Ansatz): Allein bei der Stadt sind es 81,3 Millionen Euro, für die Finanzierung des 2013 eröffneten F3-Kombibads kommen noch mal 12,1 Millionen Euro hinzu. Umgerechnet auf die Bevölkerung liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 1723 Euro (ohne F3) sowie 256 Euro (nur fürs F3). Macht in der Summe je Bürgerin und Bürger also eine Verschuldung von 1979 Euro.
Im Gremium wurde der Zwischenstand mit verhaltender Genugtuung aufgenommen. „Alles verläuft nach Plan, das ist schon mal nichts Schlechtes“, meinte etwa Beate Wörner von den Grünen. Franz Plappert (CDU) sagte: „Manchmal ist Normalbetrieb gar nicht so schlecht“.