Trotz Denkmalschutz Schützenhaus in Stuttgart verwahrlost

Von Eva Funke 

Die grünen Klappläden sind dicht: Das Garnisonsschützenhaus steht seit fünf Jahren leer. Foto: Leif Piechowski
Die grünen Klappläden sind dicht: Das Garnisonsschützenhaus steht seit fünf Jahren leer. Foto: Leif Piechowski

Seit Jahren steht das Garnisonsschützenhaus am Stuttgarter Dornhaldenfriedhof leer. Wie es mit dem denkmalgeschützten Bau der Stadt weitergeht, ist unklar. Bürger sammeln im Internetblog Ideen für eine Nutzung.

Seit Jahren steht das Garnisonsschützenhaus am Stuttgarter Dornhaldenfriedhof leer. Wie es mit dem denkmalgeschützten Bau der Stadt weitergeht, ist unklar. Bürger sammeln im Internetblog Ideen für eine Nutzung.

Stuttgart - Das Fachwerkhaus aus rotem Backstein mit den grünen Fensterläden liegt abgeschieden am Waldrand beim Dornhaldenfriedhof. Erbaut wurde das denkmal­geschützte Gebäude 1893. Darin untergebracht war die Werkstatt für die Schießscheiben und die Kantine für die Garnisonssoldaten. Sie nutzten das umliegende Gelände vor dem Ersten Weltkrieg als Schießübungsplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierten amerikanische Soldaten dort ihre Schießübungen. Irgendwann war das Gebäude Ausflugslokal. Schließlich kaufte die Stadt das Gelände samt diesem Gebäude und dem ebenfalls denkmalgeschützten Nebengebäude vom Bund und legte den Dornhaldenfriedhof an.

Zuletzt, 1970 bis 2009, lebten dort Friedhofsmitarbeiter Dieter Weiß und seine Frau Christa. Unsere Zeitung stellte das Paar 2004 in der Serie „Wohngefühle“ vor. Christa Weiß sagte damals: „Ich möchte in unserem Paradies bleiben. Aber nur mit meinem Mann. Allein wäre es hier zu weit weg von der Welt.“ Als Dieter Weiß vor fünf Jahren mit 68 an Krebs starb, zog seine Witwe aus. Die Gebäude Auf der Dornhalde 1 und 1A stehen seither leer. „Es ist traurig, wie alles verwahrlost“, sagt Christa Weiß. Sie kommt vorbei, wenn sie ihren Mann auf dem Friedhof besucht.

Stadt bessert mit Immobilienverkäufen die Kasse auf

Die Stadt will das Gebäude verkaufen. Zurück geht dieses Vorhaben auf einen Beschluss des Gemeinderats. Der segnete 2009 eine Liste mit rund 85 Immobilien ab, für die die Stadt keine Verwendung hat und die deshalb veräußert werden sollten. Dadurch soll Geld in die Kasse kommen, und Investitionen für die Gebäude sollen gespart werden. Etwa die Hälfte der Immobilien ist verkauft.

Käufer gefunden haben sich unter anderem für die Villa Scheufelen in der ­Pfizerstraße 2E und 2F in der Innenstadt. Das Architekturbüro soll zur Schule werden. Verkauft sind auch die Mietshäuser in der Götzenbergstraße 2 in Uhlbach und in der Pfarrhausstraße 9 und 11 in Vaihingen. In diesen Gebäuden wird nach der Renovierung wieder gewohnt. Abgerissen und als Wohn- und Geschäftshaus neu erbaut wurde das Wohnhaus in der Erligheimer Straße 22 in Zuffenhausen. Von der Liste gestrichen sind die Kaufmannstraße 35 in Botnang und Asperger Straße 41 A/B in Zuffenhausen. Auf beiden Grundstücken sollen Kindertagesstätten entstehen. Ebenfalls in Stadtbesitz bleiben die Ditzinger Straße 3 und 5 in Weilimdorf. Sie sollen Bürgerhaus werden.

Nutzung als Café oder Biergarten ausgeschlossen

Das Problem beim Verkauf des Ensembles Auf der Dornhalde: Es gibt keine baurechtlich genehmigte Nutzung für die Gebäude. „Selbst für die Wohnnutzung lag keine Genehmigung vor“, sagt Doris Rüdiger, stellvertretende Leiterin des Amts für Liegenschaften und Wohnen. Als Grund vermutet sie, dass die Gebäude in der Verwaltung des Garten-, Friedhofs- und Forstamts waren, als die Familie Weiß einzog. Dass keine genehmigte Nutzung vorliegt, wurde erst durch die Verkaufspläne offensichtlich. Mittlerweile gibt es laut Liegenschaftsamt eine Handvoll Kaufinteressenten. Allerdings soll nur eine „friedhofsnahe Nutzung“ genehmigt werden: als Friedhofsgärtnerei oder Steinmetzbetrieb oder eventuell als Wohnhaus.

Nicht denkbar sei eine Nutzung als Café oder Biergarten wie von engagierten Bürgern im Internetblog vorgeschlagen. Denn die Gebäude liegen im Landschaftsschutzgebiet. Interessant sei dagegen der Vorschlag der Blogger, ein „Haus der Ruhe“ mit Museum zum Thema Tod einzurichten, sagt Doris Rüdiger vom Amt für Liegenschaften und Wohnen. Allerdings müsse ein Betreiber gefunden werden, der den denkmalschützerischen Auflagen nachkommt.

Die SPD-Stadträte werfen der Verwaltung indes vor, sich nicht um das Gebäude zu kümmern , so dass es zusehends verfällt und eine Sanierung möglicherweise nicht mehr machbar ist. „So einmalige Gebäude sollten im Besitz der Stadt bleiben“, fordert Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind. Die Untere Denkmalschutzbehörde sieht noch keinen Handlungsbedarf. „Die Substanz ist nicht gefährdet“, sagt Christoph Schindelin.

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