Der Tropensturm war der bisher schwerste in diesem Jahr und setzte Hongkong zum Teil unter Wasser. Foto: imago stock&people

Die chinesische Sonderverwaltungszone wird am Sonntag vom Tropensturm der Stufe 10 getroffen – Todesfälle auf den Philippinen

Hongkong - Vom frühen Sonntagmorgen an hat der Taifun Mangkhut Hongkong fest im Griff. Windböen mit bis zu 220 Kilometern pro Stunde fegen über die kleine Insel, meterhohe Wellen klatschen wuchtig gegen die Promenade. Auf den Philippinen hat der tropische Wirbelsturm zu diesem Zeitpunkt bereits eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Bis zu hundert Menschen kamen ums Leben, mindestens 5,2 Millionen sind von dem Sturm und seinen Folgen betroffen. Nun ist also Hongkong an der Reihe.

Im elften Stockwerk eines Hochhauses in Lohas Park, einer Wohnsiedlung im Südosten der chinesischen Sonderverwaltungszone, peitscht der Regem schon frühmorgens gegen die Fenster, lässt die Scheiben zittern. Draußen ist es düster, der Wind treibt Plastiktüten und Blätter vor sich her. Immer wieder schrillen Sirenen auf, klirrt Glas, das nicht weit entfernt zerbricht. Um 8 Uhr stuft das Hong Kong Observatory – die Behörde, die in der Stadt für Wettervorhersagen und Sturmwarnungen zuständig ist – Mangkhut von einem Sturm der Stufe 8 zu einem der Stufe 9 herauf. Das bedeutet: Flüge werden gestrichen, Busse und U-Bahnen fahren nicht mehr, die Menschen sind dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben, sich von ungeschützten Fenstern und Türen fernzuhalten.

Einen Taifun mitzuerleben sei ein typisches Hongkong-Erlebnis, sagt Hamza Zia, ein 24-jähriger Software-Unternehmer aus Pakistan, der eines der Zimmer seiner Wohnung in Lohas Park über Airbnb vermietet. „Eigentlich sollte ich das in die Zimmer-Beschreibung schreiben: Das Gebäude ist sicher, wenn ein Sturm auf die Stadt trifft.“

Leergefegte Straßen

Sein bulgarischer Mitbewohner Peter schaut in seinem Zimmer Serien auf dem Laptop, während die beiden deutschen Gäste es sich auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich machen. Ihre Weiterreise war für diesen Tag geplant, doch um 9.45 Uhr erklärt das Hong Kong Observatory Mangkhut zu einem „Super-Taifun“ der höchsten Stufe 10 Nichts geht mehr. Zur Mittagszeit dröhnt der Wind so laut um die Hausecken, dass eine Unterhaltung unmöglich ist. Auf den Ohren lastet ein unangenehmer Druck, doch immerhin gibt es weiterhin fließendes Wasser und Strom im Apartment, sogar das Internet funktioniert.

Auf Twitter teilen die Bewohner Hongkongs Fotos und Videos von Sturmböen, die Baugerüste innerhalb von Sekunden von Hochhauswänden reißen, und von Toiletten, aus denen das Wasser sprudelt wie aus Springbrunnen. Die Straßen der Sieben-Millionen-Metropole sind wortwörtlich leer gefegt.

Die Hongkonger sind auf Taifune wie Mangkhut vorbereitet, sie kennen sich aus mit den Stürmen, die ihre Stadt fast jährlich von Mai bis November heimsuchen. Schon Tage vor einem Sturm strahlen Radio- und Fernsehsender Warnungen aus. Von da an decken sich die Bewohner Hongkongs mit Wasser und mit Lebensmitteln ein. Keiner möchte seine Wohnung verlassen, wenn draußen der Wind wütet. Hamza Zia erlebte seinen ersten tropischen Wirbelsturm im Jahr 2012. Damals verwüstete Vicente seine Erdgeschosswohnung in der Causeway Bay, nur einen Straßenzug vom Meer entfernt: „Wir mussten eine Woche lang aufräumen und die Wasserschäden beseitigen.“

Tiefer liegende Viertel sind überflutet

Auch die Bewohner der kleinen Insel Cheung Chau werden in den kommenden Tagen wohl mit schweren Wasserschäden zu kämpfen haben. Am Abend liegt der Pegelstand in vielen Teilen Hongkongs mehrere Meter über dem normalen. Die tiefer liegenden Stadtgebiete sind überflutet, der Wind hat Bäume entwurzelt, Fensterscheiben zerstört und einen Baukran umgeworfen. Tausende Menschen wurden evakuiert, mehr als hundert verletzt. Todesfälle gab es glücklicherweise keine.

Am frühen Abend werden die Böen allmählich schwächer. Um 21 Uhr setzt das Hong Kong Observatory den Taifun schließlich auf die Stufe 8 herab. Der Sturm zieht weiter. Nun muss sich das chinesische Festland auf Mangkhut gefasst machen.

Florence ist kein Hurrikan mehr

Bewertung

Nach Angaben des US-Hurrikanzentrums in Miami vom Sonntagmorgen (Ortszeit) verlor der Wirbelsturm Florence weiter an Kraft und gilt nun nur noch als Tropisches Tiefdruckgebiet.

Warnung

Dennoch warnte das Hurrikanzentrum weiterhin vor Sturzfluten und Hochwasser führenden Flüssen in den US-Bundesstaaten North Carolina und South Carolina. Die Sturmwarnungen wurden allerdings aufgehoben.

Prognose

Florence bewege sich langsam in Richtung Nordosten und bringe dabei ­weitere heftige Regenfälle. Die Windgeschwindigkeit verringerte sich auf 55 Kilometer pro Stunde, in den kommenden Tagen werde eine weitere Abschwächung erwartet.

Schäden

Florence richtete im Südosten der USA schwere Verwüstungen an. Mindestens sechs Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Flüsse traten über die Ufer und erreichten Rekordpegelstände. Straßen wurden überspült, Stromleitungen beschädigt. Retter mussten Menschen aus gefluteten Häusern holen.

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